Bildung

Klever Stein-Gymnasium wird 200 Jahre

Das Königliche Gymnasium, Neubau von 1902. Postkarte Verlag Chr. Wessely Wwe. Kleve (vor 1905).

Foto: Verlag Chr. Wessely Wwe.

Das Königliche Gymnasium, Neubau von 1902. Postkarte Verlag Chr. Wessely Wwe. Kleve (vor 1905). Foto: Verlag Chr. Wessely Wwe.

Kleve.   Das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium verankerte neben Cäsar und Algebra auch die Ideen und Ideologien der jeweiligen Zeit in den Schülerköpfen

Wenn eine Schule Jubiläum feiert, ruft das ganz verschiedene Gefühle hervor. Bei denen, die die Schule nur vom Vorbeifahren kennen, vielleicht eine kurze Neugier. Bei denen, die dort Schüler waren, Erinnerungen an Träume, Triumphe, Ängste, Niederlagen, Langeweile, erste Liebe oder verlorene Liebesmüh. Und bei Lehrern? Wer weiß.

Das Klever Freiherr-vom-Stein-Gymnasium feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Wie das Schulleben in den Anfängen ausgesehen hat, kann man kann niemanden mehr fragen. Schriftliche Erinnerungen sind kaum überliefert. Man kennt berühmte Stein-Schüler wie Gustav Hoffmann, Karl Leisner, Joseph Beuys oder Jürgen W. Möllemann. Andere wie Wilhelm Josef Sinsteden oder Christoph Wilhelm Heinrich Sethe haben zwar Beträchtliches geleistet, sind aber nur noch Spezialisten bekannt. 1803 hatte das Reformierte Gymnasium seine Pforten geschlossen, 14 Jahre gab es in Kleve dann überhaupt keine höhere Lehranstalt. Man brauchte aber eine solche Schule, allein schon damit die preußischen Beamten ihre Söhne auf ein Studium vorbereiten lassen konnten. Aber was verbindet eigentlich den protestantischen Beamtensohn des frühen 19. Jahrhunderts mit dem Smartphone-bewaffneten Mädchen aus einer Patchwork-Familie des Jahres 2017?

Nicht das Gebäude – das heutige Stein-Gymnasium befindet sich erst seit 1902 an der Ecke Ringstraße/Römerstraße, vorher war es in der Nähe der heutigen VHS zu finden. Auch nicht der Name. Es hieß anfangs Königliches Gymnasium, dann, unterbrochen von der Bezeichnung „Hindenburgschule“ im Dritten Reich, Staatliches Gymnasium. Erst seit 1975 trägt es den Namen des preußischen Reformministers. Was könnte noch verbindend sein? Lerninhalte? Nun ja, dass mal Niederländisch statt Griechisch Schulfach sein könnte, hätte beim Lehrkörper bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Befremden ausgelöst. Und die Lehrpläne der 30er Jahre möchte ja nun auch niemand wieder auskramen.

Schule und Gesellschaft

Vielleicht ist das Verbindende ja zugleich das Trennende: Teil einer kontinuierlichen Veränderung zu sein. Klaus Riße, Schulleiter von 1980 bis 2000, beschreibt im NRZ-Gespräch sehr schön das Spannungsverhältnis von Schule und Gesellschaft, das immerwährende Agieren und Reagieren. Aus schulischen Kontakten in die Niederlande erwuchsen persönliche Freundschaften. Städtepartnerschaften zu Worcester und Fitchburg galt es mit Leben zu füllen, und Leben, das hieß vor allem: Austauschprogramme für Schüler. „Schule hat einen Auftrag, der über den Unterricht hinausgeht“, erklärt Riße seine Vorstellungen. Daher war es für ihn klar, dass die Schule bei den vielen Vereinsgründungen der 80er Jahre unbedingt mit dabei sein musste. Ob bei der damaligen Klever Sternwarte oder – bis heute – bei den Klever Museen: überall profitieren schließlich Jugendliche und Bürger gleichermaßen.

Großer Zusammenhalt

Aber Riße sieht auch: „Die Schule kann heute nicht mehr so geführt werden, wie ich sie geführt habe.“ Dazu habe sich in den letzten 17 Jahren schon wieder zu viel verändert. Ihn hat gefreut, wie stark sein Kollegium die gemeinsame Verantwortung getragen hat. Wie sie bei Todesfällen von Schülern und Lehrern zusammengerückt sind. Wie Theatergruppen entstanden und Musikabende stattfanden. Und wie noch heute ehemalige Schüler ihn auf ihre Schulzeit ansprechen, die sie offenbar in guter Erinnerung haben.

Bei allen gesellschaftlichen Anliegen durfte natürlich die Leistung nicht zurückstehen: „Jeder Stein-Schüler sollte sein Abiturzeugnis mit Stolz vorzeigen können“, sagt Riße. Vielleicht (und hoffentlich) ist auch dieser Anspruch ein verbindendes Element, das all die bisherigen 22 Schulleiter dieser Institution unterschreiben könnten. Wie viele noch folgen werden, liegt in den Händen bisweilen erratischer Landes- und Kommunalpolitiker. Denn auch dies ist Schule immer gewesen: ein Politikum.

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