Ausstellung

Gocher zeigen Zoll- und Grenzgeschichte

Dr. Barbara Hendricks mit den Organisatoren der sehenswerten Ausstellung im Fünf-Ringe-Haus.

Dr. Barbara Hendricks mit den Organisatoren der sehenswerten Ausstellung im Fünf-Ringe-Haus.

Foto: NRZ

Goch.   Bundesministerin Barbara Hendricks eröffnete die Gocher Ausstellung zur Zoll- und Grenzgeschichte. Plötzlich wieder ein hochaktuelles Thema

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Schülerinnen fuhren mit dem Rad über die Grenze in die Niederlande. Wenn sie zurückkamen, brachten sie Teebeutel mit – unverzollt natürlich, Schmuggelware. Als Versteck diente die Turnhose unter dem Rock. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erinnert sich noch genau an derartige Grenzübertritte. Ihre Tante, eine Kriegerwitwe, war Putzfrau im Wyler Zollamt. Von ihr hörte sie den Spruch: „Wer an der Grenze wohnt und nicht schmuggelt, ist es nicht wert, an der Grenze zu wohnen.“

Persönliche Erinnerungen

Wer die Ausstellung zur Zollgeschichte im Gocher Fünf-Ringe-Haus besucht, dem fallen vermutlich zahlreiche solcher Anekdoten ein, die mit den Zollkontrollen zu tun haben – sofern er oder sie alt genug ist, um die leibhaftige Grenze noch miterlebt zu haben. Barbara Hendricks sparte jedenfalls in ihrer Eröffnungsrede nicht mit persönlichen Erinnerungen.

Schon als Kind fuhr sie mit ihrer Mutter in der Straßenbahn nach Nijmegen, um dort Winterkleidung zu kaufen. Wenn sie zurückfuhren, waren sie dicker geworden. Denn sie trugen alle möglichen Kleidungsstücke übereinander.

So richtig kontrolliert wurde aber ohnehin nicht, vermutet sie. Als ein Verwandter von ihr einmal über die Grenze musste, aber seinen Personalausweis vergessen hatte, lieh er sich einfach einen aus. Es gab dann auch keine Probleme mit dem Zöllner, obwohl der Verwandte beide Hände am Steuer hielt und der ausgeliehene Pass unter „Besondere Kennzeichen“ vermerkte: einarmig.

Auch Willi Vaegs, Vorsitzender des Heimatvereins, erinnert sich noch genau an die alltägliche Schmugglerei. „Mein Vater hatte eine kleine Schmiede, und da kam so mancher guten Tag sagen“, erzählte er. Doch was an der deutsch-niederländischen Grenze harmlose Kindheitserinnerungen sind, war an der deutsch-deutschen Grenze nicht selten eine Sache von Leben und Tod. Auch davon erzählt die Ausstellung mit zahlreichen Gegenständen und Texten.

Vor 20 Jahren fielen dann dank des Schengener Abkommens die ersten Grenzkontrollen zwischen den europäischen Staaten weg. Mittlerweile genießen die Bewohner von 26 Ländern diese Vorzüge. Und doch ist das Thema Grenzkontrolle durch die sogenannte Flüchtlingskrise jäh wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.

Die Ideen Europas weitertragen

„Heute werden wieder Grenzen befestigt, und das bestürzt mich“, sagte Barbara Hendricks. „Haben die, die heute lautstark Grenzen fordern, die Geschichte begriffen?“ Wer Verfolgung und Tod zu fürchten habe, lasse sich nicht von Zäunen und Mauern aufhalten. „Wir sollten keine Angstdebatten führen, sondern praktische Lösungen finden“, so Hendricks. „Wenn wir die Ideen Europas weitertragen, werden wir die Herausforderungen meistern.“

Die Ausstellung im Gocher Fünf-Ringe-Haus ist bis Weihnachten jeden Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben