Belastetes Grundwasser

Hohe Nitratwerte: Umweltschützer fordern Konsequenzen

Erneut werden hohe Nitratwerte am Niederrhein dokumentiert. Für Umweltschützer und Umweltministerium ist klar: Die Landwirtschaft muss sich ändern.

Foto: Ingo Wagner

Erneut werden hohe Nitratwerte am Niederrhein dokumentiert. Für Umweltschützer und Umweltministerium ist klar: Die Landwirtschaft muss sich ändern. Foto: Ingo Wagner

Kreis Kleve.   Erneut sind hohe Nitratwerte am Niederrhein dokumentiert. Für Umweltschützer und Umweltministerium ist klar: Die Landwirtschaft muss sich ändern.

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Die hohe Nitratbelastung der niederrheinischen Böden ist ein Dauerthema. Seit vielen Jahren streiten sich Behörden, Landwirte und Naturschützen über die schlechten Werte,die nachhaltig die Qualität des Grundwasser beeinträchtigen. Der neue Nitratbericht der Bundesregierung bestätigt diesen Trend leider erneut. Der Bericht dokumentiert die Messergebnisse aus den Jahren 2012 bis 2014. Aus dem Kartenmaterial ist ersichtlich, dass sich die Nitratwerte am unteren Niederrhein im Vergleich zum Jahr 1990 um fünf und 25 Prozent zugenommen haben.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks macht vor allem die intensive Landwirtschaft für diese Entwicklung verantwortlich: „Die intensive Landwirtschaft kommt uns immer wieder teuer zu stehen. Das zeigt sich gerade beim Grundwasser. Wenn es zu stark mit Nitrat belastet ist, muss es für unsere Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat muss technisch beseitigt werden“. Dies sei teuer. Daher fordert Hendricks schärfere Düngeregeln.

Entwicklung zeichnet sich schon seit Jahren ab

Für Volkhard Wille vom Naturschutzbund sind die Ergebnisse des neuen Berichts keine Überraschung: „Wir Biologen bemerken schon seit vielen Jahren eine Veränderung unserer Umwelt. Nährstoffarme Lebensräume verschwinden und in unseren Gewässer bilden sich immer mehr Algen. Das Nitrat-Problem hängt unmittelbar mit unserem Stickstoff-Problem zusammen“, so Wille. Für zwei Drittel der Einträge in Boden und Luft sei nun mal die Landwirtschaft verantwortlich. „Wenn wir ernsthaft etwas verändern wollen, dann müssen wird die extrem hohen Tierbestände reduzieren“, sagt Wille.

Die Landwirtschaftspolitik müsse sich die flächengebundene Tierhaltung zum Maßstab nehmen. Nur wer entsprechende Länderei vorweisen kann, dürfe auch Tiere halten: „Früher galt man die Richtschnur zwei Großvieheinheiten je Hektar. Mittlerweile werden die doppelten Viehbestände vorgehalten“, so Wille.

Gesetze konsequent umsetzen

Die deutsche Gesetzgebung sei nicht zu lasch, sie müsse nur konsequent angewendet werden. Wenn man die Gesetze so auslegen würde, wie sie aufgeschrieben wurden, dann seien 80 Prozent der Stallneubauten am unteren Niederrhein illegal, so Wille. Konsequent würden Genehmigungsbehörden bei den entscheidenden Fragen wegschauen. Etwa bei der Interpretierung der Privilegierung im Außenbereich. Was als Landwirtschaft deklariert werde, sei in Wirklichkeit gewerbliche Tierhaltung.

Bernhard Rueb, Sprecher des Landwirtschaftskammer NRW, erkennt, dass es am unteren Niederrhein „Problemzonen“ beim Thema Nitrat gebe. Hierfür sei zwar auch der hohe Viehbestand verantwortlich, aber nicht nur. Auch die Bodenbeschaffenheit spiele eine wichtige Rolle bei der Aufnahme von Nährstoffen durch Pflanzen. Nicht zuletzt müsse man immer noch vermuten, dass viele Nährstoffe illegal aus den Niederlanden auf niederrheinischen Feldern ausgebracht werde.

Neue Düngeverordnung für mehr Planungssicherheit

Rueb hofft darauf, dass bald eine neue Düngeverordnung in Kraft tritt: „Damit die Landwirte endlich Planungssicherheit haben.“ Er rechnet mit einer Verschärfung der Auflagen. Weniger Ausbringungsmöglichkeiten und knappere Zeiträume, in denen gegüllt werden darf.

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