Landgericht

Gocher Tankstellenräuber stehen vor Gericht

Der 26-jährige Angeklagte forderte in dem Verkaufsraum dieser Tankstelle die Mitarbeiterin mit gezückter Pistole auf, Geld aus der Kasse zu nehmen.

Der 26-jährige Angeklagte forderte in dem Verkaufsraum dieser Tankstelle die Mitarbeiterin mit gezückter Pistole auf, Geld aus der Kasse zu nehmen.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Goch/Kleve.   Der Prozess vor dem Landgericht in Kleve gegen drei Männer, die im Februar eine Gocher Tankstelle überfielen, hat begonnen.

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Die Glasschiebetür öffnet sich, und der Mann mit der dunklen Kapuze über dem Kopf geht schnellen Schrittes zur Kasse der Tankstelle am Nordring in Goch. Plötzlich zieht er aus der rechten Jackentasche eine Pistole und aus der linken eine weiße Plastiktüte, die hinter die Theke fällt. „Das ist ein Überfall“, macht er der verängstigten Mitarbeiterin klar und bedeutet ihr mit der Pistole fuchtelnd, dass ihr nichts passieren werde, wenn sie das Geld aus der Kasse in die Tüte packe.

Die Bilder der Überwachungskamera zeigen, wie die junge Frau Münzen in einen Beutel schüttet und Scheine hinein legt, bis die schwarze Geldkassette leer ist. Von einem Fuß auf den anderen trippelnd, beobachtet dies der Mann ungeduldig. Schließlich steckt er die Pistole ein, nimmt die Plastiktüte, dreht der Kassiererin den Rücken zu und verlässt den Verkaufsraum der Tankstelle.

Knapp 1000 Euro erbeutet

Auf der Anklagebank in Saal A 105 des Klever Landgerichts sah der 26-Jährige nun die Bilder seiner Tat vom Abend des 19. Februars 2018. Neben dem Kevelaerer saßen gestern Morgen seine beiden Komplizen aus Bedburg-Hau und Kleve, die während des Überfalls im geliehenen Mercedes ausgeharrt hatten, über Telefon und Headset jedoch die Geldübergabe in der Tankstelle miterlebten. „Bis zum Ende habe ich gedacht, dass der Überfall nur ein Bluff und Gerede ist“, sagt der 25-Jährige aus Bedburg-Hau. „Aber da waren wir schon mittendrin.“

Das erbeutete Geld – laut Staatsanwaltschaft knapp 1000 Euro – verprasste das Trio noch am gleichen Tag in Kleve in einer Spielhalle und beim Drogendealer. Gut zwei Monate nach dem Überfall nahm die Polizei zwei der Männer fest. Der dritte Beteiligte, ein 24-jähriger Klever, saß da wegen anderer Delikte bereits in Untersuchungshaft.

Die letzte Zigarette vor dem Überfall

Der 26-jährige Haupttäter erzählte beim Prozessauftakt, wie er und seine beiden Freunde ein, zwei Tage vor der Tat den Plan zum Überfall gefasst hatten. Zwei der drei holten die Waffe ab, eine echt aussehende Softair-Pistole in Camouflage-Optik mit Plastikkügelchen. „Ich habe sie vorher ausprobiert und gespürt, dass ein Schuss nicht weh tut“, sagt der Kevelaerer, der schließlich mit leerer Waffe, aber drei in der Tasche eingesteckten Kugeln zur Tankstellenkasse ging.

Bei einer letzten Zigarette davor habe er noch versucht, seinen Freund von dem Überfall abzubringen, beteuerte der 25-jährige aus Bedburg-Hau. Auch der dritte Mitangeklagte, der das Fluchtauto fuhr, haderte im Gerichtssaal: „Als die beiden mir von dem Plan berichtet haben, wollte ich als guter Freund mitmachen. Ein guter Freund wäre ich aber gewesen, wenn ich das gestoppt hätte.“ Während der wegen mehrerer Diebstähle belangte Klever angab, nie Drogen genommen zu haben, erzählten die anderen beiden Angeklagten über ihre Erfahrungen mit Cannabis, Ecstasy und Amphetaminen.

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