Prozess

Kindesmissbrauch: Urteil gegen Sozialpädagogen aus Kevelaer

Landgericht Kleve: Der Sozialpädagoge aus Kevelaer hatte sich im Juli 2019 über einen Anwalt selbst angezeigt.

Landgericht Kleve: Der Sozialpädagoge aus Kevelaer hatte sich im Juli 2019 über einen Anwalt selbst angezeigt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Kevelaer/Kleve.  Ein Sozialpädagoge aus Kevelaer ist vom Landgericht Kleve wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Es geht um 39 Fälle.

Wegen schwerem sexuellem Missbrauchs in sechs Fällen und Missbrauchs in weiteren 33 Fällen ist ein Sozialpädagoge und Filmemacher aus Kevelaer vom Landgericht Kleve zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter, Christian Henckel, hielt dem 50-jährigen Angeklagten vor, dass die geschädigten Jungs das Geschehen nicht werden vergessen können.

Der Kevelaerer hatte sich in den Jahren 1998 bis 2002 an einem heute volljährigen Familienmitglied vergangen. Weitere acht Jungs wurden in den Jahren 2013 und 2016 bis 2019 Opfer von nächtlichen Übergriffen während verschiedener Ferienfreizeiten, die der Sozialpädagoge unter anderem an der Nordsee veranstaltete.

Der Fall hatte in Kevelaer für großes Aufsehen gesorgt

Der Fall hatte weit über die Stadtgrenzen Kevelaers für Aufsehen gesorgt. „Es ist größtenteils so gewesen“, hatte der 50-Jährige schon beim Prozessstart vor dem Klever Landgericht eingeräumt. Der Angeklagte habe seine Rolle als „geachteter und bewunderter Führer“ dieser Veranstaltungen ausgenutzt und massiv Vertrauen missbraucht - das der Kinder, aber auch das der Eltern, die ihm ihre Kinder anvertraut hatten, stellte die Kammer fest. Ein Gutachter hatte bei dem Angeklagten massive pädadophile Neigungen erkannt.

Dass der Angeklagte in dem Prozess vollumfänglich gestanden und so mehreren Opfern die quälende Aussage erspart hatte, würdigte das Gericht ausdrücklich. Die Klever Strafkammer hielt zudem seine Reue für glaubhaft und rechnete auch ihm diese positiv an.

Prozess am Landgericht Kleve: Strafmaß wäre sonst höher ausgefallen

Ansonsten wäre das Strafmaß wohl noch bedeutend höher ausgefallen. Denn für das Gericht fiel sehr ins Gewicht, dass sich die Taten über einen so langen Zeitraum ereigneten, intensiver wurden - ohne, dass der Angeklagte von sich aus umsteuerte. „Sie wussten vor jeder Ferienfahrt: Sowas kann passieren“, hielt Richter Henckel dem 50-Jährigen vor. Und schloss daraus, dass der Angeklagte nicht habe auf „die Gelegenheiten“ verzichten wollen: „Sie wollten ihre pädophilen Neigungen ausleben.“

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