Wirtschaft

HSH Härtereitechnik aus Kranenburg ist insolvent

Er leitet jetzt die Geschicke des Kranenburger Unternehmens: Insolvenzverwalter Hammes.

Er leitet jetzt die Geschicke des Kranenburger Unternehmens: Insolvenzverwalter Hammes.

Foto: Hammes / hammes. Insolvenzverwalter GbR

Kranenburg.  Das Unternehmen der Automobilzuliefererbranche aus Kranenburg musste jetzt Insolvenz beantragen. 49 Mitarbeiter sind betroffen.

Der Duisburger Rechtsanwalt Dr. Dirk Hammes wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter über das Vermögen der HSH Härtereitechnik GmbH aus Kranenburg bestellt. Das Unternehmen leidet unter den massiven Strukturproblemen der Branche und profitiert nicht von Eigenkapital oder Bürgschaften durch den Staat. Das Unternehmen aus Kranenburg hat sich seit dem Jahr 1988 einen Namen als Spezialdienstleister und Lieferant für die Automobil-Zulieferindustrie gemacht. Es steht für einen umfassenden Qualitätsersatzteilservice und eine ausgereifte Logistik sowie einen hochqualifizierten Kundendienst für alle Bereiche der Wärmebehandlung und diverser anderer Sonderanlagen.

Jetzt hat das Amtsgericht Kleve die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der HSH GmbH angeordnet und Rechtsanwalt Hammes zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. Von der Insolvenz sind 49 Arbeitnehmer betroffen, die sich schon seit Juli 2020 in Kurzarbeit befinden. Entgeltrückstände bestehen seit August 2020, die Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich Oktober gesichert. Die Arbeitnehmer wurden am 28. September 2020 auf einer Belegschaftsversammlung informiert.

Bundesagentur stimmt der Vorfinanzierung zu

Die Bundesagentur für Arbeit hat der Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes zugestimmt, sodass der vorläufige Insolvenzverwalter davon ausgeht, die rückständigen Arbeitsentgelte noch in dieser Woche auszahlen zu können.

Hier gibt es mehr Artikel und Bilder aus Kleve und Umland„Bei der HSH Härtereitechnik handelt sich um einen mittelständischen Lieferanten für die Auto-mobil-Zulieferindustrie. Größter Kunde ist die Schaeffler Technologies AG & Co. KG in Herzogenaurach, die jüngst angekündigt hat, bis Ende 2022 bis zu 4.400 Stellen abzubauen. Die strukturellen Probleme der Branche waren bei HSH allerdings bereits im Jahr 2019 deutlich zu spüren. So hatte das Unternehmen schon vor der Pandemie-bedingten Wirtschaftskrise mit einem Umsatzrückgang im Zuge eines gravierenden, sinkflugartigen Auftragsrückgangs zu kämpfen“, betont Dr. Dirk Hammes.

Projekte wurden durch Corona-Einschränkungen verzögert

Dazu komme, dass die Corona-bedingten Einschränkungen die Fertigstellung von Projekten verzögert und zum Teil sogar verhindert hätten, was den Umsatzrückgang verstärkt habe. Ebenso seien Sanierungsmaßnahmen und Bemühungen der Gesellschafter, einen Investor zu gewinnen, fehlgeschlagen.

Der Rechtsanwalt prüft derzeit mit seinem Team alle Sanierungsmöglichkeiten und setzt alles daran, das insolvente Unternehmen und damit die Arbeitsplätze für die Zukunft zu erhalten. Eine Option ist ein von der IG Metall für Zulieferbetriebe thematisierter sogenannter Transformationsfonds. Ob ein solcher dem Unternehmen aus Kranenburg noch helfen könnte, wolle Hammes schnellstmöglich klären. Parallel analysiert er die Möglichkeit einer Unternehmensveräußerung, was angesichts der derzeitigen Wirtschafts- und Unternehmenslage aber schwierig sein werde.

Keine staatlichen Hilfen für HSH Härtereitechnik

Vom staatlichen Konjunktur- beziehungsweise Hilfspaket konnte die HSH Härtereitechnik nicht profitieren. Daher übt Dr. Dirk Hammes deutlich Kritik am Vorgehen der Bundesregierung: „Anders als in anderen Bereichen der Wirtschaft hat es kein Programm der Bundesregierung gegeben, mittelständischen Zulieferern mit Eigenkapital oder Bürgschaften unter die Arme zu greifen. Diese selektive Förderung einzelner Branchen und vor allem großer Markteilnehmer verursacht planwirtschaftlich anmutende Wettbewerbsverzerrungen.“ Das Beispiel der HSH Härtereitechnik zeige, welche Auswirkungen dieses wirtschaftspolitische Vorgehen haben könne und wie es auf die regionale Wirtschaft durchschlage. Rechtsanwalt Dr. Hammes ist überzeugt, dass sich dieser negative Trend fortsetzen werde.

Der Staat bestimme, welche Unternehmen „systemrelevant“ seien und ihr Geschäftsmodell fortführen dürften und welche nicht, und er beseitigt entscheidende, regulatorische Marktmechanismen durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und die weitreichenden Möglichkeiten des Kurzarbeitergeldes. Die Muttergesellschaft VNI Holding GmbH ist ebenfalls insolvent; auch in diesem Verfahren ist Rechtsanwalt Dr. Hammes als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt.

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