Konzert

Gitarren im Wasserbecken

Ausgelassen verabschiedeten sich die Mitwirkenden auf der Bühne im Wasserbecken.

Ausgelassen verabschiedeten sich die Mitwirkenden auf der Bühne im Wasserbecken.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   „Global Guitar“-Abend im Rahmen der Kulturwelle im alten Klever Hallenbads mit ambitionierten Fortgeschrittenen und echte Könner des Saitenspiels.

Einen abwechslungsreichen Gitarrenabend bot die Gitarreninitiative Niederrhein (GiN) zur Verabschiedung vom alten Hallenbad in den Kulturwelle-Wochen. Nur der Titel „Global Guitar Beach Party“ war sehr irreführend. Strandfeeling wurde versprochen, doch es wurde ein konzentriertes Gitarrenkonzert umgesetzt. Das allerdings zeigte die ganze Bandbreite des Könnens am weit gefassten Niederrhein, von ambitionierten Fortgeschrittenen bis zu Könnern der höheren Liga.

Außer den hervorragenden Cocktails (von Andreas Beuscher) am Fuße der gesperrten Kinderrutsche beschworen auch riesig projizierte Urlaubsfotos Strandgefühle. Die Gitarristen wählten ihre Stücke passend aus.

So lud das Xantener Gitarrenorchester (Leitung Jürgen Slojewski) an den Rhein

zur Loreley, spielte Wolfgang Reich „Manha de Carnaval“, das „Trio Vollrausch“ (Thomas Geisselbrecht, Steph Rausch, Jürgen Slojewski, Kleve) schickte den Tango über die Sitzreihen.

Eigene Kompositionen

Mit Tango und Milonga der Gaucho-Trobadore konnten Christa Schumacher und Walter Frasch absolut überzeugen. Einen schönen Ton entlockten sie ihren Gitarren.

„Er vereint das Beste aus zwei Welten, Gesang und Gitarrenspiel“, kündigte Thomas Geisselbrecht dann Jochen Jasner (Düsseldorf) an. Und behielt Recht. Jasners klarer Tenor in akzentfreiem Spanisch schilderte ein „Vorstadtviertel mit unruhiger Seele eines verliebten Spatzen“. Dazu spielte er sein Instrument a’la Flamenco mit Golpe-Technik – ein Genuss. Das mucksmäuschenstille Publikum wusste es zu schätzen. Qualität, die fesselt.

Wie er, trug auch Markus Kaiser (Oberhausen) eigene Kompositionen vor. Dessen 40 Jahre altes Stück „Wasserlauf“ floss zeitlos. Darüber hinaus ließ er das Publikum zu Beethoven klatschen: Ode an die Freude verjazzt.

Träumen Sie sich mit mir ins warme Spanien“, lockte Martina Gruber (Österreich/Wesel). Sie spielte ausdrucksstark und präzise: Stücke von Federico Moreno Torroba gehören mit zum Anspruchsvollsten, was die Gitarrenwelt zu bieten hat. Sie kann’s.

Irische Volksmusik

Selten gehört auch Kompositionen des Spaniers Manuel Palau: Dass die Hoftänze auch „modern, impressionistisch, farbenfroh“ zu interpretieren sind, bewies der Neu-Klever Andreas Gomà Knorn.

Gitarre und irische Bouzouki traten bescheiden als Begleitinstrument zurück beim Klever Duo „Fine Tune“ alias Helga und Peter Supplieth. Akkordeon und warme Alt-Flöte bestimmten zum Abschluss des Abends die irische Volksmusik.

Das Hallenbad ist mit seiner flaschenklappernden Geräuschkulisse sicher kein Konzertsaal, doch war die Akustik erstaunlich gut. Die Säulen in Rot und Blau beleuchtet, das Wasserbecken blau angestrahlt, die Lampen mit Tüten zu schemenhaftem Licht verhängt, gab man sich aber Mühe, den Raum stimmungsvoll zu gestalten.

Kein Beach, keine Party, aber ein schöner Gitarrenabend.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben