Politik

Kleve: Gorißen sieht keine Aufgaben für einen Kreisdirektor

Sie führen die Kreisverwaltung in Kleve: Die Landrätin Silke Gorißen und die Vertreterin Zandra Boxnick.

Sie führen die Kreisverwaltung in Kleve: Die Landrätin Silke Gorißen und die Vertreterin Zandra Boxnick.

Foto: Andreas Gebbink / NRZ

Kreis Kleve.  Landrätin Silke Gorißen und ihre Vertreterin Zandra Boxnick erklären, warum der Kreis Kleve keinen Kreisdirektor für 300.000 Euro benötigt.

Zandra Boxnick holt zwei Blätter aus ihrem Ordner. Es sind Organigramme der Kreisverwaltung: die heutige Struktur und den Verwaltungsgliederungsplan von 1996, der damals noch drei Dezernate mit 16 Ämtern beinhaltete, eine Oberkreisdirektor und einen Kreisdirektor. Zandra Boxnick, die allgemeine Vertreterin der Landrätin, ist ob des Antrages der vier Fraktionen SPD, Grüne, FDP und Freie Wählergemeinschaften verwundert: Wollen sie wieder zurück zum Dezernatssystem? Welche Aufgaben soll ein zusätzlicher Kreisdirektor denn überhaupt übernehmen, fragen sie sich.

Damals haben sich Kreistag und Verwaltung ganz bewusst für die heutige Struktur entschieden, um effizienter zu werden. Aus den Ämtern seine sieben schlanke Fachbereiche geworden, deren Leitungen mehr Befugnisse erhielten. Für Landrätin Silke Gorißen und Zandra Boxnick ist die heutige Kreisverwaltung eine schlagkräftige Truppe, die alles andere als eine Strukturdebatte benötige.

Für einen Kreisdirektor müsste Arbeit besorgt werden

Gorißen hat die vier Fraktionen noch einmal darum gebeten, ihre Entscheidung zu begründen. Persönlich könne sie die Argumentation noch nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: „Wir müssten dann schauen, welche Arbeiten ein Kreisdirektor überhaupt übernehmen soll. Wir müssten den Fachbereichen was wegnehmen und das führt wieder zu Frust auf dieser Ebene“, sagt Gorißen.

Überhaupt könne sie diese Strukturfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht nachvollziehen: „Wir wissen gerade echt nicht, wo uns der Kopf steht: 60 Prozent unserer Arbeit hängt mit Corona zusammen, wir müssen ein Impfzentrum aufbauen, uns droht die Geflügelpest, der AfD-Parteitag steht vor der Tür, die konstituierende Kreistagssitzung steht an. Wir sitzen hier bis spät abends und arbeiten.“ Da brauche man jetzt nicht auch noch eine Verwaltungsreform, so Gorißen.

Junge Leute an der Spitze der Fachbereiche

Hier gibt es mehr Artikel und Bilder aus Kleve und Umland Sie ist vom Konzept an der Nassauer Allee überzeugt: „Wenn ich Fragen habe, dann bekomme ich umgehend eine kompetente Antwort von den Fachbereichsleitern. Das sind alles gute Leute.“ Zudem habe man im Sommer in zentralen Fachbereichen wie Finanzen, Soziales und Technik einen Personalwechsel an der Spitze vollzogen. Da säßen nun junge Mitarbeiter zwischen 44 und 54 Jahren, die motiviert seien und neue Ideen einbringen wollen. Dies sollte man nicht zerstören. Gorißen hält die Kommunikation zwischen Kreistag und Verwaltung für ihre Aufgabe und diese wolle sie auch sehr ernst nehmen. Zum Beispiel sei wieder die Fraktionsvorsitzendenkonferenz einberufen worden, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Und der Fortgang von Wilfried Suerick? Dieser habe als „normaler“ Arbeitnehmer in der Vergangenheit sich vor allem um die Neubauvorhaben gekümmert, versichert Boxnick. Diese seien aber jetzt alle angestoßen bzw. abgearbeitet. Dafür müsse man jetzt keine neue Stelle für 300.000 Euro schaffen. Wenn sich in Zukunft noch personelle Engpässe, dann könne man diese auch ausschreiben.

Im Rahmen der Corona Pandemie wurde der Personalbestand der Kreisverwaltung bereits kräftig aufgestockt: von 800 auf jetzt 1000. Der Stellenplan liege zurzeit aber immer noch bei 650, erklärt Boxnick.

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