Archäologie

Kalkars historisches Profil schärfen

Experten haben den Römerbrunnen auf der ehemaligen Monterburg in Kalkar untersucht.

Experten haben den Römerbrunnen auf der ehemaligen Monterburg in Kalkar untersucht.

Foto: Heinz Jürgen Graf

Kalkar.   Politik möchte Verein bei der Erforschung der Monterburg unterstützen, schreckt vor Zuschüssen aber zurück. Archäologen untersuchten Brunnen.

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Mit jedem Meter, den die Gondel nach unten fuhr, tauchten die Experten tiefer in die Geschichte der Monterburg in Kalkar ein. Der Klever Archäologe und Burgenforscher Jens Wroblewski, Martin Vollmer-König, Leiter der Abteilung Denkmalschutz/Praktische Bodendenkmalpflege beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, sowie sein archäologischer Mitarbeiter Johannes Englert ließen sich Anfang dieser Woche auf 45 Meter Tiefe in den sogenannten Römerbrunnen hinabseilen, um die historische Konstruktion aus nächster Nähe zu untersuchen.

Älteste Burg im Rheinland

Der Anfang des 20. Jahrhunderts um weitere 15 Meter vertiefte Brunnen ist das einzige heute noch sichtbare Bauwerk der ehemaligen Monterburg, der ältesten nachgewiesenen Burg im Rheinland.

Den in Vergessenheit geratenen Ort möchte der Verein Monterburg wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung in Kalkar und am Niederrhein holen (die NRZ berichtete).

Die beiden Vereinsvorsitzenden Carsten van Dornick und Peter Wolters präsentierten im Kalkarer Ausschuss für Bürgerbeteiligung und Gemeinwesen nun den bisherigen Forschungsstand und ihre Ziele. Sie stellten dabei ihren Antrag, dass die Stadt das Projekt zur Sichtbar- und Erlebbarmachung der Burg Monterberg auf die Stadtentwicklungsagenda setzen möge, in einen größeren Kontext: „Mit dem Kulturgut Mittelalter ist Kalkar stark. Wir möchten diese Besonderheit als Einheit nach vorne bringen, weil sich daraus auch Impulse für die Wirtschaft ergeben werden“, sagte van Dornick.

In einer finanziellen Notlage nicht einspringen

Damit stieß er auf Zuspruch von Bürgermeisterin Britta Schulz. „Das historische Profil ist das A und O für Kalkar. Die Stadt unterstützt Projekte, die es schärfen“, sagte sie und schränkte doch ein: „Wir können nicht mit Geld um uns werfen.“

Wie gebrannte Kinder erinnerten auch mehrere Ausschussmitglieder an das warnende Beispiel der Burg Boetzelaer. Deshalb heißt es in der einstimmig verabschiedeten Beschlussfassung sinngemäß, dass der Ausschuss die Vereinsaktivitäten zwar begrüße, die Stadt in einer finanziellen Notlage aber nicht einspringen werde.

„Uns geht es vorrangig auch nicht um Geld, sondern eine Steigerung der Wahrnehmung durch Unterstützung der Stadt“, sagte Carsten van Dornick. Der Verein möchte die Monterburg nicht wieder aufbauen, sondern mit einem professionellen Konzept und in enger Abstimmung mit dem LVR die im Boden verbliebenen Baureste und die zahlreichen archäologischen Funden im näheren Umfeld für Touristen erlebbar machen. Als nächster Schritt auf diesem Weg sollen mit einem Bodenradar die Fundamente gefunden werden.

Von historisch herausragender Bedeutung

Mit dem Römerbrunnen wissen die 32 Vereinmitglieder bereits um ein Bauwerk auf dem Burgplatz, das von historisch herausragender Bedeutung ist.

Die drei Experten, die Anfang dieser Woche in die Tiefe fuhren, gaben anschließend die Salierzeit (10. bis 12. Jahrhundert) bzw. das Hochmittelalter (11. bis 13. Jahrhundert) als wahrscheinlichsten Ursprung des Brunnens an. Die Tuffsteine, aus denen der Brunnen überwiegend gemauert ist, seien wohl römischen Ursprungs, aber für den Bau des Brunnens zweitverwendet worden.

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