Pflanzen

Kies kennt keine Jahreszeit – Gärten im Kreis Kleve schon

v.l. Sebastian Hünnekes, John Greenlee, Julia Schwarzer und Klaus Peters mit Hund "Bär" mitten in der dekorativen, aber eben auch nachhaltigen Segge „Carex remota“.

v.l. Sebastian Hünnekes, John Greenlee, Julia Schwarzer und Klaus Peters mit Hund "Bär" mitten in der dekorativen, aber eben auch nachhaltigen Segge „Carex remota“.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kranenburg / Kreis Kleve.  „Stauden Peters“ nimmt Kranenburg als Testfeld für nachhaltige Bepflanzung. Ein amerikanischer „Gräser-Guru“ gibt sein Wissen weiter.

„Das ist, was die Leute heute wollen: Keine Steinwüste im Vorgarten und trotzdem nicht mehr Zeit im Garten verbringen müssen. Wenig Pflege, aber bienenfreundlich. Nicht ungeordnet wilde Wiese, aber etwas, das natürlich aussieht“, beschreibt Klaus Peters. Diese Quadratur des Kreises ist für ihn und sein Team tägliche Arbeit. „Stauden Peters“ in Kranenburg züchtet und vertreibt 80 Sorten Ziergräser und 200 Sorten Stauden. Er verkauft nicht an private Kunden, sondern nur an Filialisten.

Privatleute, die beispielsweise in Gartencentern ihr Töpfchen Zebragras oder Rutenhirse kauften, sind oft überfordert: Und

nun? Klaus Peters optimiert gerade seine Lösung für Vorgärten oder auch öffentliche Flächen in Städten und Gemeinden. Das Geheimnis ist ein dichtes Bett im Beet von bodendeckenden Gräsern, niedrige und höhere.

In jedem Monat ploppen bunte Farbtupfer auf

Dazwischen werden immer wieder Blumenzwiebeln addiert, die je nach Monat als bunte Farbtupfer aufploppen.

Wie das genau zu kombinieren ist, das lernt das Team aus Kranenburg gerade bei John Greenlee. „Wir verkaufen dann unsere Pflanzen mit seinem Wissen“, sagt Klaus Peters. Er hat den Amerikaner Greenlee, den Gräser-Guru, engagiert. „Wir müssen gut von ihm lernen. Wir können uns ihn nicht so oft leisten.“

Auf einer Messe in den USA, zu denen Klaus Peters regelmäßig fährt, lernten sie sich kennen. Die Chemie zwischen den beiden in Sachen Biologie stimmte. Der Amerikaner und der Deutsche sprachen die selbe Sprache im Umgang mit der Natur.

„Du musst den Garten passieren lassen“

„Du musst den Garten passieren lassen. Ich habe die richtige Person gefunden, um es geschehen zu lassen“, zeigt der Mann aus Kalifornien auf den Mann aus Kranenburg. Als Greenlee aus den USA anreiste, „hatte ich ja keine Vorstellung! Ich wusste nicht, dass dieser junge Typ eine ganze Fabrik an Gräsern hat“, staunt er über die 10 Hektar Ziergräser und Stauden, die er in Kranenburg bei Klaus Peters open air und unter Glas vorfand (plus 15 ha in Portugal zu etwas früherer Ernte).

Unsere eigene Gemeinde ist jetzt das Testfeld

„Unsere eigene Gemeinde ist jetzt das Testfeld“, hat sich Klaus Peters vorgenommen. Er gestaltet das Rathausumfeld. Dort stand das Schild „Rathaus“ in rotem Tonkies, andere Beete sind mit grauem Splitt gefüllt. Nun wird es Grün, im Herbst folgen Blumenzwiebeln. Am Ende sind es etwas mehr als 1000 Pflanzen, die Klaus Peters in Gemeindebeeten unterbringt.

„Kommunen brauchen es bezahlbar, salz-tolerant und hitzebeständig, lange haltbar und mit wenig Pflegeaufwand und wenig Bewässerung“, weiß der Kranenburger studierte Gartenbauingenieur.

„Ich habe die gleiche Pflanze wie Steve Jobs an meinem Haus“

Die ersten Gräser sind gesetzt, es sind einheimische. „Ich zeige Europa, wie es mit den eigenen Pflanzen umgehen sollte“, bietet Greenlee an. „Das Klima ändert sich definitiv, wird härter, trockener, extremer, heißer und kälter.“

John Greenlee legt in Kranenburg selbst mit Hand an. Er hat schon die Gärten des Apple-Hauptquartiers in USA, Disneys Tierpark in Florida gestaltet und kann den Kunden hier den Stolz gleich mit verkaufen, zu sagen: „Ich habe die gleiche Pflanze wie Steve Jobs an meinem Haus“, lacht Greenlee.

Konzepte als Anregung abfilmen

Ein Kameramann einer amerikanischen Garten-TV-Serie reiste mit an. Die drei 36-jährigen Köpfe des Stauden-Paradieses in Kranenburg wollen Pflanz-Konzepte mit einheimisch-europäischen Gewächsen abfilmen lassen: als Anregung für hiesige Landschaftsgärtnern oder Umweltbetriebe von Kommunen.

In Kalifornien kämpft Autor Greenlee gegen das „schreckliche Übermaß“ an kurz geschorenen, chemisch behandelten Rasen. Hier am Niederrhein lautet der Slogan von Klaus Peters: „Der Kies muss weg!“ Denn: „Kies dient nicht den Vögeln und nicht Schmetterlingen und Insekten. Kies kennt keine Jahreszeit“, ergänzt Greenlee. „Pflanzen haben eine Geschichte. In Kranenburg ist eine Geschichte zu erzählen.“

„Meadow“ ist mehr als eine Wiese

Der leidenschaftliche Landschaftsbauer John Greenlee aus den USA hatte 20 Jahre lang als „Kunstgärtner“ gewirkt, bevor er komplett umdachte, eine Enzyklopädie über Ziergräser und einen dickes Buch „The American Meadow Garden: Creating a Natural Alternative to the Traditional Lawn“ – Entwurf einer natürlichen Alternative zum traditionellen Rasen. Seine „Meadow“ ist nicht einfach mit „Wiese“ zu übersetzen. Keine Blühwiese, aber mehr als Rasen. Sie ist puschelig, stachelig, hell und dunkel, Beet und Einfassung.

Julia Schwarzer vom Team „Stauden Peters“ zitiert den deutschen Gartenbuch-Autoren Karl Foerster (1874-1970) „Gräser sind das Haar der Erde“.

Damit schließt sich der Kreis für Klaus Peters, den Sohn einer Friseurin und Enkel eines Friseurs, der mit ein paar Gladiolen den Gartenbau anfing. Der Gartenbau wuchs nun in dritter Generation zur Firma mit 50 Festangestellten und weiteren Jahres-Arbeitskräften. In der Saison läuft der Betrieb in 24-Stunden-Schicht. Auch Studierende der Hochschule Rhein-Waal oder Uni Nimwegen nutzen gern die flexiblen Arbeitszeiten.

Stauden Peters sucht sowohl Fachkräfte als auch fleißige Hände im Gartenbau:

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