Portrait

Goch: Mutter-Kind-Kurhaus wirkt mit Fingerspitzengefühl

Katrin Hell ist Leiterin des Marianne van den Bosch Hauses in Goch.

Katrin Hell ist Leiterin des Marianne van den Bosch Hauses in Goch.

Foto: Andreas Daams

Goch.  Katrin Hell ist Leiterin des Marianne van den Bosch Hauses in Goch. Hier finden Mütter mit Kleinkindern im Rahmen einer Kur neuen Mut.

Überforderung. Doppel- und Dreifachbelastungen. Zu hohe Ansprüche an sich selbst. Trauer. Partnerschaftsprobleme. Angst. Es gibt viele Gründe, warum Mütter sich so erschöpft fühlen, dass sie eine Mutter-Kind-Kur beantragen. Einer der Orte, an dem sie wieder zu neuen Kräften kommen können, ist das Marianne van den Bosch Haus in Goch, direkt neben dem Krankenhaus. Hierher kommen Frauen mit ihren Kleinkindern, die bis zu sechs Jahren alt sind. Drei Wochen am Stück sind hier im normalen Kuralltag jeweils bis zu 25 Frauen zusammen. Gezicke gebe es nur ganz selten, sagt Klinikleiterin Katrin Hell, im Gegenteil, die Mütter profitierten voneinander ungemein.

Katrin Hell stammt aus Kranenburg, studierte Sozialpädagogik in den Niederlanden, wo sie bis heute wohnt, und arbeitet seit 15 Jahren im Marianne Bosch Haus. Seit November letzten Jahres ist sie Leiterin der Einrichtung. Eine ausgesprochen gut gelaunte Leiterin, die stolz ist auf ihr Team und die Kreativität der Mitarbeiter. Auch die begegnen einem beim Interview erstaunlich humorvoll. In gewisser Weise ist es wohl ein Traumjob hier: „Wir erleben, wie erschöpfte Frauen zu uns kommen und wie sie nach drei Wochen gestärkt abreisen.“ Da helfen die Erzieher mit, die Ärzte, Psychologen, Heilpädagogen, Ernährungsberater und viele andere. Der Vorteil des kleinen Hauses: Nach ein paar Tagen kennt jeder jeden.

Das Frausein nicht vernachlässigen

Aber so schön es ist, beim Erstarken der Kräfte mitwirken zu können – nach drei Wochen kommt der nächste Schwung ermatteter Mütter mit ihren Kindern, überall gibt es Probleme, Unglücksfälle und Leid, mit dem man sich auseinandersetzen muss. „Wenn ich im Auto eine halbe Stunde nach Hause fahre, denke ich noch über die Arbeit nach, aber wenn ich dann zu Hause bin, bin ich ganz für meine Familie und die Freunde da“, sagt Katrin Hell. Auch das gehört dazu: Abstand. Zeit für sich selbst. „Manche Frauen vernachlässigen ihr Frausein“, hat Katrin Hell festgestellt. Auch das ist einer der Punkte, die die Frauen im Marianne Bosch Haus lernen können.

In den Niederlanden, erzählt Katrin Hell, gebe es das System der Kuren, wie wir es kennen, überhaupt nicht. Können sich die Niederlande ausnahmsweise mal etwas von uns abschauen? Wo es um Mütterseelen geht, geht es schließlich automatisch um Kinderseelen. Da scheint so eine Kur sehr viel zu bewirken. Andererseits gilt: „Eine Mutter fühlt sich hier erst wohl, wenn ihr Kind in unserem Kinderland angekommen ist“, so Katrin Hell.

Kinder sind besser drauf, wenn die Mama entspannt ist

Das Kinderland funktioniert wie ein Kindergarten, dabei ganz individuell. Schließlich haben viele der Kleinkinder noch gar keine Erfahrung mit Fremdbetreuung. Das braucht viel Fingerspitzengefühl. „Unsere Erzieher sagen, sie tanzen auch wie die Teletubbies, wenn das nötig sein sollte.“ Wobei – und hier ist man wieder am Anfang – ein Kind viel besser drauf ist, wenn die Mama entspannt ist.

Auch Katrin Hell hat so ihre Methoden, Abstand zu gewinnen vom Beruf. Zum Beispiel geht sie mit ihrem zehnjährigen Sohn am Wochenende zu Fußballturnieren. Manchmal spielt sie auch mit ihm Fußball, aber dann kriegt sie zu hören: „Mama, du spielst Fußball wie ein Mädchen.“ Ansonsten ist sie begeistert von Trödelmärkten, beim großen Trödel in Moers hat sie immer gemeinsam mit ihrem Vater einen Stand. Er verkauft Antiquitäten, sie diverse Schuhe und andere Sachen, die sich so angesammelt haben.

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