Schule

Kleve will Schulen digitalisieren: „Wir haben keine Zeit!“

Die Schulen brauchen Laptops.

Die Schulen brauchen Laptops.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Kleve.  Politiker wollen den Digitalausbau an Schulen gerade in Corona-Zeiten beschleunigen. Zahlt die Stadt jeder einzelnen Schule das Breitbandnetz?

Einig sind sich die Fraktionen: Alle Klever Schulen sollen schnell Geld und Technik bekommen, um die Digitalisierung voran zu treiben. Aber heißt „schnell“ sofort? Was muss jetzt, was nach den Sommerferien geschehen? Am Dienstag saßen Politiker, Verwaltung und alle zwölf Schulleiter zusammen, am Mittwoch sprach der Schulausschuss über die Bedarfe.

Die Kämmerei teilte mit: Hier gilt keine Haushaltssperre. Das Geld ist da. Auch „altes“ Geld aus vorigen Fördertöpfen, zu denen auch alte Beschlüsse vorliegen. Aber Schulverwaltungsamtsleiterin Annette Wier muss mit zwei Fördertöpfen jonglieren, die nicht beide für die gleiche Ware ausgeschöpft werden dürfen und für deren Nutzung die Schulen erst mal Konzepte schreiben müssen (siehe Text unten).

Wer keinen Computer hat, holt seine Schularbeiten übers Handy ein

Die Politiker im Schulausschuss waren mitunter etwas ungehalten, hatten doch alle dasselbe Ziel und die gleiche Eile: Wenn die Schüler in Coronazeiten so wenig Präsenzunterricht erhalten, müssen sie wenigstens von zu Hause aus mit dem Lehrer kommunizieren. Doch so mancher Sozialhilfeempfänger hat keinen Computer, keinen Drucker, sondern holt seine Schularbeiten übers Handy ein. Sie sollen Leihgeräte bekommen.

Die SPD hatte Anträge auf Laptop-Beschaffung gestellt. Petra Tekath, SPD, aber ahnte: „Nicht alles, was wir bestellen, werden wir auch bekommen.“ Computerfirmen werden mit Tausenden Bestellungen überhäuft werden.

Um Aufträge zu erteilen, wird es in Kleve möglicherweise Dringlichkeitsbeschlüsse geben müssen. Denn die nächste Ratssitzung ist erst in vier Wochen. „Wir haben keine Zeit!“ rief Jörg Cosar.

Über Hard- und Software hinaus heißt das Problem außerdem: Breitbandanschluss. Dr. Rose Wecker, Leiterin der Gesamtschule am Forstgarten, dankte, ihre Schule sei sehr gut mit Hardware ausgestattet. Aber es können noch nicht einmal alle Lehrer untereinander digital kommunizieren und für Schüler Aufgaben vorbereiten, ohne dass der Server

zusammenbreche. Wie solle das gehen, wenn alle 1000 Schüler mit einsteigen?

Dr. Fabian Merges (UK) regte an, dass sich Schulen bei Privatfirmen anschließen könnten, wenn diese Glasfaser legen ließen. Denn Kleve-Innenstadt ist im Kreis erst 2022 an der Reihe. Klaus Keysers aus der Kämmerei erklärte: Der Kreis habe der Stadt Kleve auf erneute Nachfrage am 19. Mai mitgeteilt, dass er bei der Deutschen Glasfaser keinen Einfluss auf die Ausbaureihenfolge habe. Keysers: „Wir können nur Einzelanschlüsse für jede Schule auf Kosten der Stadt beauftragen“ – eine „Insellösung“.

Michael Bay, Grüne, schimpfte, dass mit dem Kommunalen Rechenzentrum über Breitbandanschluss seit 20 Jahren, seit dem 24. Januar 2001, verhandelt werde.

Gelobt wurde im Ausschuss außerdem die gelungene Renovierung des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums an Gruft/Römerstraße.

Komplizierter Weg zum Zuschuss

Kleves Schulverwaltungsamtsleiterin Annette Wier muss gut überlegen, welche Anschaffungen sie aus welchem Fördertopf tätigt.

Zuschüsse: Aus dem Programm „Gute Schule 2020“ (seit dem Jahr 2016) kann man Endgeräte wie Laptops kaufen. Im Herbst 2019 legte der Bund den dicken „Digitalpakt“ aus. Der finanziert Infrastruktur inklusive interaktive Boards. Weil die so teuer sind, „möchte ich die Boards lieber aus dem Digitalpakt nehmen“, denn aus diesem Topf dürfen darüber hinaus nur 20.000 Euro je Schule für Hardware ausgegeben werden. Also müssten aus „Gute Schule 2020“ Laptops gekauft werden. Kleves Rest aus dem Zuschusstopf reicht aber nicht für den kompletten Bedarf.

Daniel Rütter: „Hier muss Schnelligkeit vor Gründlichkeiten gehen!“

Für den Antrag „Digitalpakt“ muss jede Schule ein technisch-pädagogisches Einsatzkonzept ausarbeiten. Erst wenn diese aus allen Schulen mit den Medienkonzepten abgeglichen sind, könne der Antrag auf Fördermittel nach dem Digitalpakt gestellt werden.

Wegen der hohen Auftragslage und der auftretenden Corona-Krise konnten die letzten Konzepte erst am 12. Mai vorgelegt werden. Sie müssen nun von der Verwaltung geprüft und mit den Schulen detailliert besprochen werden.

Inwiefern die technisch-pädagogischen Konzepte der Schulen noch aktuell sind und alte Wünsche auch nötige Voraussetzungen fürs Home-Schooling unter Corona-Bedingungen mitbringen oder ob da neue Geräte nötig werden, müssen die Schulen jetzt ermitteln.

Daniel Rütter, FDP, drängte: „Wir können nicht von Schulleitern jetzt noch Konzepte einfordern. Hier muss Schnelligkeit vor Gründlichkeiten gehen!“

WLAN-Ausbau: Kleve hat den WLAN- Ausbau bereits begonnen. Dabei oder in Kürze begonnen werden die Anschlüsse an: der Joseph Beuys Gesamtschule, Ackerstraße (Start 25. Mai), Freiherr-vom-Stein-Gymnasium im 2. Bauabschnitt und Neubau, Willibrordgrundschule Kellen, Gesamtschule am Forstgarten Eichenallee. An folgenden Schulen erfolgt die Verkabelung in Verbindung mit Umbau oder Sanierung: Montessorigrundschule, Johanna-Sebus-Grundschule Rindern (Sommerferien 2020). Verkabelt sind bereits Grundschule An den Linden, Karl-Kisters-Realschule, Joseph-Beuys- Gesamtschule Hoffmannallee Haus 3+5, Gesamtschule am Forstgarten Landwehr, Marienschule, Konrad-Adenauer-Gymnasium, Karl-Leisner-Schule, Freiherr-vom-Stein-Gymnasium 1. Bauabschnitt, St. Michael Grundschule Reichswalde.

Schnelles Internet: Der Kreis Kleve hatte den Förderantrag zum Breitbandausbau für die Kommunen gestellt und die Firma Deutsche Glasfaser mit dem Ausbau beauftragt. Kleve ist 2022 dran.

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