Erweiterung

In Kalkar soll ein ezidischer Friedhof entstehen

Der Städtische Friedhof in Kalkar soll um zwei Flächen für ezidische Gräber erweitert werden.

Der Städtische Friedhof in Kalkar soll um zwei Flächen für ezidische Gräber erweitert werden.

Foto: NRZ

Kalkar.   Auf zwei Flächen am Städtischen Friedhof Kalkar sollen Eziden künftig ihre Angehörigen beerdigen können. Politik pocht auf Beachtung der Satzung.

Östlich des Städtischen Friedhofs in Kalkar sollen zwei bisher als Kleingärten genutzte Flächen mit einer Gesamtgröße von 1400 Quadratmetern für ezidische Bestattungen bereitgestellt werden. Dies ist das Ergebnis aus monatelangen Gesprächen zwischen der Stadt und dem Verein der Eziden am unteren Niederrhein, das die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses präsentierte. Die Politik gab einstimmig ihren Segen zur Einleitung des notwendigen Änderungsverfahrens des Flächennutzungsplans, diskutierte vorher jedoch intensiv über das Vorhaben.

Insbesondere zwei Punkte sahen die Ausschussmitglieder kritisch: die Bestattung von Bürgern anderer Kommunen in Kalkar und die Anschaffung eines neuen Friedhofbaggers. Die Eziden hatten gegenüber der Verwaltung den ausdrücklichen Wunsch geäußert, dass sämtlichen Mitgliedern des Vereins die Möglichkeit zur Bestattung auf den Erweiterungsflächen des Kalkarer Friedhofs eingeräumt wird. Laut Stadt gehören der Gemeinschaft circa 60 Familien aus Kalkar, Bedburg-Hau, Emmerich, Rees, Isselburg, Xanten und Bocholt an.

Politik möchte Gleichbehandlung sicherstellen

„Wir sind auch nicht ganz glücklich mit diesem Ansinnen“, sagte Stadtoberbaurat Frank Sundermann und verwies auf die aktuelle Friedhofssatzung, die eine Bestattung nur für Tote vorsieht, die selbst oder deren Eltern bei ihrem Ableben Einwohner der Stadt Kalkar waren. „Ausnahmen sind nur möglich, wenn enge Bezüge zur Stadt Kalkar bestehen“, so Sundermann.

Diese Regeln sollen künftig auch für das ezidische Grabfeld Anwendung finden. „Wir müssen alle Kalkarer Bürger gleich behandeln“, stellte Dirk Altenburg (Forum) fest. Und Wilhelm Wolters (CDU) betonte: „Die Satzung gilt für alle.“ Das geforderte ewige Ruherecht für Eziden, das ebenfalls nicht in Überstimmung mit der derzeitigen Satzung ist, ermöglicht die Stadt durch die regelmäßige, gebührenpflichtige Verlängerung des Nutzungsrechts am jeweiligen Wahlgrab.

Bagger und Verbaukasten kosten 130.000 Euro

Laut Tradition müssen sich Eziden unmittelbar am Begräbnis beteiligen, erklärte Frank Sundermann. Deswegen nehmen Angehörige üblicherweise selbst Spaten in die Hand und verfüllen bei den Sargbestattungen das Grab teilweise mit Erde. Ein Verbaukasten verhindert, dass weitere Erde in das Grab rutscht und Personen am Rand gefährdet werden. Bevor das Grab voller Erde ist, müssen Mitarbeiter des städtischen Bau- und Betriebshofs den Kasten schrittweise entfernen und benötigen dafür einen neuen Friedhofsbagger. Die Kosten für das Gerät und die Grabschalung betragen 130.000 Euro.

Diskussion um höhere Gebühren für Bestattungen

Diese „unglückliche Verknüpfung“ (Wolters) zog die Kritik von Teilen der Politik auf sich, obwohl Sundermann betonte, dass für den derzeit eingesetzten Minibagger im nächsten Jahr ohnehin ein Ersatz nötig sei und Mehrkosten von nur 40.000 Euro entstünden. „Der größere Aufwand muss sich in den Gebühren widerspiegeln“, forderte Altenburg. Willibald Kunisch (Grüne) fragte, ob die ezidischen Vereinsmitglieder für die Bestattungen nicht auch ein Privatunternehmen beauftragen könnten.

„Natürlich sehe ich auch die Kosten“, entgegnete Bürgermeisterin Britta Schulz. „Doch klar ist genauso: Die Leute werden hier geboren, sie leben und sterben hier. Ihnen ist es ein Bedürfnis, hier begraben zu werden, und als Gesellschaft sind wir ihnen das ein Stück weit schuldig.“

>> BEERDIGUNGEN MIT VIELEN TEILNEHMERN

  • Der Geologische Dienst NRW stellt in einem Gutachten die geologisch-bodenkundliche Eignung der beiden Erweiterungsflächen für einstöckige Erdbestattungen fest.
  • Die ezidische Bestattungskultur sieht vor, die Verstorbenen mit dem Gesicht in Richtung Osten zu beerdigen. Die rituelle Waschung der Leichname soll im ezidischen Gemeindehaus am Oyweg in Kalkar stattfinden.
  • Der Verein wies in den Gesprächen mit der Stadt darauf hin, dass bei Beerdigungen von Erwachsenen mehrere Hundert Teilnehmer erscheinen können. Männer erhalten zwei Grabsteine, Frauen einen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben