Aussegnung

Kalkar: Lösung für marode Leichenhalle wird dringend gesucht

Morsche Fensterrahmen: Norbert van den Berg (links) und Günter Pageler zeigen den Sanierungsbedarf der Leichenhalle.

Morsche Fensterrahmen: Norbert van den Berg (links) und Günter Pageler zeigen den Sanierungsbedarf der Leichenhalle.

Foto: Niklas Preuten

Kalkar-Niedermörmter.  Die FBK fordern eine Lösung für die marode städtische Leichenhalle in Niedermörmter. Bürgermeisterin Schulz ist in Gesprächen mit der Kirche.

Bürgermeisterin Britta Schulz möchte „nichts beschönigen“ und sagt über die Leichenhalle im Kalkarer Ortsteil Niedermörmter, was jeder sehen kann: „Der Zustand ist gruselig.“ Moos wuchert außen am Gemäuer, verstopfte innenliegende Dachrinnen lassen Wasser ins Gebäude eintreten, die Fensterrahmen sind morsch, die Seitenräume des Baus gleichen Rumpelkammern: Die Mängelliste der städtischen Aussegnungshalle im Schatten der St.-Barnabas-Kirche ist lang und empört Norbert van den Berg. „Das hat nichts mehr mit Beerdigungskultur zu tun“, sagt der Mann aus Niedermörmter, der sich für die Freien Bürger für Kalkar (FBK) als sachkundiger Bürger in der Politik engagiert.

Die Wählergemeinschaft macht bei der maroden Leichenhalle nun Druck, weil sie keine Bewegung bei dem bereits seit einiger Zeit diskutierten Thema sieht. „Ich habe immer wieder auf den schlechten Zustand hingewiesen, doch in den letzten Jahren wurde in der Halle gar nichts gemacht“, sagt van den Berg und geht die Stadtverwaltung dann frontal an: „Deshalb unterstelle ich, dass die Stadt Fakten schaffen möchte.“

Kosten für Rampe an der Kirche ermitteln

Britta Schulz räumt zwar ein, dass nach ersten Gesprächen mit der Katholischen Kirchengemeinde vor rund eineinhalb Jahren das Thema nicht weiter bearbeitet worden sei. Doch van den Bergs Vorwurf lässt die Bürgermeisterin im Gespräch mit der NRZ so nicht stehen: „Das ist kompletter Unsinn. Warum sollte die Stadt dies tun?“ Zudem sei jetzt eine Lösung in Angriff genommen worden. Schulz berichtet, dass vor rund einem Monat ein erneutes Gespräch mit der Kirchengemeinde stattgefunden habe, die der Stadt die Halle einst übergeben hatte. Dabei sei es auch um die Aufbahrung der Verstorbenen im Turmzimmer der Kirche gegangen, das auch für Aussegnungen geeignet sei. „Weil es einige Treppenstufen hoch geht, müsste eine Rampe gebaut werden. Wir sind gerade dabei, die Kosten dafür zu ermitteln“, sagt Britta Schulz. Pastor Alois van Doornick wollte sich auf NRZ-Anfrage nicht weiter zu den Plänen äußern: „Das ist ein laufender Prozess.“

Die FBK sieht die Aufbahrung in der Kirche durchaus kritisch. „Als Ratsvertreter müssen wir doch an die Bürger denken, die vielleicht nicht in der Kirche aufgebahrt werden möchten“, meint der FBK-Vorsitzende Günter Pageler. Norbert van den Berg hält Aussegnungsfeiern in der jetzigen Halle für besser – nach einer Sanierung wohlgemerkt. „Das wäre kein Millionenprojekt, sondern mit einfachen Mitteln möglich“, meint er. Kämmerer Stefan Jaspers meint dagegen: „Aus bautechnischer Sicht ist alles andere als ein Abriss nicht vertretbar.“ Dabei sei der eigentliche Aussegnungsraum gar nicht das größte Problem, sondern eher das Gemäuer.

Konzept für das gesamte Stadtgebiet

Verwaltung und Politik sind sich jedenfalls einig, dass bald etwas geschehen müsse. „Wir müssen für Niedermörmter schnell eine Entscheidung treffen, denn es ist pietätlos, die Halle so stehen zu lassen“, findet Bürgermeisterin Schulz, die ankündigt, die „Leute vor Ort zu treffen“. Man könne natürlich auch über eine Sanierung nachdenken, müsse dabei aber im Blick behalten, dass dies den Gebührenhaushalt belasten würde. „Letztlich muss der Rat entscheiden, was er möchte“, stellt Britta Schulz fest.

Die Frage nach der Zukunft der Leichenhalle stellt sich in Niedermörmter akut, doch das Thema – da stimmen alle Beteiligten überein – betrifft mittelfristig auch die weiteren städtischen Friedhofshallen in Kalkar, Wissel, Grieth, Hönnepel und Appeldorn. „Wir benötigen ein Konzept, wie wir mit der sich verändernden Bestattungskultur umgehen wollen, und müssen auch mit den Bestattern sprechen“, regt Kämmerer Jaspers an. Dies findet auch Günter Pageler „wünschenswert. Denn die anderen Hallen sind zwar noch nicht in einem so schlechten Zustand, doch wir haben die Befürchtung, dass sich dies ändern könnte“.

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