An den Linden

Fußboden der Klever Grundschule bereitet Kopfschmerzen

Kinder und Eltern der Grundschule An den Linden überreichten Bürgermeisterin Sonja Northing 700 Unterschriften. Die Eltern fordern den Austausch der Fußböden.

Kinder und Eltern der Grundschule An den Linden überreichten Bürgermeisterin Sonja Northing 700 Unterschriften. Die Eltern fordern den Austausch der Fußböden.

Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Ein Gutachter hat den in einer Klever Grundschule verwendeten Parkettkleber als „Gefahrstoff“ eingestuft. Versiegelung soll Gerüche beseitigen.

Auch wenn die Messwerte eine akute Gesundheitsgefährdung ausschließen, bleiben nicht nur die Kinder und Eltern der Grundschule An den Linden skeptisch. Auch einige Klever Ratsvertreter äußerten in der jüngsten Sitzung ihre Zweifel, ob das regelmäßige Lüften und Wischen der Klassenräume eine praktikable Lösung ist, um die Raumluft von den Ausdünstungen des Parkettklebers zu befreien.

Vor der Ratssitzung überreichen Eltern und Kinder der Grundschule 700 Unterschriften an Bürgermeisterin Sonja Northing. Sie fordern den Ausbau der belasteten Fußböden. Eine Mutter gab an, dass ihre Tochter regelmäßig mit Kopfschmerzen nach Hause komme.

Raumluft wurde zwei Mal gemessen

Während der Ratssitzung erklärte der Sachverständige Heiner Mokreß in einem anschaulichen Vortrag, dass er zwei Mal die Raumluft in der Grundschule gemessen habe. Bei der ersten Messung habe es in einem Raum im Erdgeschoss eine deutliche Überschreitung des ersten Richtwertes für polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) gegeben (siehe Grafik). Bei der zweiten Luftraum-Messung lagen alle Werte unter dem ersten Richtwert.

Mokroß hat auch den Fußbodenkleber beprobt. Dabei kam heraus, dass „der Kleber eindeutig als Gefahrstoff einzustufen ist“, so der Gutachter im Gespräch mit der NRZ. Der Grenzwert für Benzo(a)pyren wurde um den Faktor 10 überschritten. Zulässig seien 50 Milligramm je Kilogramm, gemessen wurden 500 Milligramm je Kilogramm.

Versiegelung des Bodens soll Raumluft verbessern

Um die Ausdünstungen dieses Klebers zu unterbinden, möchte die Stadtverwaltung nun eine Spezialversiegelung einbauen, die den Boden so abdichtet, dass die PAK-Werte in der Raumluft auf 2,3 Mikrogramm je Kubikmeter reduziert werden. Dann seien die Gerüche auch nicht mehr wahrnehmbar. „Das ist ein sportliches Ziel“, sagte der Gutachter in der Ratssitzung.

Von einem Austausch des Bodens - wie ihn die Eltern fordern - rät Baudezernent Jürgen Rauer ab. Zum einen sei dies nicht notwendig, zum anderen sei auch der Ausbau mit Risiken verbunden. Die Klassenräume müssten hermetisch abgedichtet werden und gegebenenfalls müsse auch der Estrich entfernt werden. Das sei in der Ferienzeit nicht hinzubekommen.

Rauer: „Wir müssen diese Gerüche abstellen“

Die vorgeschlagene Methode sei völlig ausreichend, um eine gesunde Raumluft zu gewährleisten. Auch das Kreisgesundheitsamt Kleve habe bestätigt, dass die vorgeschlagene Versiegelung völlig in Ordnung sei. Man habe bereits an anderen Schulen im Kreis gute Erfahrungen damit gemacht. Rauer betonte, dass er davon ausgehe, dass nach dieser Maßnahme keine außergewöhnlichen Lüftungen mehr nötig seien: „Wir müssen diese Gerüche auf jeden Fall abstellen.“

Dies ist auch der springende Punkt für die CDU. Der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Gebing hegte seine Zweifel, ob es im Schulalltag möglich ist, immer ausreichend zu lüften. Gerade nach einem Wochenende könnten sich erhöhte PAK-Werte einstellen. Jürgen Rauer sagte, dass Hausmeister und Lehrer dafür Sorge zu tragen haben, dass die Fenster regelmäßig geöffnet werden. Ein längeres Stoßlüften sei wichtig: „Ich gehe davon aus, dass der Hausmeister dies auch jeden Morgen macht.“ Zusätzlich werde der Boden täglich gewischt.

FDP bleibt weiterhin skeptisch

Auch der Gutachter hält eine Versiegelung des Bodens für hilfreich. Allerdings müsse man auch hier auf die Stoffe achten, die verwendet werden: „Sonst treiben sie den Teufel mit dem Beelzebub aus“. Mit einer Versiegelungen habe er noch keine Erfahrungen gemacht: „Dies muss man ausprobieren“, so Mokroß. Die Verwaltung wünscht daher auch eine häufigere Überprüfung der Raumluft.

Für Daniel Rütter (FDP) ist dies alles nur eine mittelfristige Lösung. Die Stoffe blieben schließlich im Kleber: „Und eine Versiegelung kann auch beschädigt werden. Da sind Steinchen unterm Schuh, da werden Tische und Stühle verrückt. Solange die Schadstoffe im Boden sind, müssen wir dies im Auge behalten.“ Rauer gab Rütter in diesem Punkt Recht: „Wir müssen den Zustand der Versiegelung dauerhaft im Auge behalten“.

  • PAKs kommen in Teerprodukten vor
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind vor allem in Teerprodukten enthalten. In normalen Alltagsgegenständen sind sie kaum noch anzutreffen, so der Gutachter Heiner Mokroß.
  • Man verwendet die Stoffe im Straßenbau, als Klebstoff für Parkette oder für Holzpflaster.
  • PAKs sind geruchsintensiv und gesundheitsschädlich (krebserregend). Gasförmig treten sie als Naphtalin auf, als Feststoff sind sie als Benzo(a)pyren gebunden. Das flüchtige Naphtalin entstehe auch beim Grillen, wenn das Fett in die Glut tropft, so Mokroß.

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