Schädlinge

Der Holzwurm in der Klever Schwanenburg

Ein Holzwurm befällt die Klever Schwanenburg.

Foto: Ralf Daute

Ein Holzwurm befällt die Klever Schwanenburg. Foto: Ralf Daute

Kleve.   Ein Raum in der Klever Schwanenburg muss ausgeräumt, versiegelt und tagelang erhitzt werden, um dort den Holzwurm zu töten.

Zeuge der Anklage war feines Holzmehl, das von den Deckenbalken auf den Lesetisch der Justizbücherei in der Klever Schwanenburg rieselte. Ein hinzugezogenen Fachmann erledigte die Beweisaufnahme: Der Holzwurm hat die Justizbücherei befallen, die Deckenbalken aus Eiche sind geschädigt. Doch jetzt wird mit den Holzschädlingen kurzer Prozess gemacht. Sicher ist: Sie werden ihn nicht überleben.

Beim Holzwurm handelt es sich um den Gemeinen Nagekäfer, ein etwa 2,5 bis 5 Millimeter langes Insekt, das seine Eier in Holzritzen ablegt. Daraus schlüpfen Larven – die so genannten Holzwürmer –, die sich bis zu acht Jahre lang durch das Holz fressen können. Eigentlich ist das Tier in zentralbeheizten Räumen selten anzutreffen, Risiken bergen allerdings Räume mit einer gewissen Feuchtigkeit. So gesehen, war das alte Gemäuer der Schwanenburg prädestiniert für den Holzwurmbefall.

Enorme Hitze im Raum

Klassischerweise wird der Holzwurm bekämpft, indem entweder die Oberfläche des befallenen Holzes chemisch behandelt wird oder aber Injektionen in die Bohrlöcher erfolgen. Beide Methoden kamen jedoch für den Lesesaal in der Schwanenburg nicht infrage, da der Befall zu weit fortgeschritten ist. Deshalb kommt dort das so genannte Heißluftverfahren zum Einsatz. Justizsprecher Alexander Lembke: „Die gesamte Bibliothek wird ausgeräumt und der Raum anschließend mehrere Tage lang auf 70 Grad Celsius erhitzt. Dadurch werden die Larven abgetötet.“

Diese Hitze aber kann die Heizungsanlage der Schwanenburg selbst nicht liefern. Die beauftragte Spezialfirma stellt im Hof der Schwanenburg einen Container auf, der eine mobile Heizung enthält. Über Rohre wird von dort aus die heiße Luft in den versiegelten Raum geleitet. Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, dass die enorme Hitze nicht versehentlich ein Feuer auslöst: An der Schwanenburg wird rund um die Uhr eine Brandwache gehalten.

Holz auf mehr als 55 Grad Celsius erhitzen

Sobald das Holz länger als eine Stunde auf mehr als 55 Grad Celsius erhitzt worden ist, beginnen die Larven und Eier abzusterben. Das ist bei einem gewöhnlichen Dachstuhl in der Regel binnen eines Tages erledigt, für den großen Raum in der Schwanenburg mit seinen schwer befallenen, massiven Holzbohlen in der Decke mussten allerdings mehrere Tage veranschlagt werden.

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