Projekt-Zwischenbilanz

Gymnasium Goch sucht gezielt nach Talenten der Schüler

Freude über den guten Projektstart (von links): Katharina Maslow, Dr. Robin Pflüger, Dr. Christoph Peters, Bürgermeister Ulrich Knickrehm, Gilbert Wehmen (Förderverein), Kristina Derks (Stadtwerke) und André Müller (Sparkasse).

Foto: Niklas Preuten

Freude über den guten Projektstart (von links): Katharina Maslow, Dr. Robin Pflüger, Dr. Christoph Peters, Bürgermeister Ulrich Knickrehm, Gilbert Wehmen (Förderverein), Kristina Derks (Stadtwerke) und André Müller (Sparkasse). Foto: Niklas Preuten

Goch.   Das Städtische Gymnasium Goch möchte in einem Projekt die Stärken und Schwächen seiner Fünftklässler herausfinden, um sie individuell zu fördern.

Der Begriff ist ein wenig sperrig und dennoch in der Bildungslandschaft derzeit in aller Munde: diagnosebasierte individuelle Förderung. Schulen möchten systematisch Stärken und Schwächen ihrer Schülerinnen und Schüler herausfinden, die im regulären Unterricht teilweise verborgen bleiben. Mit Hilfe dieser Informationen können Lehrer leichter eine auf den Einzelnen zugeschnitte Lernunterstützung anbieten. Was in der Theorie recht simpel klingt, ist „in der Umsetzung eine Herausforderung“, sagt Dr. Robin Pflüger. Der Entwicklungspsychologe begleitet wissenschaftlich das im vergangenen Jahr gestartete Projekt „Talente entdecken – Interesse entwickeln“, mit dem das Städtische Gymnasium Goch die individuelle Förderung gezielter steuern möchte.

Dreistündiger Test im Rathaus

Nun zogen die Beteiligten eine erste Zwischenbilanz, die überaus positiv ausfällt. „Wir hatten mit mehr Anfangsproblemen gerechnet. Bis jetzt läuft das Projekt sehr erfolgreich“, stellt Erprobungsstufenkoordinatorin Katharina Maslow fest. Knapp 80 und damit bis auf drei alle Fünftklässler nahmen an dem freiwilligen, rund dreistündigen Test im Rathaus teil, der Begabungsschwerpunkte, persönliche Interessen und Nachholbedarf in Bereichen wie Logik, verbale und numerische Fähigkeiten, Rechtschreibung und Lesefähigkeit diagnostizierte. „Wir beobachten bei den Schülerinnen und Schülern, die teilgenommen haben, deutliche, positive Effekte für den Schulalltag. Sie sind im Unterricht selbstbewusster und gehen mit größerem Engagement an die Aufgaben“, so Maslow.

Dr. Robin Pflüger lobt die Offenheit der Schule, „einen Fremdkörper aufzunehmen und externe Daten einfließen zu lassen. Die Lehrkräfte wollen neue Impulse umsetzen und über neue Fördermaßnahme nachdenken“. Dazu könne beispielsweise im konkreten Fall gehören, die Hausaufgaben zu minimieren und dafür die Schülerin oder den Schüler eine Facharbeit schreiben zu lassen.

Förderkonzept wird erarbeitet

Auf Grundlage der Ergebnisse wird das Gymnasium zudem ein Förderkonzept erarbeiten. Ein erstes Element daraus, ein Kurs zur Rechtschreibung, soll demnächst starten. „Dieses wissenschaftlich fundierte Diagnoseverfahren eröffnet uns Möglichkeiten, die wir vorher nicht hatten“, sagt Schulleiter Dr. Christoph Peters. „Es ist für unsere Schule ein ganz wichtiges Instrument.“

Das Projekt soll auch helfen, die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern zu verbessern. „Viele Eltern fragen sich nach dem Wechsel auf das Gymnasium, ob sie für ihr Kind die richtige Schulform gewählt haben – insbesondere wenn anfangs die Noten schlechter sind als auf der Grundschule“, erklärt Katharina Maslow. „Wir möchten ihnen diese Unsicherheit möglichst früh nehmen.“ In Lernentwicklungsgesprächen erfahren die Eltern die Resultate des Verfahrens und die Fördermöglichkeiten. „Wir sammeln jedoch keine Daten, die ein Kind abstempeln. Es gibt keine Messlatte, es wird auch kein IQ ermittelt, sondern ein Normbereich für diese Jahrgangsstufe an dieser Schule“, betont Dr. Robin Pflüger.

Durch die Unterstützung der Stadtwerke Goch, der Sparkasse Goch-Kevelaer-Weeze sowie des Fördervereins des Gymnasiums ist das Projekt „Talente entdecken – Interessen entwickeln“ für drei Jahre finanziert. „Unser Bestreben ist es, daraus eine dauerhafte Einrichtung über die drei Jahre hinaus zu machen“, kündigt Dr. Christoph Peters an. Ab dem kommenden Jahr bezieht die Schule neben den Klassenlehrern auch die Fachlehrer mit ein.

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