Radverkehrskonzept

Gocher haben viele Ideen zum besseren Radfahren in der Stadt

Die Kreuzung von Bahnhofstraße, Kalkarer Straße und An der Post gilt insbesondere für Radfahrer als gefährlicher Knoten in der Innenstadt.

Die Kreuzung von Bahnhofstraße, Kalkarer Straße und An der Post gilt insbesondere für Radfahrer als gefährlicher Knoten in der Innenstadt.

Foto: Niklas Preuten

Goch.  Bei einem Workshop im Kastell gaben die Bürger Anregungen aus dem Radfahralltag. Anfang 2020 soll das Gocher Radverkehrskonzept stehen.

Angelika Außem wünscht sich „mehr Rechte für Radfahrer und Fußgänger“. Wenigstens ein Drittel der Straße sollte diesen beiden Gruppen gehören, findet die Gocherin, die in der Stadt häufig mit dem Rad unterwegs ist. „Aber Spaß macht das nicht“, meint Außem.

Im Frühjahr hat sich die Gocher Verwaltung auf den Weg gemacht, dies zu ändern. Zusammen mit dem Kölner Planungsbüro Via entsteht derzeit ein Radverkehrskonzept, das die Mobilität auf zwei Rädern „angenehmer, sicherer und komfortabler“ machen soll, wie Bürgermeister Ulrich Knickrehm beim Startschuss Ende April sagte.

Drei Tische zu verschiedenen Themen

Beim ersten Radcafé im Kastell konnten sich nun die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen. Neben Angelika Außem nutzten rund 70 Besucher die Möglichkeit, beim Workshop an drei Thementischen mit Via-Mitarbeitern über die Routen im Stadtgebiet, die Verkehrssicherheit und die Mängel auf den Strecken zu diskutieren und den Planern Hinweise aus dem Fahrradalltag auf Gochs Straßen zu geben.

„Es ist fast ein Ding der Unmöglichkeit, sicher mit dem Rad von Pfalzdorf nach Goch zu kommen“, sagte etwa Maria van de Vorle, die die Bürgerbeteiligung begrüßte. Bereits in den vergangenen Monaten konnten die Gocher im Online-Wegedetektiv auf solche Probleme aufmerksam machen und benutzerfreundlich auf einem Stadtplan neuralgische Punkte mit Texten und Bildern eintragen. Rund 250 Meldungen gingen bislang ein. „Im persönlichen Gespräch können wir aber noch besser herausfinden, wo der Schuh wirklich drückt“, sagte Torsten Kauling.

Ein Treffen auf Augenhöhe

Der Stadtplaner freute sich, dass „so viele Gocher, auch jüngere, der Einladung gefolgt sind. Wir haben sehr gute, konstruktive Diskussionen erlebt“. Tatsächlich entwickelten sich im Kastell viele sachliche Gespräche und eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Bürgerinnen und Bürger auf der einen Seite sowie Verwaltung und Planungsbüro auf der anderen Seite nahmen das Treffen auf Augenhöhe ernst.

„Wir haben viele wichtige Vorschläge erhalten“, stellte Andrea Fromberg von Via nach dem Radcafé fest. Unter anderem lenkten die Besucher den Blick der Experten auf Verbesserungen der Radrouten zu den Bushaltestellen in den Gocher Ortsteilen. „Das Ziel ist, damit den Hol- und Bringverkehr an den Schulen möglichst zu unterbinden“, sagte Fromberg. Auch eine flächendeckende Öffnung der Einbahnstraßen für Radfahrer in der Innenstadt kam zur Sprache.

215 Radunfälle in fünf Jahren

Ein heiß diskutiertes Thema war die Verkehrssicherheit. Eine Unfallanalyse des Planungsbüros hat ergeben, dass es in den Jahren 2014 bis 2018 in Goch 215 polizeilich registrierte Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern gab. Ein mit anderen Kommunen vergleichbares Niveau, wie Frank Reuter von Via einordnete. Schwerpunkte lagen unter anderem in der Innenstadt am Kreisverkehr von Klever Straße und Nordring, an der Kreuzung von Bahnhofstraße, Kalkarer Straße und An der Post, aber auch im Gewerbegebiet auf der Borsigstraße oder am Hagebaumarkt. „Autofahrer unterschätzen beim Abbiegen häufig die Geschwindigkeit von Radfahrern, die mit E-Bikes leicht bei 25 km/h liegen kann“, erläuterte Stefan van Ackeren von der Verkehrsdirektion der Kreispolizei Kleve.

Die Ergebnisse des Workshops werden nun gemeinsam mit der Bestandserfassung des rund 160 Kilometer langen Gocher Routennetzes in eine Datenbank überführt. Zum Ende des Jahres soll sich dann noch einmal ein Facharbeitskreis mit Vertretern von Verwaltung, Polizei, Politik, lokalen Radfahrgruppen und Interessensverbänden treffen, und auch die Bürgerinnen und Bürger werden zu einem zweiten Radcafé eingeladen. „Im ersten Quartal 2020 soll das Radverkehrskonzept stehen“, kündigte Stadtplaner Torsten Kauling an.

Umsetzungszeitraum beträgt bis zu 15 Jahre

Darin werden sich konkrete Maßnahmen mit Priorisierung und groben Kostenschätzungen finden, mit denen sich die Politik anschließend bei den Haushaltsberatungen der nächsten Jahre beschäftigen kann. Üblicherweise wird ein Radverkehrskonzept in einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren umgesetzt.

„Ein solches Maßnahmenpaket weckt Begehrlichkeiten“, sagte Andrea Fromberg von Via. „Dafür müssen Geld in den Haushalten und auch Personal zur Verfügung stehen.“ Sie verwies auf die Möglichkeit, einen städtischen Fahrradbeauftragten für zunächst zwei Jahre über das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung fördern zu lassen.

Zudem würde die von Goch angestrebte Aufnahme in den Kreis der fahrradfreundlichen Städte Zuschüsse für eine Mobilitätsbefragung ermöglichen. Die Verwaltung verfügt bislang nicht über aktuelle Zahlen aus Radverkehrszählungen. Jedoch auch ohne statistische Grundlage steht fest: „Beim Radfahren ist Goch im touristischen Bereich stark und muss im Alltagsverkehr noch nachlegen“, sagte Fromberg.

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