Karl-Kisters-Schule

Kleve: Realschüler üben Demokratie bei der Juniorwahl

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Sharmila Rücker und Jahrgangsstufe 8 bei der Juniorwahl an der Karl-Kisters-Realschule in Kleve.

Sharmila Rücker und Jahrgangsstufe 8 bei der Juniorwahl an der Karl-Kisters-Realschule in Kleve.

Foto: Andreas Daams

Kleve.  Bei der Juniorwahl dürfen Schüler die Wahlzettel ausfüllen. An der Klever Karl-Kisters-Realschule machten sie davon reichlich Gebrauch.

Sie dürfen nicht wählen. Zu jung. Unmündig. Dabei macht so eine Wahl durchaus Spaß. Und wichtig ist sie obendrein. „Ich kann gar nicht verstehen, dass manche Erwachsene nicht wählen gehen“, findet der 13-jährige Felix. „Nachher ärgern sie sich dann, dass jemand Bundeskanzler wird, den sie nicht wollten.“ Er selbst sei schon lange politisch, er verfolgt genau, was in Berlin vor sich geht. „Und ich will später auch beruflich etwas mit Politik zu tun haben“, sagt er.

Eine Wahl hat er schon für sich entschieden, er ist der stellvertretende Wahlleiter bei der Juniorwahl in der Klever Karl-Kisters-Realschule. Die achten Klassen haben die Wahl gemeinsam mit ihrer Lehrerin Sharmila Rücker vorbereitet. Sie haben Namenslisten mit allen Schülerinnen und Schülern, haben die Zeiten für jede Klasse bestimmt, teilen die Wahlunterlagen aus und schicken die Mädchen und Jungen zu einer der drei Wahlurnen. Die sind original, denn am Sonntag ist die Karl-Kisters-Realschule ein ganz normales Wahllokal. Auch die Stimmzettel sind original, man findet darauf die hiesigen Bewerber für die Erststimme ebenso wie die zahlreichen Parteien, die sich für den Bundestag bewerben. Nur dass die Stimmzettel farbig unterlegt sind, damit man sie nachher nicht mit denen für die Erwachsenen vertauscht.

Lehrerin lobt das Engagement ihrer Schüler

„Die Jugendlichen sind total engagiert“, freut sich Sharmila Rücker, „sie sind nachmittags länger dageblieben, um alles vorzubereiten, und heute waren sie schon vor halb acht hier.“ Die Vorbereitung in den SoWi-Kursen war ziemlich intensiv – und offenbar sehr erfolgreich, wie Gladys (14) betont: „Das war ein schönes Projekt, schade, dass es nur alle vier Jahre stattfindet.“ Sie freut sich schon auf echte Wahlen. „Wir haben schon gemerkt, welche Parteien einen mehr ansprechen“, ergänzt Sari (14). Denn die Kinder haben sich nicht nur mit Wahlplakaten und Verhältniswahlrecht auseinandergesetzt, sondern auch mit den Parteiprogrammen.

Dazu haben sie Smoothies getrunken. Denn die Firma True Fruits hat auf die Gläser ihrer Smoothies jeweils sieben Auszüge aus den Programmen der sechs größten Parteien aufgedruckt – neben zwei erfundenen. Die muss man nun herausfinden. Auch der Wahlomat kam zum Einsatz. Aber nicht nur die Jahrgangsstufe 8 hat sich mit den Wahlen befasst, auch in den anderen Klassen war das ein Thema. „Grundsätzlich gibt es in jedem Jahr eine Vertiefung des Demokratie-Unterrichts“, sagt Sharmila Rücker. Dass man das Erlernte gleich ganz praktisch umsetzen kann, ist aber natürlich die Ausnahme. „Damit ist es uns möglich, eine sehr hohe Motivation zu erreichen.“

„Fingerzeig“ für die Parteien

Auch wenn die Wahlergebnisse nichts bewirken, weder für die Spitzenkandidaten noch für die Bewerber um einen Platz im Bundestag: Sie könnten doch einigen Aufschluss geben über die Vorlieben und Vorstellungen der Jugend. Denn natürlich zählt man in der Karl-Kisters-Realschule die Stimmzettel aus. Am Montag kann man dann auf der Homepage nachlesen, wie das Ergebnis aussieht. Und das könnte mittelfristig für die Parteien nicht uninteressant sein. Schließlich sind die Jugendlichen von heute die Wähler von morgen. Sharmila Rücker: „Ich könnte mir vorstellen, dass die Ergebnisse der Juniorwahlen ein Fingerzeig für die Parteien sind, wie sie ihre potenziellen Wähler gewinnen können.“

Vorerst lassen Wahlleiter Leonard (13) und sein Stellvertreter Felix ihre Blicke durchs Forum schweifen, ob auch alles mit rechten Dingen zugeht. Dass niemand den ausgefüllten Wahlzettel eines anderen sieht. Dass niemand hinter eine Wahlurne läuft, um einem anderen beim Kreuzchen-Machen zuzusehen. Passiert ist so etwas an diesem Vormittag noch nicht. Die Wahl verläuft bislang reibungslos. Sogar Jugendliche aus Haus Freudenberg und dem Förderzentrum waren schon da, um mitzuwählen. Jede Stimme zählt, betonen die Parteistrategen gern. Auch wenn das hier definitiv nicht stimmt: Für Felix und seine Mitschüler fühlt es sich gut an.

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