Kinder

Klever Kindernetzwerk hilft mit Bettchen oder Zoobesuch

Sie engagieren sich fürs Klever Kinder Netzwerk: Thomas Braitschink (Stellv. Vorsitzender, links) und Stefan Schuster (Vorsitzender).

Sie engagieren sich fürs Klever Kinder Netzwerk: Thomas Braitschink (Stellv. Vorsitzender, links) und Stefan Schuster (Vorsitzender).

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve.   „Wir als Netzwerk wollen das Zahnrad sein, damit es in Kleve und Umgebung runder läuft.“ Projekt „Zeitschenker“ schafft Beziehungen.

„Wir als Netzwerk wollen das Zahnrad sein, damit es in Kleve und Umgebung runder läuft“, sagt Thomas Braitschink, stellvertretender Vorsitzender des Klever Kindernetzwerkes. Es ist eine inzwischen schon große Gruppe von 220 Mitgliedern, die sich in sieben Arbeitskreisen die Aufgaben teilen.

Es geht es einigen Familien in Kleve jetzt besser

Offiziell ist es nun vom Rat als „Träger der freien Jugendhilfe“ anerkannt und hat somit Option auf Fördertöpfe. Voraussetzung war, dass „fachliche und personelle Voraussetzungen erwarten lassen, dass sie einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erfüllung der Aufgaben der Jugendhilfe zu leisten imstande sind“. Sind sie. „Auf jeden Fall geht es einigen Familien in Kleve besser, seit es das Kindernetzwerk gibt. Materiell und soziokulturell“, sieht Vorsitzender Dr. Stefan Schuster.

Das Kindernetzwerk definiert Kinderarmut über den SGB-II-Bezug. Demnach liegt sie in Kleve im Bundesdurchschnitt bei 12 Prozent, also sei jedes achte Kind betroffen.

Schulkinder freuten sich mächtig über Fahrräder

Es wurden Kinderbettchen, Hochstuhl und Schultaschen verschenkt oder für einen symbolischen Eigenanteil an Bedürftige verkauft. Eine Familie bekam ein Sofa. Schulkinder freuten sich mächtig über Fahrräder. Schulsozialarbeiter und Lehrer geben dem Netzwerk schon mal Tipps, was fehlt. Eine Schulmaterialbörse läuft. Denn der Datenschutz hat das Helfen nicht leichter gemacht.

Auch die „Tafel“, bei der sich Familien wöchentlich von Supermärkten gespendete Lebensmittel oder Babywindeln abholen, ist eine gute Adresse, um zu erfahren, welche Leute kleine Kinder haben und vielleicht ein Bettchen brauchen.

Wem geholfen wurde, der gibt oft die Hilfe wieder weiter

Wo größere Einzelfallhilfen nötig sind, helfen die Netzwerker, Anträge zu stellen. „Unser Sozialsystem ist sehr differenziert, wir sehen erst mal, wo man was beantragen kann.“ Aber es gibt immer Fälle, die durchs offizielle Raster von Jugendamt und Caritas fallen, etwa, als ein Kind seine Mutter im Krankenhaus besuchen wollte – da zahlte das Netzwerk ein Taxi.

„Oft engagieren sich Menschen, denen wir geholfen haben, dann später aktiv für andere im Kindernetzwerk,“ Arbeitslose investieren Zeit, Berufstätige bringen die zwölf Euro Jahresbeitrag auf.

Damit Kinder von einem schönen Tag erzählen können

Ein sehr emotionaler Schwerpunkt im Netzwerk ist das Projekt „Zeitschenker“. Erwachsene, in der Regel Ältere, kümmern sich aktiv um die Teilhabe von Kindern am gesellschaftlichen Leben, „damit die Kinder nach den Sommerferien auch von einem schönen Tag erzählen können“. Sie gehen gemeinsam ins Kino oder auf den Spielplatz, zum Zirkus, zum Zoo, basteln ein Fotoalbum als Weihnachtsgeschenk für die Eltern.

Bei Kindern mit Migrationshintergrund (momentan 17 Prozent Flüchtlinge unter den Netzwerk-Adressaten) muss in den Familien oft erst langsam ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, bevor die Kids mit den Netzwerkern mitgehen dürfen.

Welcher Deckel auf welchen Topf passt

Für alle Mentoren aus dem Zeitschenker-Projekt ist ein polizeiliches Führungszeugnis absolute Voraussetzung. Zwei Frauen aus dem Arbeitskreis des Netzwerkes führen sehr zeitintensiv Vorgespräche „und schätzen ein, welcher Deckel auf welchen Topf passt“, schildert Braitschink. „Regelmäßigkeit bei den Unternehmungen ist nötig, damit eine Beziehung entsteht“, egal, ob zwei Stunden pro Woche oder vier Stunden im Monat.

Kinder werden viel selbstständiger und offener

„Die Kinder profitieren“, beobachtet Stefan Schuster. „Sie werden viel selbstständiger, offener, entwickeln Selbstvertrauen. Ich halte das Projekt für ganz, ganz wichtig.“

Der Familienvater Thomas Braitschink sieht seine Vereinsarbeit durchaus als familienfreundlich an. Seine eigenen Kinder haben verstanden, warum sich kurz vor Weihnachten bei ihnen zu Hause 200 Pakete toller Geschenke stapeln, die nicht für sie bestimmt sind: Gaben aus der Wunschbaum-Aktion an bedürftige Familien. Die Netzwerker verteilen sie gern und sehen die unbändige Freude.

Mitmachen als Zeitschenker

Das Klever Kindernetzwerk wurde 2011 gegründet nach Vorbild des Vereins „Klartext für Kinder“ Moers. Für das Zeitschenker-Projekt gab das Bundesprogramm „Balu und du“ (Köln / Uni Osnabrück) die Anregung.

Das Klever Kindernetzwerk bietet in Einzelfällen – je nach Menpower – auch in Bedburg-Hau, Kranenburg, Goch, Kalkar Unterstützung an.

Wer mitmachen möchte im Klever Kindernetzwerk, erreicht es unter: Tel. 02821 – 979608, kleverkindernetzwerk.de.

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