Kommunalpolitik

Goch: Erstarkte Grünen-Fraktion will grünere Stadt

Der Radweg an der Klever Straße in Goch ist ein Sanierungsfall. Die Grünen wollen den Radverkehr stärken.

Der Radweg an der Klever Straße in Goch ist ein Sanierungsfall. Die Grünen wollen den Radverkehr stärken.

Foto: Niklas Preuten

Goch.  Die Grünen in Goch benennen ihre Themen: Wohnprojekte sollen gefördert, der Einzelhandel gestärkt und stärker auf den Radverkehr gesetzt werden.

Ihre Erziehung, so hofft sie, hat ihre Kinder vermutlich mit ökologischem Bewusstsein ausgestattet. Umgekehrt war es der inzwischen mehr oder weniger erwachsene Nachwuchs, der sie dazu gebracht hat, sich aktiv mit grüner Politik zu beschäftigen. Kathrin Krystof (53) ist die neue Fraktionsvorsitzende der Gocher Grünen, ihr Sohn David war bisher Ratsmitglied in Goch, seine Geschwister teilen seine politischen Interessen. Bisher war seine Mutter „nur“ sachkundige Bürgerin im Schulausschuss, künftig hat sie – wie weitere vier Parteifreunde – ein Ratsmandat. Gemeinsam mit Anne Peters, der Nummer zwei auf der Liste der Grünen, erklärt sie ihre Pläne für die politische Arbeit in Goch.

Anne Peters war schon mal Mitglied des Gocher Stadtrats. „Als Nachrückerin für den verstorbenen Heinfried van de Loo“, sagt sie. Auch als Kreistagsvertreterin hat die 68-Jährige Erfahrung, wobei sie in den vergangenen Jahren keiner Fraktion angehörte. Ebenso wie Kathrin Krystof, die an der Gesamtschule in Rindern unterrichtet, ist Anne Peters Lehrerin – wenn auch inzwischen in Pension.

Sie war an der Schule für geistig Behinderte Haus Freudenberg tätig. Mit Rose Wecker ist übrigens auch die dritte Frau im grünen Ratsteam Lehrerin, sogar Schulleiterin, und zwar ebenfalls an der Gesamtschule Am Forstgarten in Kleve-Rindern. Sven van Heek, ein angehender Abiturient, und Hermann Brendieck, der bisherige Fraktionschef, komplettieren das Team.

Vier lebenserfahrene Menschen und ein sehr junger Mann wollen also die grünen Aspekte der Gocher Kommunalpolitik voranbringen. Sven Heeck war „natürlich“ im Wahlkampf derjenige, der für Digitales und Social Media zuständig war. „Ich habe in diesem Bereich zwar schon einiges von meiner 18-jährigen Enkelin gelernt, aber Sven ist da noch fitter“, erzählt Anne Peters.

Durch ihre Arbeit im Kreistag und in der Landschaftsversammlung habe sie zum einen den „Blick aufs Ganze“ und sei zudem mit den Themen Behinderung, Senioren und Schule gut vertraut. Kollegin Krystof interessiert sich besonders für Stadtgestaltung. Sie leitet an ihrer Schule eine Arbeitsgruppe für nachhaltige Entwicklung und ist Hobby-Imkerin. Nicht nur deshalb will sie sich unter anderem für die Anlage von Wildblumenwiesen einsetzen

Kein Schotter in den Gocher Vorgärten

Die Unsitte, Vorgärten mit Schotter zu „gestalten“, gefällt den Grünen ebenso wenig wie der Flächenverbrauch durch immer neue Baugebiete. Einfamilienhäuser sollten nicht die einige denkbare Wohnform für die Mitmenschen sein, finden die Gocherinnen. „Wir wünschen uns Wohnprojekte für Alt und Jung, dafür muss die Stadt Grundstücke zur Verfügung stellen“, finden sie. Bezahlbarer Wohnraum sei ein wichtiges Thema, „dabei darf es aber nicht zu Ghettoisierung kommen“, betont Peters. Kollegin Krystof ergänzt, dass sich „Lebensqualität durch menschliche Begegnungen“ auszeichne und weniger durch den eigenen Garten hinterm Haus.

Für Goch wünscht sich die künftige Fraktionschefin den Erhalt des Einzelhandels, der für Bürger und Besucher gleichermaßen wichtig sei. „Wenn man mit Besuchern spricht, loben die immer unsere Einkaufsmöglichkeiten und die noch relativ zahlreichen kleinen Geschäfte“, sagt sie. Die Frauen hoffen, dass der Marktplatz in Zukunft autofrei sein wird. Und dass es mehr Außengastronomie gibt. „Da wäre einiges schon durch Verschwenken von Fahrbahnen möglich“, meint Anne Peters. Dass gerade ältere Menschen (zuletzt Thema in Kalkar) nicht unbedingt Fan autofreier Innenstädte sind, weiß sie zwar auch. „Aber in größeren Städten funktioniert es auch ohne Parken auf dem Markt.“

Grüne wollen den öffentlichen Nahverkehr deutlich ausweiten

Wobei sich bei diesem Punkt das Thema „Verkehr“ aufdrängt. Durch kreisweie Zusammenarbeit müsse es gelingen, den öffentlichen Nahverkehr deutlich auszuweiten. „Und wir erwarten, dass das Radwegekonzept endlich vorgestellt und dann auch schnell umgesetzt wird“, erklärt Kathrin Krystof. Die Workshops zum Thema seien sehr gut gewesen, die Agentur, die im Auftrag der Stadt tätig sei, habe engagiert begonnen, nun müsse bald ein Ergebnis vorliegen. „Dazu wäre sicher auch der Ringschluss hilfreich“, wirft Anne Peters ein. Mit dem ist bekanntlich unter anderem die Schließung des Bahnübergangs an der Kalkarer Straße verbunden. Nur mit dem Rad und zu Fuß soll es eines Tages möglich sein, von dort aus (vermutlich durch einen Tunnel) in die Stadtmitte zu gelangen.

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