Migration

Hüseyin Ezer kümmert sich um Integrationsfragen in Kleve

Hüseyin Ezer leitet den Integrationsausschuss in Kleve.

Hüseyin Ezer leitet den Integrationsausschuss in Kleve.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Hüseyin Ezer ist Vorsitzender des Integrationsrates Kleve und direkter Ansprechpartner für Migranten mit Problemen. Er nimmt seinen Job ernst.

Grenzen sind Hüseyin Ezer vertraut. Nicht nur, weil er seit 24 Jahren in Kleve lebt, an der Grenze zu den Niederlanden. Schon vorher hat er die Grenze kennengelernt, nämlich die zur Schweiz. Bei Weil am Rhein hat er seine Jugend verbracht. Geboren wurde er an der kurdisch-syrischen Grenze. Deutsch ist die dritte Sprache, die er gelernt hat. Bis zum sechsten Lebensjahr sprach er kurdisch, dann zog die Familie ans Mittelmeer, er lernte türkisch. 1986 ging es nach Deutschland, wie für viele ezidische Familien.

„In der dritten Generation ist man nicht mehr Gast“

„Ich habe mir ein eigenes Wörterbuch geschrieben“, erinnert er sich. Etwa 5000 Wörter. Kurdisch, Türkisch, Deutsch. Nach nur zwei Jahren schloss er die neunte Klasse der Hauptschule sehr gut ab, hielt sogar die Abschlussrede in der Aula. Deutschland bedeutete: Freiheit. „Ich habe alles mitgemacht, Vereinssport, Feiertage, Karneval.“ Die Idee, die die Generation seines Vaters vielleicht noch hatte, nämlich irgendwann zurück in die Türkei zu ziehen, ist längst Geschichte. „In der dritten Generation ist man nicht mehr Gast, man gehört dazu.“ Heute macht er als Deutscher Urlaub in der Türkei wie andere Deutsche auch. „Der einzige Unterschied ist, dass ich die Sprache und die Kultur kenne.“ Aber schon seine Kinder haben Türkisch erst gar nicht mehr gelernt.

Ezer leitet die ezidische Gemeinde in Emmerich

Hüseyin Ezer hat eine Lehre als Werkzeugmacher gemacht, als Geselle gearbeitet und in der Abendschule seinen Meister in Feinwerkmechanik absolviert. Seit 2013 betreibt er eine eigene Dreherei in Duisburg. Dorthin ziehen möchte er aber nicht – in Kleve sei es schöner und ruhiger, findet er. Hier ist er ehrenamtlich aktiv, neben Job und fünf Kindern. „Das geht nur, weil ich eine starke Frau habe“, sagt er. Ezer ist Vorsitzender der jesidischen Gemeinde Emmerich, Beirat im Zentralrat der Eziden in Deutschland, Mitglied der SPD und Vorsitzender des Integrationsrates Kleve.

Er besucht jährlich alle ezidischen Familien

Da gibt es allerhand zu tun. Ganz Praktisches, wie zum Beispiel einzugreifen, wenn ein Nachbarschaftsstreit zwischen Migranten und Deutschen zu eskalieren droht. Oder die ezidischen Familien der Gemeinde besuchen. „Jedes Jahr besuche ich jede Familie mindestens einmal“, erzählt er. Es gibt 350 Familien in der Gemeinde, insgesamt um die 2000 Mitglieder. Oft geht es darum, zu vermitteln, Probleme zu lösen. „Schließlich ist es für unsere Leute auch nicht immer so einfach“, erklärt er. Die Kultur innerhalb der vier Wände ist eine andere als außerhalb, denn bei aller Integration gibt es ja auch noch die eigene Herkunft, Tradition und Religion. „Wenn man da die richtige Mischung findet, ist es super.“

„In Deutschland stimmt das Fundament“

Wenn er sich heute umsieht, ist er eigentlich ganz zufrieden. Zwar waren die Menschen vor 30 Jahren seiner Meinung nach kontaktfreudiger – „Aber vielleicht bin ich auch einfach nur älter geworden.“ Toll findet er, dass es in Kleve so viele ehrenamtliche Helfer gibt. Überhaupt sei Deutschland ein freies Land, ein Sozialstaat, man habe alle Möglichkeiten. „Hier stimmt einfach das Fundament.“ Sein Fazit: „Deutschland ist multikulti, und ich hoffe, dass Deutschland dadurch immer reicher wird – nicht nur materiell.“

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