Stadtentwicklung

Kleve braucht eine Vorstellung von Gestaltung

Friedhelm Hülsmann denkt über die städtebauliche Zukunft Kleves nach. Architekten und Investoren dürften sich ruhig mehr anstrengen.

Friedhelm Hülsmann denkt über die städtebauliche Zukunft Kleves nach. Architekten und Investoren dürften sich ruhig mehr anstrengen.

Kleve.   Quo vadis, Kleve? Architekt Friedhelm Hülsmann macht sich Gedanken über die Zukunft der baulichen Entwicklung Kleves. Es fehle ein Masterplan.

Welche Entwicklung nimmt Kleve? Zurzeit wird viel gebaut, es gibt eine enorme Dynamik in der Stadt und die NRZ fragte vor gut zwei Wochen „Quo vadis, Kleve?“ Das fragt sich auch Friedhelm Hülsmann, Architekt und Klever Bürger, der sich seit vielen Jahren Gedanken über seine Stadt macht. In öffentlichen Vorträgen und mit inhaltlichen Vorschlägen hat er sich bereits in der Vergangenheit mehrmals zu Wort gemeldet. Doch bislang verlaufen viele geforderte Ideen einfach im Sande.

Es fehlt ein Plan

Im Gespräch mit der NRZ versucht Hülsmann zu erklären, warum das so ist. Warum fehlt es der Klever Stadtentwicklung an einer geordneten Struktur? Warum überlässt man die Dynamik ausschließlich der freien Wirtschaft? Warum tut man sich so schwer mit der Frage, wie Kleve in zehn Jahren aussehen soll? Aktuell fehle die Handschrift einer durchdachten Planung zur „Soziologie des Klever Städtebaus“. Verantwortlich dafür sind viele: Rat, Verwaltung, aber auch Architekten und Investoren könnten sich bei der Entwicklung von Neubaugebieten mehr anstrengen, findet Hülsmann. Und die Ausrede, dass man Unternehmen nicht vorschreiben könne, wie man zu bauen hat, möchte er nicht gelten lassen: „Es gibt Möglichkeiten der Einflussnahme.“

Er bemängelt einen fehlenden Masterplan. Denn eigentlich sei es ja toll, dass in Kleve viel geschieht: mehr Einwohner, mehr junge Leute, neues Bauen, neue Wohnformen. Nur könne man deutlich mehr für das Stadtbild herausholen, wenn man sich zuvor Gedanken macht, was man denn eigentlich möchte.

Doch wenn in Kleve gedacht wird, dann bleiben die Gedanken zu oft auf der Strecke. Hülsmann erinnert an das Minoritenplatz-Verfahren. Was ist aus den Ergebnissen der aufwendigen Bürgerwerkstatt geworden? Wo ist die Umsetzung des Eckpunktepapiers? „Es herrscht absolute Stille“, stellt er fest. Es sei offenbar auch nicht sinnvoll, erneut eine Diskussion zu beginnen: „Das Thema interessiert einfach nicht. Und das ist ein bedauerlicher Zustand.“

Eine ähnliche Entwicklung müsse man für den Neubau der Gesamtschule an der Hoffmannallee feststellen. Mit großen Plänen sei man gestartet: „Und jetzt wurde das Baustellenschild entfernt, obwohl die Schule noch gar nicht fertig ist.“ Für neue Ideen – etwa das Wohnen auf dem Wasser – sei man zwar zugänglich und entwickle auch Flächennutzungspläne für die Zukunft Kleves, aber diese werden nicht konsequent umgesetzt und verweilen in der Schublade.

Ein wichtiges Manko ist seiner Meinung nach eine fehlende Plattform, auf der sich Experten und Politiker austauschen können. „Wie kann man Stadtentwicklung auf einem hohen Niveau diskutieren?“, fragt Hülsmann. Er würde sich wünschen, wenn die Klever Stadtverwaltung hier die Initiative ergreifen würde. Möglicherweise auch in Zusammenarbeit mit der Hochschule Rhein-Waal. Zwar könne man Kleve nicht mit Frankfurt vergleichen, aber die Stadt am Main habe es hinbekommen, in einer von Banktürmen dominierten City ein schönes, mittelalterlich anmutendes Stadtzentrum zu schaffen, das den Diskurs über unser Zusammenleben fördert. Dies alles gehe aber nur, wenn man eine genaue Zielvorstellung entwickelt hat. „Man muss etwas wollen“, sagt Hülsmann.

Dürftiges Bild

In Kleve fehle eine städtebaulich erkennbare Zielvorstellung. Und die bisherige Entwicklung zeige dementsprechend ein städtebaulich dürftiges Bild. Dabei gebe es viele Möglichkeiten innovativ zu bauen. Architektur kenne keine Wahrheit, betont Hülsmann: „Aber man muss diskutieren.“ Vielleicht würde auch ein städtisches Jahrbuch weiterhelfen, in dem man alle Entwicklung jährlich dokumentieren könnte und sich vor Augen führe, was geschehen ist. „Was läuft gut, was läuft schlecht, wo dürfen wir uns verbessern? Aber auch dafür benötigt man ein Ziel“, sagt der Klever Architekt.

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