Terminauslosung

Herrscht weniger Chaos bei der Klever Ausländerbehörde?

Im Warteraum der Ausländerbehörde in Kleve hoffen Menschen auf einen Termin.

Foto: Thorsten Lindekamp

Im Warteraum der Ausländerbehörde in Kleve hoffen Menschen auf einen Termin.

Kleve.   Bei der Ausländerbehörde war bislang keine Terminverlosung nötig. Angeblich konnte jedes Anliegen behandelt werden. Einige mahnen dennoch.

Bei der Ausländerbehörde weht nach wie vor ein rauer Wind. Am Wetter liegt das nicht, denn das mutet bereits am frühen Morgen fast schon frühlingshaft an. Es ist die Atmosphäre vor Ort. Hinter der Eingangstür an der Nassauer Allee 81 mustert zunächst ein Sicherheitsdienst die eintreffenden Menschen. Dann erhält jeder eine Nummer, mit der er um 7 Uhr an der neu eingeführten Terminauslosung teilnehmen soll. Die Presse wird wieder nach draußen gebeten.

Mit einer Nummer ausgestattet, kommen einzelne Wartende wieder vor die Tür. Auch wenn sie nicht mehr nachts in der Schlange stehen müssen, sind sie nach wie vor genervt. Ein 31-jähriger Mann aus dem Kosovo versucht zum wiederholten Mal sein Glück. Er wünscht sich, dass seine Frau nach Deutschland kommen kann. Bislang bekam er nie einen Termin. Für jeden Versuch muss er sich frei nehmen und fährt dann aus Straelen nach Kleve. Er hofft, dass es mit dem Losverfahren besser wird, ist aber skeptisch: „Ich habe von vielen Problemen an anderen Ausländerbehörden gehört. Aber so schlimm wie hier scheint es nirgendwo zu sein.“

Draußen stehen auch die ehrenamtlichen Integrationshelfer Roland Katzy und Helmut Büttner. Mit Kaffee und Tee wärmen sie Körper und Seelen. Als Büttner die Eingangstür einen Spalt weit öffnet, um der Presse Einblick zu gewähren, drängt ihn der Sicherheitsdienst unsanft zurück. Nach der Kritik der letzten Wochen setzt man in Kleve offenbar auf Abschottung.

Drinnen verzögert sich die Prozedur. Erst gegen 7.20 Uhr treffen die Sachbearbeiter ein. Dafür gibt es nach kurzer Zeit gute Neuigkeiten: Ein Losverfahren ist heute nicht notwendig. Es wurden weniger Nummern verteilt als die 65 verfügbaren Termine, so dass alle Anwesenden noch heute drankommen sollen. Freude kommt nicht auf, die Menschen reagieren abwartend. Zu viel Vertrauen ist in den vergangenen Monaten abhanden gekommen. Ein weiterer Grund für die Skepsis: Sie wissen nicht, wie der weitere Ablauf aussieht. Denn drinnen haben sie schon wieder eine neue Nummer bekommen. Mit der sollen sie zur anderen Geschäftsstelle ein paar Häuser weiter. Manche berichten, dass es dort ebenfalls nur eine Nummer gibt. Aushänge, die ihnen den Ablauf erklären, fehlen. Die wenigen vorhandenen Aushänge sind darüber hinaus nur in deutscher Sprache verfasst und für viele damit unverständlich.

Es wurde mit Terminen gehandelt

Ein tröstlicher Eindruck bleibt dennoch: Das Klever Ausländeramt scheint sich dem normalen deutschen Behördenchaos anzunähern. Keine Menschenschlangen nachts um 3 Uhr, kein Schwarzhandel mit Terminen – auch den soll es gegeben haben.

Dass das kein Grund zum Ausruhen ist, mahnt der Flüchtlingshelfer Nikolaus Jansen vom Runden Tisch in Kranenburg an. Denn nicht jeden Tag wird das Terminkontingent ausreichen. Dann wird gelost, und Menschen, die sich am frühen Morgen aus Kranenburg, Kalkar oder Goch auf den Weg gemacht haben, müssen ohne Termin heimkehren. Jansen fordert unbedingt eine verbindliche Terminvergabe im Voraus. „Nur so können Menschen aus anderen Ländern Vertrauen in unseren Staat gewinnen.“

Landrat Wolfgang Spreen wird das Thema offenbar lästig: Auf einen kritischen Brief des Reeser Vereins „Fremde werden Freunde“ reagierte er mit Unverständnis und schickte eine dreiseitige Liste mit Zeitungsartikeln zurück. Die Artikel, zum Teil aus 2016, verweisen auf Probleme an anderen Ausländerbehörden – in Hamburg, Frankfurt, Berlin oder Essen.

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