Fußballforschung

Klever Forscher nehmen den Fußball unter die Lupe

Regina Weber und Alexander Brand erforschen die Fankultur in vier europäischen Fußball-Ligen.

Regina Weber und Alexander Brand erforschen die Fankultur in vier europäischen Fußball-Ligen.

Foto: Andreas Daams

Kleve  Alexander Brand und Regina Weber beschäftigen sich mit Fußballfans aus vier Ländern. Ihre Frage: Schweißt der Fußball die Europäer zusammen?

. Fußballfans sind sie alle. Alexander Brand, Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Hochschule Rhein-Waal (HSRW), ist Fan des FC Carl Zeiss Jena, die wissenschaftliche Mitarbeiterin Regina Weber hält mit dem FC St. Pauli. Beides keine Mannschaften, die die große europäische Bühne beherrschen. Gemeinsam mit anderen Politikwissenschaftlern besprach Brand vor der WM 2006 die oft zu hörende Vorstellung, der Fußball sei eine Integrationsmaschine und schweiße die Europäer fester zusammen. Stimmt das? Wenn ja, müsste man eine Veränderung bei Fans jener Clubs bemerken, die auf europäischer Ebene regelmäßig gegeneinander antreten. Forschungen dazu gab es außerhalb Großbritanniens bislang nicht. Also dachten sich die beiden Wissenschaftler: „Müssen wir sie halt selber machen.“

Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung

Das war der Startschuss für ein Forschungsprojekt, das seit einem Jahr an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und an der HSRW vorangetrieben wird. Finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit einem sechsstelligen Betrag. Eine große Sache also – und ungewöhnlich obendrein. „Fachhochschulen arbeiten eher anwendungsbezogen“, sagt Alexander Brand. „Da ist sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung die Ausnahme.“ Und um Grundlagenforschung geht es hier – am Ende steht kein Patent, sondern eine Erkenntnis.

Vier erste Ligen schauen sich die Forscher genauer an – Deutschland, Österreich, England und Frankreich. Ligen, in denen wie in England sehr viele europäische Spieler dabei sind, und solche, wo dies nicht der Fall ist – wie Österreich. Entsprechend gibt es in Österreich weniger Clubs, die in der Champions League mitmischen, als in England. „Im ersten Schritt haben wir die Diskussionen in den Fan-Foren der Clubs verfolgt“, erklärt Regina Weber. Wie schreibt man dort über europäische Transfers, über Auswärtsspiele im EU-Ausland? Nimmt man eher andere europäische Vereine zum Maßstab oder solche aus der eigenen nationalen Liga? Gibt es nationale Stereotypen, die Fans ausländischen Spielern zuschreiben?

Fans können an der Studie teilnehmen

„Unsere Arbeitshypothese ist, dass es für Fans etwa von Manchester United inzwischen völlig normal ist, dass Spieler aus dem Ausland kommen“, sagt Regina Weber. Im zweiten Schritt verbreiten die Wissenschaftler Fragebögen in der Fanszene der jeweiligen Länder – über Vereine, Verbände, Fanbeauftragte und Social Media. Auf www.eufoot.de kann bis Ende Juni jeder daran teilnehmen, der sich als Fan eines Erstligaclubs der genannten Ligen versteht. „Im Herbst werden wir erste Zwischenergebnisse präsentieren“, verspricht Brand. Danach wird es in der dritten Stufe Interviews in Fokusgruppen geben. „Da können wir gezielt nachfragen und herausfinden, wieviel an unseren Ergebnissen Interpretation und wieviel echte Einstellung der Fans ist.“

Welche Clubs will man einbeziehen?

Drei Jahre also dauert das Projekt. Schon die Dauer ist auch ein Problem – denn welche Clubs will man einbeziehen? „Wir hatten ursprünglich einen englischen Club einbeziehen wollen, der mittlerweile in die dritte Liga abgestiegen ist“, sagt Weber. Dass umgekehrt Jena oder St. Pauli so schnell auf Europaebene mitspielen, ist eher nicht anzunehmen. Insofern können die beiden Fußballfans ganz emotionslos an ihre wissenschaftliche Untersuchung herangehen.

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