Landwirtschaft

Landwirtschaft: Ministerin kritisiert pauschale Gülle-Regeln

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NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen findet, dass bei den Gülle-Regeln nachgebessert werden müsse.

NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen findet, dass bei den Gülle-Regeln nachgebessert werden müsse.

Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Kreis Kleve.  Silke Gorißen zu neuen Gülle-Regeln: „unzumutbar“. Da Gebiete als Einheit zu sehen sind, würden auch Bauern bestraft, die sich an Regeln hielten.

  • Die ab Dezember gültige Gülle-Veordnung stößt bei Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen auf Kritik.
  • In roten Gebieten – pauschale Einheitsgebiete – sind 20 Prozent weniger Stickstoff auszubringen.
  • Ministerin verlangt Ausnahmen, für jene Landwirte, die sich ja an die Grenzwerte hielten.

Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hält die neuen Gülle-Regeln für Landwirte in weiten Teilen für „unzumutbar“: „Wir haben eine Energiekrise, hohe Futterpreise, immer mehr Auflagen und wir verlieren immer mehr landwirtschaftliche Betriebe. Die Lage ist schwer erträglich“, sagte sie im Gespräch mit der NRZ. Gorißen möchte sich beim Bundeslandwirtschaftsministerium dafür einsetzen, dass Ausnahmen für einige Betrieben gemacht werden.

20 Prozent weniger Stickstoffausbringung

Wie berichtet gilt die neue Gülle-Verordnung ab dem 1. Dezember. Sie wurde deutlich verschärft, da viele Wasserbrunnen in NRW nach wie vor zu hohe Nitratwerte aufweisen. In der Folge müssen die Bauern in einem so genannten „roten Gebiet“ 20 Prozent Stickstoffausbringung einsparen – sprich weniger Gülle oder Kunstdünger ausbringen. Aktuell dürfen Landwirte maximal 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar im Jahr auf die Felder bringen, in Wasserschutzgebieten können es auch nur 140 Kilogramm sein. Welcher Betrieb genau von den Regelungen betroffen ist, wird das NRW-Landesministerium anhand von Flurkarten am 30. November veröffentlichen.

Gebietsausweisung „mit viel Zähneknirschen vorgenommen“

Ministerin Silke Gorißen erkennt, dass es zahlreiche Betriebe gibt, die sich in der Vergangenheit an die geltenden Gülleregeln gehalten haben und deren Grundwasserbrunnen auch wieder gute Nitratwerte aufweisen. Trotzdem gebe es Fälle, wo just diese Landwirte bestraft werden: „Ich habe die Gebietsausweisung auch nur mit viel Zähneknirschen vorgenommen“, so Gorißen zur NRZ.

Das Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union gegen Deutschland laufe nach wie vor. „Aber wir müssen dringend nachjustieren. Landwirte, die ihre Äcker ordentliche bewirtschaftet haben, müssen von den kommenden Maßnahmen befreit werden“, so Gorißen.

Es sollen zusätzliche Messstellen eingerichtet werden

In der Tat treffen die Stickstoffreduzierungen auch Betriebe, die bereits niedrige Nitratwerte im Wasser nachweisen können. Warum sie nun dennoch in einem „roten Gebiet“ fallen, liegt an der Größe der sogenannten „Grundwasserkörper“, also die Gebiete, die als Einheit erfasst werden.

Ein Landwirt aus Bedburg-Hau-Huisberden berichtete der NRZ, dass bei ihm vor Ort der Nitratwert bei 10 liege, in Kalkar-Appeldorn aber deutlich höhere Werte von bis zu 150 gemessen wurden. Trotzdem werde das gesamte Gebiete „rot“ ausgewiesen. Entsprechend dürfe auch er künftig weniger düngen.

Ministerin Gorißen möchte nun dringend mehr Messstellen ausweisen, um ein genaueres Lagebild zu erhalten und um die betroffenen Gebiete kleiner fassen zu können. Der Produktionsstandort NRW müsse aufrecht erhalten werden.

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