Pfingsten 2017

Kalkarer Nicolai-Kirche ist ein Monument der Bürgerlichkeit

Ministerpräsident Armin Laschet sprach anlässlich dieses besonderen Tages.

Ministerpräsident Armin Laschet sprach anlässlich dieses besonderen Tages.

Foto: Andreas Gebbink / NRZ

Kalkar.   In Kalkar wurden am Pfingstmontag zwei weitere Kirchenfenster eingeweiht - damit steht das Projekt kurz vor der Vollendung. Viele sind begeistert.

Man gerät schnell ins Träumen: Wer in den Kirchbänken von St. Nicolai in Kalkar sitzt, der kommt nicht nur schnell zur Ruhe, der schaut auch fortwährend in die Höhe. Hinauf zu diesen faszinierenden Fenstern, die das Licht auf so wundersame Weise brechen, die mit ihrer Kleinteiligkeit und Schönheit so viele Assoziationen wecken. Man kann stundenlang gucken und immer wieder etwas Neues entdecken, etwas Anderes interpretieren. Das ist die Kraft dieser einzigartigen Kirchenfenster von St. Nicolai.

Pfingstliche Stimmung in Kirche

Am Pfingstmontag wurden zwei weitere Fenster im Beisein des Erzbischofs Dr. Werner Thissen, des Ministerpräsidenten Armin Laschet und des Künstlers Karl-Martin Hartmann gesegnet. Hunderte Menschen kamen in die Kirche und nahmen am Patronatsfest der Pfarre Heilig-Geist zu Pfingsten teil. Sie waren hellauf begeistert – von dem Zusammenspiel der Fenster mit den Altären und auch von den Künsten der Nikolaus-Kantorei. Der Chor bot unter der Leitung von Jan Szopinski und dem spielerischen Können von Magdalena Lapaj (Saxofon) und Georg Neinhuis (Schlagzeug) einen würdigen Rahmen. Mutig starteten sie mit einer Nummer von Pink Floyd und konzertierten dann die von Jan Szopinski komponierte ‘Missa in g’. Schöner kann man Pfingsten nicht begehen.

Erzbischof Werner Thissen interpretierte mit seinen Worten die Bedeutung der Fenster: Während die Schnitzaltäre konkrete Bilder im Betrachter hervorrufen, stünden die Fenster vor allem für Farben und Formen. „Es kann eine Herausforderung sein, sich auf diese Fenster einzulassen“, sagte Thissen. Sie seien nicht der gescheiterte Versuch, Gottes Geist dingfest zu machen, sondern sie würden dabei helfen, seinen Geist zu spüren. In der Kirche St. Nicolai gebe es eine konkrete Erzählung in den Altären und abstrakte Impulse durch die Fenster. „Wenn ich auf die Fenster schaue, dann regt sich etwas in mir: Eine Stimmung, eine Zustimmung zur Welt und zu mir selbst“, so Thissen.

Man könne sich auch als Atheist von diesen Fenstern inspirieren lassen. „Sie sind für jeden, der hier verweilt, ein Schatz. Wahre Kunst, auch diese Fenster, führen immer zum Staunen. Kunst hat eine eigene Sprache, einen eigenen Charakter. Diese Fenster dienen dem Licht. Ohne Licht bleiben sie stumm, aber das Licht ist da“, so Thissen.

Inspirationen aus der Physik

Künstler Karl-Martin Hartmann erläuterte im Gespräch mit der NRZ, dass jedes Fenster eine eigene Komposition darstelle. Er lasse sich inspirieren vom Physiker Richard Feynman, der sich in der Teilchen- und Festkörperphysik einen Namen mit der bildlichen Darstellung der Quantenelektrodynamik gemacht hat. Hartmann gestaltete die Chorfenster anhand eines Rasters der Feynman-Graphen. So treten naturwissenschaftliche Erkenntnisse in einen Dialog mit der Religion.

Die neuen Fenster auf der Südseite stehen in Beziehung zu den Fenstern im Chor. „Es ist eine Art dargestellter Lebenszyklus“, so Hartmann. Während man auf der Chorseite Blüten erkennen könne, zeigen die beiden neuen Fenster Feigen und Äpfel - die Früchte der Erkenntnis. „Zum Ende eines Lebens sollte man hoffentlich davon gekostet haben“, sagt Hartmann. Die Umsetzung habe ihm viel Spaß bereitet. Von der Kirche habe er freie Hand bekommen: „Ich akzeptiere keine inhaltlichen Vorgaben“, so der Glaskünstler. Gleichwohl war er sich der Bedeutung dieser großen Aufgabe bewusst: „Ich trage die Verantwortung für die spirituelle Qualität dieses Raumes“.

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