„De Moiedtjes“

Im Dschungel des Naturschutzgebietes „De Moiedtjes“

Christoph Langner betreut das Naturschutzgebiet Moiedtjes für den Nabu.

Foto: Andreas Gebbink

Christoph Langner betreut das Naturschutzgebiet Moiedtjes für den Nabu. Foto: Andreas Gebbink

Kreis Kleve.   Das nur etwa 34 Hektar große Gebiet liegt direkt an der niederländischen Grenze und besitzt über 30 Teiche. Hier fuhr sogar mal eine Eisenbahn.

Ein kleines Abenteuer für mich ist jedes Mal eine Kartierung im Naturschutzgebiet „Die Moiedtjes“. Man muss sich hier teilweise durch einen dichten Dschungel schlagen, wenn man auf der Jagd nach seltenen Arten ist. Nahezu immer treffe ich auf den blau schimmernden Eisvogel, der in den zahlreichen Gewässern mit ihren Steilufern ideale Brutbedingungen vorfindet. Vor ein paar Jahren hatte sich sogar ein Pirol-Pärchen niedergelassen. Der leuchtend gelbe Pirol mit seinem fremdartigen Gesang ist der einzige europäische Vertreter, dieser sonst in tropischen Gefilden beheimateten Familie. Leider ist er nicht sehr reviertreu und brütet in diesem Jahr nicht mehr im Gebiet. Gefährliche Raubtiere gibt es hier jedoch nicht, es sei denn man zählt die zahlreichen Zecken hinzu.

Im Wasser lauert ein besonderer Räuber

Im Wasser lauert jedoch ein besonderer Räuber, unscheinbar und geduldig. Kommt die Beute ihm zu nahe, saugt er sie blitzschnell in seine Falle. Der Südliche Wasserschlauch ist eine fleischfressende Pflanze. Aber keine Angst, seine untergetauchten Fallen sind sehr klein. Ich freue mich immer über seine gelben Blüten, aber ich bin auch kein Wasserfloh.

Das nur etwa 34 Hektar große Gebiet mit dem komplexen Namen, den jeder anders ausspricht, liegt direkt an der niederländischen Grenze und besitzt über dreißig Teiche, welche vorwiegend zur Lehmgewinnung entstanden. Früher fuhr sogar eine Eisenbahn durch das Gebiet und weiter über den Rhein – mit Hilfe einer seilgezogenen Fähre. Den alten Bahndamm kann man immer noch erkennen. Mit seinen Hecken bietet er wertvollen Lebensraum für Heckenvögel wie Dorn- und Klappergrasmücke.

Biber gestaltet die Landschaft

Der größte Landschaftsgestalter in diesem Gebiet ist heutzutage nicht mehr die Eisenbahn, sondern der Biber. Die Moiedtjes weisen das größte Bibervorkommen am Niederrhein auf. Mit zahlreichen großen Burgen eroberte er das Gebiet. Der Biber ist nach dem südamerikanischen Capybara das zweitgrößte Nagetier der Welt. Biber halten keinen Winterschlaf und fällen vorwiegend im Winter Bäume, um an Zweige und Rinde zu gelangen. Auch meterdicke alte Eichen können den großen Nagezähnen nicht standhalten. Anhand von „Biberrutschen“ kann man die beliebtesten Wege erkennen. Teilweise sind diese im Gebiet bereits metertief abgenutzt. Man sollte also immer auch aufpassen, wohin man geht und nicht nur in den Bäumen nach Vögeln Ausschau halten. In den frühen Morgenstunden sehe ich den dämmerungsaktiven Biber mit seinem unverwechselbaren platten Schwanz häufig.

Bestand bei Nachtigallen zurückgegangen

Die Nachtigall, der zahlreiche Gedichte gewidmet wurden und welche es dank Werken wie Shakespeares „Romeo und Julia“ zu einer gewissen Berühmtheit geschafft hatte, kam mit ihrem lieblichen Gesang jahrelang mit einer hohen Anzahl an Brutpaaren vor. Leider ging ihr Bestand im Gebiet jüngst zurück. Es bleibt zu hoffen, dass demnächst wieder ein paar mehr Nachtigallen im Gebiet ihre Arien trällern.

Es gibt allerdings auch etwas, das mich fast in einen „Hamlet-artigen“ Wahnsinn treibt. Das ist die illegale Müllentsorgung, die teilweise „sensationelle“ Ausmaße einnimmt. In diesem Gebiet wurden in der Vergangenheit zum Beispiel zehn Ölfässer entsorgt, ein gestohlener Safe oder ein ganzes Auto. Regelmäßig ziehe ich Öl- und Benzinkanister aus den Gewässern. Dabei können bereits kleine Mengen an Öl einen ganzen Teich vergiften. Zum Glück überwiegen die Erfolgserlebnisse. So hatte der Eisvogel eine von uns angelegte Steilwand angenommen und seine Brutröhre reingegraben. Da haben sich die Schwielen an den Händen gelohnt.

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