Kabarett

Kazmierczak begeistert das ausverkaufte Klever Spiegelzelt

Ludger Kazmierczak trat im ausverkauften Spiegelzelt auf.

Ludger Kazmierczak trat im ausverkauften Spiegelzelt auf.

Foto: Andreas Daams

Kleve.  Ludger Kazmierczak brachte das Klever Publikum im Spiegelzelt wieder einmal zum Lachen. Wie üblich nahm er kein Blatt vor den Mund.

Ausverkauft. Der Kleinkunstverein Cinque feiert sein 30-jähriges Bestehen, das wunderschöne Spiegelzelt steht auf der Wiese, wo sich einst das Schützenhaus befand, und der einzige ausverkaufte Kleinkunstabend ist der von Ludger Kazmierczak. „Unser großer Lokalmatador“, wie Bruno Schmitz ihn nennt. Kazmierczak, im Hauptberuf WDR-Reporter, hat sich seinen Ruf in Kleve hart erarbeitet. Was die Besucherzahlen angeht, schlägt er Schmickler locker. „Die anderen Künstler sind ja auch nicht so bekannt“, sagt er und erntet die ersten Lacher.

Robert Habeck und Michael Bay vor dem geistigen Auge

So geht es weiter. Seine Methode ist eigentlich ganz einfach. Wenn man das große Ganze herunterbricht aufs Kleine, sprich: auf Kleve, dann kommt automatisch Gelächter dabei heraus. Beispiel: Der Brexit hat 350.000 Einträge bei Google, Helene Fischer über 25 Millionen. Das zeigt, was den Leuten wichtig ist. Ach ja, Kleves Bürgermeisterin Sonja Northing hat 24.800. Dafür, dass sie nicht singt, sei das nicht schlecht. „Und wir sind ihr sehr dankbar, dass sie nicht singt.“ Lacher.

Oder die Grünen mit ihrem Robert Habeck. Da genügt es offensichtlich, im Anschluss den Namen des grünen Kommunalpolitikers Michael Bay auszusprechen, und schon gibt es im Hirn der Zuschauer eine Art kognitive Dissonanz. Man sieht Habeck und Bay vor dem geistigen Auge nebeneinander. Und lacht.

Vor den Lehmhöhlen in Reichswalde

So geht es mit allem. Kleve hat den Klimanotstand ausgerufen. Kommen jetzt die Touristen, um zu sehen, wie die Reichswalder oder Donsbrügger in Jutekleidung vor ihren Lehmhöhlen hocken? Schmelzen am Klever Berg die Polarkappen? Ist Kleve gar das Zentrum eines niederrheinischen Armageddon? Dass Stadtkämmerer Willibrord Haas nie lacht, sei da schon eine Maßnahme zum Klimaschutz: „Er hat Angst, zu viel Lachgas auszuatmen.“

Erstaunlich: Viele im Publikum, die ansonsten die „Fridays for Future“-Bewegung heftig begrüßen, schmunzeln jetzt über Kazmierczaks diesbezügliche Scherze: „Shakira-Laureen hat den Che Guevara in sich entdeckt.“

Klimaerwärmung und kaltes Bier

Zu Greta Thunberg, die nun „alten Männern verschwitzte Hände schütteln muss“, setzt Kazmierczak gar sich selbst als Klever Referenz in Bezug. Er als 16-Jähriger habe sich seinerzeit gedacht: „Ludger, um die Erderwärmung kümmerst du dich später, guck erst mal, ob das Bier kalt steht.“ Tja, diese Ideale: Eine Mitschülerin am Sebus wollte später unbedingt etwas mit Tieren machen. „Heute arbeitet sie bei Quartier.“ Lacher.

Dazu mischt er immer wieder ein bisschen Bundespolitik und Holländer-Witzchen, was gut ankommt. „Nix für ungut“ hat er sein Programm benannt. Natürlich ist es nicht nur seine Methode, die funktioniert. Es ist auch seine Persönlichkeit. Da wird es hoffentlich noch viele ausverkaufte Abende mit ihm geben. Nur eines: Mit dem Singen sollte er es Sonja Northing vielleicht gleich tun. Nix für ungut.

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