E-Radbahn

Baumfreund hält das Fällen für einen „Schildbürgerstreich“

Rüdiger Helmich hält den Beschluss zur E-Radbahn für unsinnig, aus Sicht des Klimaschutzes sogar für schädlich.

Foto: Andreas Gebbink

Rüdiger Helmich hält den Beschluss zur E-Radbahn für unsinnig, aus Sicht des Klimaschutzes sogar für schädlich. Foto: Andreas Gebbink

Kleve.   Rüdiger Helmich hält die CO2-Bilanz der E-Radbahn zwischen Kleve und Kranenburg für völlig verfehlt.

Rüdiger Helmich musste verzweifelt lachen, als er zum ersten Mal über die E-Radbahn in der NRZ gelesen hatte: „Die bauen in Kleve also einen Radweg neben einen Radweg, fällen dafür 1547 Bäume und verkaufen das auch noch als klimafreundlich? Darauf muss man erst einmal kommen. Ein schöner Schildbürgerstreich“, sagt Helmich, der aus Emmerich kommt und sich generell für den Erhalt von Bäumen einsetzt.

Warum einen zweiten Radweg?

„Ich fahre jetzt seit 50 Jahren den Radweg an der B 9. Der Weg ist total in Ordnung. Hier sieht man schon jetzt kaum Radfahrer und ich habe noch nie eine Situation erlebt, die ich als gefährlich beschreiben würde. Sicherlich gibt es da ein paar Hauseinfahrten, aber selbst einen nennenswerten Kreuzungsbereich gibt es hier nicht. Wofür braucht man dann einen speziellen Weg für E-Fahrräder?“, fragt sich Helmich.

„Im Ruhrgebiet lohnt sich das, da gibt es viele Nutzer. Aber doch nicht zwischen Kleve und Kranenburg, wo kaum einer fährt.“ Ihm ist es wichtig zu dokumentieren, dass den Bürgern nicht alles egal ist, was in den hiesigen Stadtverwaltungen geplant wird. „Die gefährdetsten Bäume stehen immer auf städtischem Grund. Versuchen Sie als Privatmann mal einen Baum in dieser Größenordnung zu fällen. Da fechten Sie ein ordentliches Sträußchen mit den Behörden aus“, sagt Helmich. „Und hier wird gar nicht gefragt. Hier wird noch nicht einmal eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht – Säge ansetzen und weg damit. Das ist unglaublich.“

Zweifel am Klimaschutz

Auch in Sachen Klimaschutz hat er seine Zweifel: „Die CO2-Bilanz kann doch vorne und hinten nicht stimmen“, bemängelt er. Denn: „Wenn ich in meiner Freizeit mit dem Fahrrad fahre, dann tue ich das, weil ich Spaß an der Natur habe. Ich würde aber doch die gleiche Strecke nicht mit dem Auto fahren. Und nehmen Sie die Schüler und Studenten. Die haben gar kein Auto, welches sie stehen lassen könnten, um die CO2-Bilanz zu verbessern.“ Wie berichtet, geht die Stadt Kleve von einer jährliche CO2-Einsparung von 539 Tonnen aus. Wie diese Zahl ermittelt worden ist, kann Projektleiter Bernhard Klockhaus nur als eine „begründete Annahme“ erklären. „Ich kann auch vieles annehmen“, sagt Rüdiger Helmich.

Er sieht aber vielmehr, dass die vorhandenen Bäume auch eine Menge CO2 aus der Luft filtern: „Ein Baum kann enorm viel leisten und das sollte man auch nicht kleinreden. Das sind auch jede Mengen Tonnen CO2, die jährlich von der Natur genommen werden. Wer weiß, vielleicht ist am Ende die CO2-Bilanz sogar negativ.“

Fehlender Ausgleich

Das Problem der E-Radbahn ist auch ein eingeschränkter Ausgleich fürs Grün. Die Stadt Kleve spricht in einer neuen Presseerklärung von „Natur auf Zeit“. Soll heißen: Die große Mehrzahl der Bäume muss nicht ausgeglichen werden. Lediglich ein Streifen von einem Meter kommt in die Ausgleichsbilanz. „Ich habe mir die Strecke noch einmal angesehen. Es wurde nicht ein Baum gekennzeichnet. Das heißt, da wird einfach großflächig entfernt. Und am Ende kann keiner mehr nachvollziehen, ob es tatsächlich bei den 1547 Bäumen geblieben ist“, sagt Helmich skeptisch. „Wir reden alle davon, dass man in Brasilien den Regenwald schützen muss, aber vor der eigenen Haustür wird einfach gerodet, was das Zeug hält, und man rechnet sich alles schön“, ärgert sich Rüdiger Helmich.

>> KOMMENTAR: PFLANZT MEHR BÄUME AN!

Auch wenn die Stadt Kleve es sich jetzt schön rechnet: Die Klimabilanz des E-Radweges kann man sehr kritisch hinterfragen. 885 Radfahrer müssten zwischen Kleve und Kranenburg jeden Tag unterwegs sein, um die 539 Tonnen CO2 einzusparen. Und dies auch nur dann, wenn dafür tatsächlich ein Auto stehen bleibt. Glaubt jemand an diese Rechnung?

Die E-Radbahn ist durch, die Bäume und Hecken werden ab Montag gefällt. Aber der Rat Kleve könnte noch etwas heilen, indem man deutlich mehr Ersatzpflanzungen vornimmt als rechtlich vorgesehen. Denn die Bäume und Hecken fragen bei ihrer wichtigen Klimafunktion nicht danach, ob sie „Natur auf Zeit“ sind oder nicht. Die Stadtväter sollten sich vor Augen führen, dass hier ein wichtiges Biotop zerstört wird und nur ein Bruchteil in die Ausgleichsbilanz kommt. Also liebe Ratsvertreter: Habt ein grünes Herz!

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