NRZ-Klimaserie

Klever Gärtner spüren, wie sich die Zeiten ändern

Jürgen Ramisch zeigt eine Artischocke, die im Gemeinschaftsgarten an der Herzogbrücke wächst. „Ein Erste-Klasse-Hotel für Insekten“, sagt der Vorsitzende des Vereins Essbares Kleverland.

Jürgen Ramisch zeigt eine Artischocke, die im Gemeinschaftsgarten an der Herzogbrücke wächst. „Ein Erste-Klasse-Hotel für Insekten“, sagt der Vorsitzende des Vereins Essbares Kleverland.

Foto: Niklas Preuten

Kleve/Bedburg-Hau.  Jürgen Ramisch vom Verein Essbares Kleverland freut sich, dass die Lobby für den Umweltschutz wächst, und sieht doch noch viel Arbeit.

Wenn Jürgen Ramisch an die Anfänge des Vereins zurückdenkt, der damals im Gründungsjahr 2014 noch Essbare Stadt Kleve hieß, dann hat er den gesellschaftlichen Wandel deutlich vor Augen. Mancher Antrag, der auf mehr Umweltschutz abzielte, wurde eher belächelt. Und ein gemeinsamer Jugendtag mit dem Naturschutzbund musste mangels Resonanz drei Tage vorher abgesagt werden. Heute ist die „Friday for Future“-Bewegung unüberhörbar, der Verein Gemeinschaftsgärten Essbares Kleverland etabliert und die jüngsten Nabu-Jugendtage restlos ausgebucht.

Der Vorsitzende sieht mit Freude, dass das Thema Klimaschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Ist auch ein wenig Genugtuung dabei? „Ich mag es an mir nicht, wenn ich rechthaberisch bin“, sagt Ramisch. „Ich freue mich über jeden, der auf den Zug aufspringt.“ Und dann zitiert der 62-Jährige den französischen Schriftsteller Victor Hugo: „Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Jürgen Ramisch und seine Mitstreiter haben das Urban Gardening nach Kleve gebracht und gärtnern seit 2015 zudem im größeren Stil auf einem rund 1000 Quadratmeter großen Wiesengelände am Dechantshof in Bedburg-Hau. Dort folgen sie dem nachhaltigen Konzept der Permakultur und lassen die Pflanzen auf fruchtbarer, selbst hergestellter Schwarzerde wachsen und gehen sorgsam mit den (regionalen) Ressourcen um.

Der Gemeinschaftsgarten an der Herzogbrücke in Kleve ist das gut sichtbare Aushängeschild des Vereins. „Die Fläche soll ein Beispiel geben. Wir versuchen hier, Pflanzen und Insekten ihren angestammten Platz mitten in der Stadt zurückzugeben“, sagt Ramisch. Es sei mittlerweile leichter geworden, die Menschen dafür zu motivieren, auch wenn der Kreis der wohlwollenden Unterstützer immer noch deutlich größer ist als der harte Kern der Aktiven.

Doch für die 15 bis 20 Frauen und Männer geht heute manche Tür etwas leichter auf als noch in der Vergangenheit. Demnächst soll der Verein beispielsweise von den Stadtwerken einen Wasseranschluss im Gemeinschaftsgarten erhalten. Damit wird das Bewässern des Gartens – und der durstigen städtischen Bäume darin – komfortabler. Derzeit muss das Wasser noch über einige Meter von einem Hydranten über ein Rohr ins Grün transportiert werden. Der wilde Garten selbst, in dem sich die Vereinsmitglieder unter anderem über die Ernte von Tomaten, Bohnen und Himbeeren freuen, soll künftig mit kleinen Wegen und Beeten etwas mehr Struktur erhalten.

Die breite Masse mitnehmen

Bei aller Zufriedenheit über die Erfolge, die der Umweltschutz in jüngster Zeit errungen hat: Jürgen Ramisch ist Realist genug, um zu erkennen, wie groß die Herausforderungen bleiben: „Wir müssen die breite Masse der Bevölkerung mitnehmen. Sonst wird der Einsatz für unser Klima nicht gelingen.“

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