Denkmalschutz

Ist Kalkarer Haus denkmalwürdig oder schrottreif?

Ist dieses Haus ein Denkmal oder einfach nur abbruchreif?

Foto: Andreas Gebbink

Ist dieses Haus ein Denkmal oder einfach nur abbruchreif? Foto: Andreas Gebbink

Kalkar.   In Kalkar wird über ein heruntergekommenes Haus an der Jan-Joest-Straße diskutiert. Das LVR-Amt für Denkmalpflege möchte es unter Schutz stellen

Die Fensterscheiben sind eingeworfen, der Garten wurde entfernt, das kleine Dachfenster ist einfachverglast und das Haus an sich sei nicht mehr standsicher – aber es besitzt eine schöne Haustür und darüber einen Eintrag: „Anno 1927“. Das kleine Häuschen an der Jan-Joest-Straße 50 in Kalkar ist zurzeit Gegenstand einer politischen Debatte. Die Eigentümerin möchte den Weg für eine Neubebauung freimachen und hat daher im Mai 2017 einen Antrag auf Abbruch gestellt. Doch so schnell können die Bagger nicht anrollen.

Das Amt für Denkmalpflege sieht in dem Häuschen an der Jan-Joest-Straße eine Denkmalwürdigkeit. In einer Stellungnahme für den Bauausschuss heißt es, dass das Haus für Kalkar ein wichtiges Element im historischen Ortskern darstelle. „Es trägt erheblich zum historischen Stadtbild an dieser Stelle im Ortskern bei und ist als solches Teil der hoch bedeutenden Stadtbaugeschichte von Kalkar, [...]“. Auch die Kalkarer Stadtverwaltung sieht dies so und empfahl dem Bauausschuss, das Haus in die Denkmalliste einzutragen.

Wohnen im 19. Jahrhundert

Das Amt für Denkmalpflege ermittelte, dass das kleine Häuschen an der Jan-Joest-Straße um 1830 errichtet worden sein muss. „Das Haus ist daher ein bauliches Zeugnis von Wohnen und Handwerken in Kalkar im 19. Jahrhundert und einer städtebaulichen Entwicklung, bei der am Ortsrand die geschlossene Bebauung des Zentrums aufgelöst wird, indem das Haus auf einer relativ großen Parzelle an den Graben zurücktritt“, heißt es in dem Schreiben des Amtes für Denkmalpflege.

Die oberhalb der Tür angebrachte Jahreszahl „1927“ deute darauf hin, dass es wesentliche Umbauten um 1900 und in den 1920er Jahren gegeben habe. Abschließend schreibt das Denkmalamt: „Für den als historische Innenstadt und Denkmalbereich definierten Ortskern von Kalkar, [...], ist das Haus Jan-Joest-Straße 50 von hoher städtebaulicher Bedeutung, vor allem weil sich in der unmittelbaren Umgebung des Hauses vergleichsweise wenige denkmalwerte oder erhaltenswerte Gebäude befinden, so dass es in dieser Hinsicht den südlichen Rand des Ortskerns maßgeblich prägt.“

Der Kalkarer Bauausschuss sah dies allerdings anders und stimmte einer Eintragung in die Denkmalliste der Stadt nicht zu. Dirk Altenburg, Mitglied des Forums, konnte das Votum des Ausschusses nicht verstehen: „Hier sollte man sich an die Meinung der Fachleute halten“, sagte er der NRZ. Zudem stehe dieser Beschluss im Gegensatz zur Erhaltungssatzung, die einen Erhalt von denkmalwürdigen Gebäuden vorsieht.

Das LVR-Amt für Denkmalpflege sagte gestern der NRZ, dass die Stadt Kalkar nun entscheiden müsse, was sie denn eigentlich wolle. Die Stadtverwaltung sei auf das Amt zugekommen, und es habe eine entsprechende Beratung gegeben. Die Denkmalpflege werde aber nicht darauf pochen, dass dieses Haus in die Denkmalliste eingetragen wird: „Das muss die Stadt Kalkar machen“, so eine Sprecherin des LVR-Amtes. Allerdings sei es nicht Aufgabe der Politik, die Denkmalwürdigkeit von Gebäuden festzustellen.

Ob jetzt ein Abbruch erfolgen kann, ist noch nicht geklärt. Dirk Altenburg weist darauf hin, dass man auf dem Grundstück an der Jan-Joest-Straße auch ohne Abriss ein weiteres Gebäude errichten kann: „Das denkmalwürdige Haus müsste lediglich von der Straße aus zu sehen sein“, so Altenburg.

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