Jugend

Kleve fragte die Jugend: Was fehlt euch? Antworten sind da

Mehr Sport, mehr Freizeitmöglichkeiten im öffentlichen Raum wünschten junge Leute in Kleve – nicht nur für Studierende in der Einführungswoche der Hochschule Rhein-Waal

Mehr Sport, mehr Freizeitmöglichkeiten im öffentlichen Raum wünschten junge Leute in Kleve – nicht nur für Studierende in der Einführungswoche der Hochschule Rhein-Waal

Foto: Hochschule

Kleve.  Junge Menschen sollen in Kleve mehr Einfluss auf die Handlungen der Stadtverwaltung und Stadtpolitik nehmen können.

Kleve hat seine Jugend befragt: Was fehlt euch in der Stadt? Im vorigen Jahr lief die Befragung, wie ein jugendgerechtes Kleve in Zukunft aussehen soll. Jetzt liegen die Ergebnisse vor.

Alle 13.000 Kinder, Jugendlichen und junge Erwachsenen im Alter von 6 bis 27 Jahren, die in Kleve leben, waren über Plakate, Karten und online aufgefordert, mitzumachen. 905 Fragebögen wurden zurückgeschickt, 722 waren vollständig ausgefüllt.

Gelobt werden die grüne Lage, die Hochschule, das Sternbuschbad

Bei den Grundschülern waren die Eltern über die Schulen angesprochen worden, sechs Prozent machten mit. Mit 31 Prozent war die Gruppe der 14- bis 17-Jährigen die am meisten betroffene, die 18- bis 20-Jährigen nahmen zu 14 Prozent teil und die über 21-Jährigen waren zu 21 Prozent interessiert, ihre Meinung zu sagen. Ziel ist, dass junge Menschen Einfluss auf die Handlungen der Stadtverwaltung und Stadtpolitik nehmen können.

Auf Tafeln haben die beiden Mitarbeiterinnen des Fachbereichs Jugend in der Stadtverwaltung, Martina Hunting und Andrea Gerritsen, aufgedruckt, was die jungen Leute am deutlichsten bewegt – in großen Buchstaben das am meisten Genannte. Was gefällt besonders an Kleve? Da sind sich alle Altersgruppen einig: viel Grün, Parks, die Hochschule, Sternbuschbad und auch die „Größe der Stadt“.

Kritik am öffentlichen Nahverkehr

Was gefällt gar nicht: Da steht ganz dick „öffentlicher Nahverkehr, fehlende Mobilität,“ und die „Verkehrssituation / fehlende Sicherheit auf Fahrradwegen“. Auffallend auch die Kritik „wenig Freizeitangebote, -möglichkeiten“ und „nicht altersgerechte Spielplätze“. Etwas kleiner ist die Schrift, aber dennoch deutlich der Vorwurf, dass es „rechtsextreme, unfreundliche Menschen“ in Kleve gebe. Und es fehlten „freie Orte zum Treffen“. Letzteres wird bei der Auswertung der einzelnen Altersgruppen deutlicher.

Was alles vermisst wird

Die Zehn- bis 27-Jährigen vermissen: Trampolin/-

halle, Kletterhalle, Discos, Clubs, Baggerseen, Kulturzentrum, sicheren Radverkehr. Sie würden gern auch mehr: feiern gehen, shoppen, verschiedene und außergewöhnliche Sportangebote probieren.

397 Schüler (die meisten vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und Gesamtschule am Forstgarten), 98 Studierende, 62 Auszubildende/Berufsschüler waren unter den Antwortenden. 152 der Älteren und 489 der Jüngeren treffen sich mit Freunden meist einfach zu Hause. Nur 49 Personen überhaupt treffen Freunde in einem Jugendhaus, 69 Prozent der Befragten gehen nie dorthin.

Aktiv werden auch ohne Verein

Kontakte pflegen sie eher in Sportvereinen (359 Personen), gefolgt von Tanz-/Theater, Karnevalsverein, Musikverein. 250 Kinder und Jugendliche und junge Erwachsene gehören keiner festen Gruppierung an. Jüngere möchten wochentags, Ältere am Wochenende und 265 der Älteren gern auch abends mehr Freizeitangebote nutzen. Die Zehn- bis 14-Jährigen vermissen „freies

WLan“ in der Stadt. Das kümmert Jugendliche ab 14 Jahren weniger, sie wollen „Ausgehmöglichkeiten“.

Die Acht- bis Elfjährigen finden zu 43 Prozent das heutige Freizeitangebot ausreichend, 15 Prozent finden es nicht genügend. Die Älteren halten es zu 36 Prozent für ausreichend, aber zu 21 Prozent nicht ausreichend.

Auch Beratungsangebote fehlen offenbar: ganz deutlich Beratung zu „psychischer Gesundheit / Jugendlichen-Problemen, Mobbing“ und mehr Berufsberatung, auch dezentral in den Ortsteilen wird gewünscht.

306 der Befragten war eine Mitwirkung an einem jugendgerechten Kleve „sehr wichtig“ und 218 „wichtig“ 335 würden sich beteiligen, aber die meisten am liebsten projektbezogen, themenbezogen, über Befragungen. Zwölf Prozent würden sich an Workshops beteiligen, bloß acht Prozent „in Gremien“. Dennoch meinte die SPD im Jugendhilfeausschuss ihren Antrag bestätigt, ein „Jugendparlament“ für Kleve einzurichten. Die CDU ahnte, dass sich dort wieder bloß die Aktiven „in immer gleichen Kreisen“ bewegen (Andrea Kamps).

„Je konkreter das Umfeld, desto größer das Interesse“

Fachbereichsleiter Jan Traeder fasste zusammen: „Je konkreter das Umfeld, desto größer das Interesse.“ Doch so mancher vormals Engagierte sprang schon frustriert wieder an, wenn Erwartungen nicht umgesetzt wurden, es einfach keinen Rücklauf gab. „Es braucht Rückkoppelung“, mahnte Andrea Gerritsen. „Ein Jahr später ist aus Sicht der jungen Leute zu spät“. Vor allem „kurzfristige Verabredungen, die zu persönlichem Mehrwert führen“, rissen die jungen Leute mit. „Der Grad der Verbindlichkeit darf nicht zu hoch sein“, also nicht langfristig verpflichtend. Der Ablauf müsse aber flexibel und transparent durchschaubar sein „der Rahmen klar: was geht, was geht nicht“, so Martina Hunting. Neue Medien wie Apps müssten selbstverständlich das Mittel der Kommunikation sein. Es brauche auch eine „verbindliche Schnittstelle zur Verwaltung“.

Das deuteten die Mitglieder im Jugendhilfeausschuss ganz unterschiedlich. Einige meinten heraus gehört zu haben, dass Jugendzentren dann doch der richtige Anlaufpunkt wären. Die Grünen sahen die Schulen als Schnittstellen. Kämmerer Willibrord Haas empfahl, dass „Dezentralisierung der Weg sein könnte“. Die Politik müsse „Eckpunkte“ für eine „Grundstrategie“ festlegen. „Wir in der Verwaltung haben uns schon Gedanken gemacht. Es darf nicht zu viel administrative und regelnde Strukturen geben, die die Jugend behindern, kreativ zu werden“, sagte er. Genau jetzt sei die richtige Zeit, Maßnahmen als Bestandteil in den nächsten Kinder- und Jugendförderplan der Stadt zu bringen. Darin hat die Verwaltung bereits einen Satz ergänzt: Die „pluralistische Werteorientierung“ ist nun „auf Grundlage unserer demokratischen Grundordnung“ festgeschrieben.

Neue Beteiligungen erprobt

In den letzten Jahren nutzte der Fachbereich Jugend bereits neue Beteiligungsformen:

„Junge Mitte“: Workshop mit Schüler/innen zur klever City

„Klever Sprossen“: mit einem Fachbüro aus Hamburg entwarfen junge Leute eine nutzvollere, coolere Gestaltung öffentlicher Räume, Wiesen, mobiler Bühnen.

Mit Kita und Jugendzentrum wurde ein Spielplatz-Modell für die Merowinger Straße gebastelt.

Schülerparlament-Sitzung mit der Hochschule im Ratssaal

Film mit dem Jugendzentrum Moms „Wir in der

Klever Südstadt“

Projekt „Jung sein im Klever Südstadt-Quartier“ (Träger Theodor-Brauer-Haus, Berufsbildungszentrum Kleve e.V.)

Öffentliches Fitness-Sportgerüst für alle Altersklassen in der Südstadt als Förderprojekt „Jugend stärken im Quartier“.

Der jetzt aktuelle Fragebogen war für Grundschüler in deutscher, englischer und polnischer Sprache, für Ältere in deutsch und englisch verfügbar.

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