Sport und Jugend

Kleve Move Factory: Trainieren, wann man will - kostenlos

Jens Gretenkort (r.) beherrscht sichtbar die Sportart Calisthenics (Krafttraining und Akrobatik), fortgeschritten ist Thomas Kiesel (Handstand). Fabian Menzel und Leo Noris schauen zu.

Jens Gretenkort (r.) beherrscht sichtbar die Sportart Calisthenics (Krafttraining und Akrobatik), fortgeschritten ist Thomas Kiesel (Handstand). Fabian Menzel und Leo Noris schauen zu.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.  In der Move Factory im Pannier-Quartier Kleve ist Platz für Trendsportarten. Eigenverantwortlich von jungen Klevern für junge Leute in der Stadt.

Lernen auf Augenhöhe. Nicht durch einen Referenten von irgendwo her, sondern „each one teach one“, jeder ist ein Fachmann für irgendwas, zeigt, guckt ab, lehrt und lernt. Junge Leute aus Kleve haben an der Ackerstraße jetzt den Traum umgesetzt und die „Move factory“ eröffnet, renoviert, gestrichen, eingerichtet. Sport machen ohne Vereinsanbindung. Dann, wann man Zeit und Lust hat. Fixe Gruppen sind hier eher die Ausnahme.

Geöffnet ist eigentlich immer, 24/7

Zehn bis zwölf junge Leute haben den Schlüssel, verantworten die Öffnung. Und geöffnet ist eigentlich immer, 24/7, auch an Silvester. Wann wer da ist und zu welchem Sport, spricht sich über Messenger Dienste rund. Seit November läuft das Angebot an, durch Weitersagen belebt, durch Corona unterbrochen. Aber jetzt darf ja wieder Sport betrieben werden.

Im Pannier-Quartier an der Ackerstraße sind es Trendsportarten. Wie Parkour – das geradeaus durch Städte Ziehen, über Wände, über Mauern. Kaum zu glauben, aber der Klever Opschlag war in Nordrhein-Westfalen als Parkour-Hotspot bekannt, „als es noch keine Geländer gab“, erzählt Rainer Ulrichs. „Parkour kann man überall machen“, erklärt Gabriel Kleipass. Man muss nur kreativ sein,“ ergänzt Ulrichs.

Die Airtrack-Matte per crowdfunding angeschafft

Hannes Köster (17) kann’s: aus dem Stand Salto rückwärts oder mit Anlauf vorwärts über die Trainingskollegen hinweg springen. Er landet weich auf der Airtrack-Matte, die die jungen Leute per crowdfunding (Schwarm-Finanzierung) für einige Tausend Euro selbst gekauft haben. Wie man sicher landet, sich vor Verletzungen schützt, wird trainiert und an Neulinge vermittelt – ab 13 Jahren und einmal im Monat auch zwei Stunden für Elfjährige in der „young factory“. „Jeder, der hier ist, will was lernen und anderen was beibringen.“

Zum Beispiel eine Sprossenwand weiter hängt der durchtrainierte Jens Gretenkort (27) „schwebend“ in der Luft. Kraft hält ihn oben. Seit 15 Jahren betreibt er Calisthenics, die Mischung aus Krafttraining, Turnen und Akrobatik. Sein Skater-Freund und Arbeitskollege Thomas Kiesel war fasziniert und fängt auch an, wohl wissend, wie viel Disziplin das verlangt. Gretenkort hat als Trainer ein Auge darauf, dass andere die Übungen richtig machen, zum Beispiel den Liegestütz im Handstand. „Oder den Liegestütz am Boden. Er ist sehr geduldig“, lobt Kiesel. Gretenkort wirbt: „Das kann jeder, der Talent hat, unabhängig von einer Zwei-Klassen-Gesellschaft.“

Herkunft egal, Alter egal. Sport verbindet. Vor der Spiegelwand biegen sich Fleur de Vries (19) und Alina Schneidereit (24) im Rhythmus. Als Tanzduo „Akwaaba“ (was so viel heißt wie „Willkommen“), proben sie synchrone Schritte. Im Jugendzentrum Kalle waren sie im Streetdance- und Breakdance-Kurs. Was sie gelernt haben, geben sie hier in der Move Factory an Jüngere weiter. „Wir stehen dazu, soziale Sachen zu fördern“.

Orte und Gelegenheiten eröffnen

„Es geht darum, Eigeninitiativen zu unterstützen, denn die jungen Leute haben durchaus Ideen. Wir wollen ihnen Orte und Gelegenheiten eröffnen, für wenig Geld oder kostenlos“, erklärte im Jugendhilfeausschuss Frank Rensing vom Jugendzentrum Kalle. In der Jugendbefragung voriges Jahr waren Anregungen konkret benannt worden, die solle man einbeziehen.

Eine neue Schnittstelle zur Verwaltung soll das „jubu“ sein, ein Jugendbüro (siehe Infobox). Schon jetzt hat es die erste Aufgabe, verrät Frank Rensing: „Jugendliche aus Rindern und Umgebung wünschen sich Skate-Möglichkeiten vor Ort in der Düffelt. Sie haben der Bürgermeisterin geschrieben. Wir wollen mal schauen, was möglich ist.“

jubu-kleve.de ist die Schnittstelle

Frank Rensing vom Jugendzentrum Kalle wirbt für eine Koordination zwischen jungen Leuten und Verwaltung, wenn etwas beantragt, auf kurzem Wege genehmigt werden muss. „Wünsche ernst nehmen, Kritik aufnehmen“, so sieht er seine Aufgabe. „Das ist Demokratieförderung im kleinen Rahmen“.

Die Vermittlungsstelle soll „jubu“ heißen, Jugendbüro. Mit Jugendlichen zusammen wird jetzt eine Website aufgebaut. „Die Community ist total wichtig“, sagt Rensing. Die Begegnung von Klever Jugendlichen und Studierenden der Hochschule, „pear to pear. Die beste Werbung für die Stadt.“ jubu-kleve.de

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