NRZ-Serie Mensch am Mittwoch

Goch: Der Krippenmann bietet ein Fest für fast alle Sinne

Theo Erps lädt in Goch-Asperden ganzjährig in sein Krippenparadies. Die schönste Stimmung erfährt es in der Vorweihnachtszeit.  

Theo Erps lädt in Goch-Asperden ganzjährig in sein Krippenparadies. Die schönste Stimmung erfährt es in der Vorweihnachtszeit.  

Foto: Anke Gellert-Helpenstein / NRZ

Goch-Asperden.  Theo Erps ist ein weitgereister Mensch. Der 73-Jährige hat eine einzigartige Krippenausstellung aufgebaut. Nicht nur zur Weihnachtszeit

Welcher Buchtitel trifft auf den 73-jährigen Theo Erps aus Asperden besonders gut zu? Diese Frage ist schnell beantwortet, wenn man sich seine Sammelleidenschaft genauer anschaut: „Nicht nur zur Weihnachtszeit.“ Denn ähnlich wie in der gleichnamigen Satire von Heinrich Böll sind im ehemaligen Ladenlokal an der Graefenthalstraße 15 in Asperden zwar keine Weihnachtsbäume, aber doch die plastischen Darstellungen der Geburt Christi das ganze Jahr zuhause. Und hier auch das ganze Jahr zu bestaunen und zu besichtigen. Krippen aus aller Welt – nicht nur zur Weihnachtszeit.

In vielen Haushalten hat die Tradition des weihnachtlichen Krippenaufbaus überlebt. Eine Tatsache, die niemanden mehr freut als Fachmann Theo Erps und seine Frau Monika, die seine Leidenschaft für die Krippen mit trägt. Denn der schöne Brauch soll weitergereicht werden. „In den Kirchen sind die Krippen leider meist nur zu den Gottesdienstzeiten öffentlich zugänglich“, so Erps, der sich noch genau daran erinnern kann, wie wichtig für ihn der Besuch der großen Kirchenkrippe in seiner Pfarrgemeinde St. Stephanus in Kessel war. Und die heimische Krippe seiner Kindheit ist heute fester Teil der Ausstellung.

Auf einem Weihnachtsmarkt kam Theo Erps zu seiner ersten eigenen Krippe, einer Rifesser Krippe. Die Krippe wuchs und wuchs. Das Wohnzimmer reichte zum Aufbau nicht mehr aus, der Hauskeller musste herhalten. Weihnachten 2007 konnte die Krippenlandschaft von Besuchern besichtigt werden. Das Interesse war groß. „Als ich dann in Altersteilzeit ging, konnte ich gezielt Krippen sammeln.“ Erst wurde ab 2008 in Kessel ausgestellt, seit September 2012 am jetzigen Ort in Asperden. Im dortigen Ladenlokal (Erps: „Das ist kein Museum“) stehen mittlerweile rund 750 Exemplare aus aller Welt. Liebevoll von Monika Erps dekoriert, abgestaubt und in Szene gesetzt.

Theo Erps hat jede einzelne im Netz gefunden oder in der Welt auf Fernreisen gesammelt. Denn Reisen sind auch so eine Leidenschaft des Krippenmannes. „Ich war oft im Himalaya unterwegs. Nepal, Tibet…Den Dalai Lama habe ich auch erlebt.“ Ein beeindruckendes Erlebnis für den sympathischen Theo Erps, der sich selbst für einen hektischen, ungeduldigen Menschen hält, aber inmitten seiner Krippen dann doch eine fast besinnliche Ruhe ausstrahlt. Gepaart mit einer ihm eigenen Begeisterung für die figürlichen Darstellungen der Geburt von Jesus. Apropos: Israel steht noch auf dem Wunschzettel. Seine Fern-Reisen hat er damals übrigens auch fotografisch fest gehalten und vertont. Dia-Vorträge folgten.

Doch zurück zu seinen Krippen. Viele haben heimische Wurzeln, wurden hier auf Weihnachtsmärkten gekauft, in Scheunen, Kellern und auf Dachböden gefunden und vor dem Vergessen gerettet. Oder an Theo Erps verschenkt . „Mir wäre es lieber alle würden die Krippen behalten und in ihren Familien weiter geben“, so der Sammler. Damit Krippen eben nicht nur noch als vage Erinnerung an Kinder, Enkel und Urenkel vererbt werden.

Das Bewahren der christlichen Krippen-Tradition ist Erps wichtig. Übrigens stammt das Wort Krippe aus dem Althochdeutschen vom Wort „Krippa“ und vom mittelhochdeutschen „Kripfe“. Theo Erps erklärt, dass es „Futtertrog“ heißt. Eben die Wiege des Jesuskindes nach der Geburt im Stall von Bethlehem. Mehr zur Geschichte der Krippe gibt’s hier: http://www.krippenparadies-gocherland.de/Die%20Weihnachtskrippe/Die%20Weihnachtskrippe.html

Wenn Erps nicht gerade auf bis zu 70 km weiten Fahrradtouren am Niederrhein unterwegs ist, dann freut er sich darauf, Führungen individuell anzubieten. Theo Erps weiß: „Auch Menschen, die sonst keine Kirchgänger sind, empfinden beim Betrachten der Krippe eine besondere Mystik.“ Die Szenen mit dem Säugling im Trog berühren in der Vielfalt der Darstellung noch viele Menschen. Und dürfen es weiterhin tun, denn Familie Erps möchte die Krippen-Tradition weiter pflegen und den kostenfreien (alles basiert auf freiwilliger Spendenbasis) Besuch der Ausstellung auch künftig Interessierten ermöglichen. Die Pflege der Krippenausstellung macht dem Ehepaar Erps übrigens viel Freude. „Wir sind wirklich humorvoll, es gibt immer auch viel zu lachen mit und bei uns“, verrät Erps.

Aber natürlich auch zu staunen: Miniatur-Krippen oder Figuren, die fast bis zur Hüfte reichen. Federleicht die einen, tonnenschwer die anderen. Die Materialien vielfältig. Aus Holz, Gips, Stein, Stoff, Gummi, Ton, Perlen, Papier, Stroh oder Reis. Für alle Sinne. Fast. Nur „Anfassen“ ist nicht erwünscht. Dafür erfreut sich das Auge an Farben und Formen. Zumindest wenn man ab und zu Ruhe in den Rundumblick bringt – sonst droht die Flut der Objekte den Betrachter zu überfordern. Auch die Nase kommt auf ihre Kosten. „Die Krippe aus Orangenschalen duftete anfangs sehr stark. Und die aus Zimtrinde ist immer noch riechbar“, so der Hüter der „Kripfen“. Schmecken würden sie vielleicht auch noch. Vereinzelte bewegliche Krippen (wie kleine Karussells) sprechen darüber hinaus auch die Ohren an.

Übrigens: Das Krippenparadies GocherLand trägt das Motto „Transeamus usque Bethlehem“. Der lateinische Satz bedeutet „Laßt uns nun gehen gen Bethlehem“ und stammt aus einem Chorwerk. Theo Erps sieht die Ausstellung als Ort, an dem man Verweilen, Innehalten und kindlich Staunen kann. Hier lässt sich die Weihnachtsgeschichte in den Krippen lesen. Eben Transeamus usque Bethlehem, oder ganz frei übersetzt: „Lasst uns in die Krippenausstellung gehen und sehen, was sich zugetragen hat.“

Theo Erps freut sich auf Interessierte. Nicht nur zur Weihnachtszeit!

Infos: www.krippenparadies-gocherland.de

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