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In Schulen Vorurteile über Psychiatrie abbauen

Kinder- und Jugendpsychiatrie LVR. Facharzt Amir Djawadi und Sozialpädagogin Marijke Bornheim informieren live und mit Flyern in Schulen über psychische Krankheiten.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kinder- und Jugendpsychiatrie LVR. Facharzt Amir Djawadi und Sozialpädagogin Marijke Bornheim informieren live und mit Flyern in Schulen über psychische Krankheiten. Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Bedburg-Hau.  Lässige Arzte erzählen im Unterricht über die LVR-Kinder- und Jugendpsychiatrie. Kinder und Lehrer sollen frühzeitig Krisen erkennen.

Erstaunt waren manche Schüler, dass der Arzt aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie da im lockeren T-Shirt ankam, ohne Kittel. Und dass Patienten gar nicht in Käfigen leben. Gegen Vorurteile und Tabus bei psychiatrische Erkrankungen geht die Bedburg-Hauer Einrichtung des LVR jetzt offensiv vor. Am besten da, wo sich Meinung bildet. In Schulen. Und am besten in Klasse 9, wenn Jugendliche beginnen, über sich nachzudenken, vielleicht Depressionen, Essstörungen, Schulängste zu bemerken, unter Mobbing, familiärer Trauer, Selbstmordgedanken leiden.

Auch Lehrer haben dazu jede Menge Fragen

Die Vorstellungen der Jugendlichen zur Psychiatrie hätten oft nichts mit der heutigen Wirklichkeit zu tun, erklärt Amir Djawadi, Facharzt und Mitglied der Arbeitsgruppe zum Pilotprojekt: Erfolgreich liefen die ersten Schul-Info-programm in der Gesamtschule Kleve und Collegium Augustinianum Gaesdonck Goch.

Das Team der LVR-Kinder- und Jugendpsychiatrie Bedburg-Hau entwickelte eine Gesprächsveranstaltung für Schüler/innen und merkte vor Ort: Auch Lehrer haben dazu jede Menge Fragen. „Wir erhalten jetzt häufiger bereits im Vorfeld von Krisen Anrufe von Lehrern, die sich beraten lassen oder bei problematischen Situationen einfach mal nachfragen“, freut sich die Sozialpädagogin Marijke Bornheim.

Erkrankung wird zum Problem für die ganze Klasse

Das multiprofessionelle LVR-Team möchte die direkte Informationsvermittlung über psychische Erkrankungen weiter fortsetzten. Jede Schule, die Interesse hat, möge sich melden.

„Gerade im schulischen Umfeld fallen zudem immer häufiger psychische Erkrankungen von Schülerinnen und Schülern auf und werden vielfach zum Problem für die ganze Klasse,“ weiß Amir Djawadi.

Bei den ersten Erfahrungen nun habe man viele Tabus und überholte Bilder über die Kinder- und Jugendpsychiatrie zurechtrücken können. „Wir haben echt die Angst nehmen können“, sieht Sozialpädagogin Marijke Bornheim .

Inhalt einer Doppelstunde sind: bestimmte Krankheitsbilder, mögliche Auswirkungen, Anregungen für den Umgang mit Erkrankten, wie eine Einweisung erfolgt. Die wird „nicht auf einen akuten Notfall reduziert. man kann entspannt um eine Termin unter der Woche bitten“, so Djawadi.

Erstkontakt kann auch ohne Eltern laufen

„Der Erstkontakt kann auch ohne Eltern stattfinden“, falls gewünscht, klärt er auf. Kinder ab 14 Jahren können allein kommen oder mit Vertrauenslehrer oder Geschwistern. Denn: „Ein Erstgespräch ist keine Behandlung“.

Schulen melden sich bei Amir Djawadi, 02821 81-3440 oder amir.djawadi@lvr.de .

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