Sexueller Missbrauch

Kinder brauchen Schutz – Caritas-Beratungsstelle Kleve hilft

Katja Kleinebenne und Edelgard Löchel beraten bei der Caritas in Kleve.

Katja Kleinebenne und Edelgard Löchel beraten bei der Caritas in Kleve.

Foto: Andreas Daams / NRZ

Kleve.  Öffentlichkeit für das Thema sexuellen Missbrauch sensibilisiert, und viele Einrichtungen auch im Kleverland sind es auch.

Seit einigen Jahren ist die Öffentlichkeit für das Thema sexuellen Missbrauch sensibilisiert, und viele Einrichtungen sind es auch. Katja Kleinebenne, Psychologin bei der Caritas-Beratungsstelle Kleve, macht das am Beispiel der katholischen Kirche deutlich, zu der die Caritas gehört. Wer eine Anstellung bei einer kirchlichen Einrichtung haben möchte, braucht ein erweitertes Führungszeugnis, unterschreibt einen Verhaltenskodex und erhält eine Schulung. „Wir haben auch die Beschwerdewege in den Einrichtungen überdacht, so dass mögliche Opfer schnell Gehör finden“, erklärt sie. Selbst so schwierige Fragen wie die, ob ein Betreuer im Kinderheim ein Kind umarmen darf, sind klar geregelt.

Es gibt sie noch, zahlreiche Fälle von sexueller Gewalt an Kindern

Trotzdem gibt es immer noch zahlreiche Fälle von sexueller Gewalt an Kindern. 2400 Fälle wurden im letzten Jahr allein in NRW angezeigt. Die Caritas geht davon aus, dass die Dunkelziffer sehr viel höher ist und es in jeder Klasse ein bis zwei Kinder gebe, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Meist stammen die Täter aus dem sozialen Nahfeld des Opfers. Wie erkennt man im Kindergarten, ob ein Kind davon betroffen ist? Auch das ist eine Frage, mit der sich Kleinebenne und ihr Caritas-Team auseinandersetzen. Sie besuchen Kindergärten und Schulen, coachen die Mitarbeiter, stehen aber auch Betroffenen als Ansprechpartner zur Verfügung.

Nicht sofort zur Polizei gehen

Gerade das sei wichtig, betont Edelgard Löchel, Leiterin der hiesigen Caritas-Beratungsstellen: „Man sollte nicht direkt zur Polizei gehen, denn die muss im Verdachtsfall bereits ermitteln.“ Das kann für den gesamten Prozess gerade in emotionaler Hinsicht zum Problem werden. Denn wie geht man mit dem betroffenen Kind um? Wie reagiert man auf den Verdachtsfall? Genau für solche Fragen sind die Caritas-Beratungsstellen geschult. Hier kann man mögliche Fälle auch anonymisiert vorstellen – so wird es möglicherweise einfacher, sich zu äußern.

Es geht darum, dass Kinder aufgeklärt sind

Inzwischen haben Caritas, Jugendämter, Polizei und weitere Einrichtungen längst eingespielte Netzwerke gebildet, auf die Menschen in Einrichtungen oder Privatpersonen zurückgreifen können. „Wir sind proaktiv in allen Einrichtungen vertreten“, sagt Katja Kleinebenne. Sei es über ausliegendes Material oder persönlich bei Elternabenden. „Es geht darum, dass Kinder aufgeklärt sind“, sagt Edelgard Löchel. Dazu gehört ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Kind, aber auch klarzumachen, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt. „Der Aufklärungsunterricht in der Schule findet erst im dritten Schuljahr statt, das ist zu spät“, so Löchel. Wobei andererseits auch gelte, dass Kinder unbefangen aufwachsen sollen. Katja Kleinebenne: „Das ist ein Spannungsfeld, in dem Kinder Schutz und Orientierung brauchen.“

Caritas-Beratungsstellen gibt es in Kleve (Telefon 02821 7209-300), Emmerich am Rhein (Telefon 02822 10829) und Goch (Telefon 02823 928636-600).

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