Mensch am Mittwoch

Helmut van Bebber schließt sein Antiquariat in Kleve

Helmut van Bebber in seinem Antiquariat in der Herzogstraße. Hier ist bald Schluss.

Helmut van Bebber in seinem Antiquariat in der Herzogstraße. Hier ist bald Schluss.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Helmut van Bebber schließt nach mehr als 31 Jahren sein Antiquariat in der Herzogstraße. Er macht aber woanders in abgespeckter Form weiter.

Antiquare zählen in Bananenkisten. Die eignen sich bestens zum Transport für Bücher. Mit 250 bis 300 Bananenkisten rechnet Helmut van Bebber: Die dürften noch nötig sein, um sein Antiquariat Zeitzeichen an der Herzogstraße vollständig zu räumen. Genau damit ist er jetzt beschäftigt. Nach 31 Jahren, zwei Monaten und 28 Tagen hat er sein Ladenlokal geschlossen. Nicht, weil er unbedingt aufhören will. Im Gegenteil, er will an anderer Stelle weitermachen, aber in reduzierter Form, vorzugsweise mit Grafik und Kunst. Den großen Batzen an Niederrhein-Literatur, etwa 4500 Bände, übernimmt die Buchhandlung Hintzen. Somit gibt es weiterhin eine Heimat für Heimatkundige und solche, die es werden wollen.

Aber die Gelegenheit zum Verkauf war einmalig. Das Haus, im Besitz einer Eigentümergemeinschaft, zu der auch van Bebber gehört, haben zu Jahresbeginn einvernehmlich Geschäftsleute übernommen, die hier etwas Neues schaffen möchten. So wie van Bebber vor 31 Jahren. „Damals gab es hier noch viele kleine inhabergeführte Läden, etwa Spielzeugwaren, Zigarren, Lebensmittel und eine Metzgerei“, erinnert er sich. Die Inhaber dieser Läden standen dann irgendwann vor demselben Problem wie van Bebber heute: Nachfolger gibt es nicht, aber Leute mit neuen Ideen. „Damals haben junge Geschäftsleute die Herzogstraße für sich entdeckt“, sagt van Bebber. Bioladen, Buchladen, der Laden Seifenblase sorgten für ein alternatives Flair in Kleve.

Bis Ostern muss alles gepackt sein

Auch der berühmte Bücherbummel entstand auf Initiative van Bebbers und der damals sehr regen Straßengemeinschaft. Der soll möglichst weiterlaufen, auch wenn van Bebber ihn nun nicht mehr organisiert, Gespräche mit der Stadt laufen. Vielleicht ist es wirklich so, dass alle 30 Jahre eine Straße ihren Charakter ändert. Wie auch die Moden schwanken. „Früher habe ich auch alte Karrenräder verkauft, aus denen junge Leute dann ihren Wohnzimmertisch gemacht haben“, erinnert er sich. Heute undenkbar. Dafür gibt es neue Bereiche, die früher gar keinen Markt hatten: Fotografien etwa oder Schallplatten.

Die jungen Kunden von damals sind älter geworden, manche hat van Bebber die ganze Zeit über begleitet – als Lieferant von Büchern, Kunst und Grafik. Da gab es wohl schon auch so manche Träne. Doch Helmut van Bebber ist ja nicht weg, er wird weiterhin Nachlässe aufkaufen, in einem neuen Laden (wo, steht noch nicht fest) an einem Tag pro Woche seine alten Schätzchen verkaufen und auf etwa 20 Büchermärkten im Jahr präsent sein. Seine alte Telefonnummer behält er ebenfalls. Er selbst ist nicht allzu traurig über die Veränderung: „Dann habe ich auch mal samstags frei“, freut er sich.

Eigentlich wollte er Sozialpädagoge werden

Ursprünglich wollte van Bebber, Jahrgang 1955, eigentlich Sozialpädagoge werden. Doch nach dem Studium in Mönchengladbach fand sich damals keine Stelle. Stattdessen machte er das zum Beruf, womit er zuvor schon sein Studium finanziert hatte: auf Flohmärkten Bücher verkaufen. Als sich dann in Kleve die Gelegenheit ergab, das Antiquariat aufzumachen, griff er zu. Bereut hat er es nie. Zumal in letzter Zeit auch die ganz jungen Leute, Studenten, den Weg zu ihm fanden. „Der Laden ist ja voll krass!“, habe einer ausgerufen. „Was er genau meinte, habe ich nicht verstanden“, lacht van Bebber, „aber ich glaube, es hat ihm gefallen.“

Damit ist es nun vorerst vorbei. Bis Ostern müssen die Bananenkisten gepackt sein. Dann wird die nächste Generation von Geschäftsleuten in der Herzogstraße ihre Ideen verwirklichen.

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