Gläubige

Knappe Kleider, laut und trinkfest - 300 Tinker in Kevelaer

Ihre mitunter teuren Wohn- und Sportwagen haben die Iren unerlaubt und ohne Vorankündigung auf einem Busparkplatz abgestellt - "das dulden wir aber, wir gehen da deeskalierend vor", sagt Ludger Holla vom Kevelaerer Ordnungsamt.

Foto: Björn Lohmann

Ihre mitunter teuren Wohn- und Sportwagen haben die Iren unerlaubt und ohne Vorankündigung auf einem Busparkplatz abgestellt - "das dulden wir aber, wir gehen da deeskalierend vor", sagt Ludger Holla vom Kevelaerer Ordnungsamt. Foto: Björn Lohmann

Kevelaer.  Eine Gruppe irischer Landfahrer feiert im Wallfahrtsort Kevelaer Mariä Himmelfahrt und hält die Stadt auf Trab. Die trinkfesten und lautstarken Iren kampieren seit Dienstag mit 70 Wohnwagen am Niederrhein. Anwohner sind besorgt - die Gäste fielen vergangenes Wochenende in Bonn negativ auf.

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Eine Gruppe irischer Wanderarbeiter hält die Marienstadt Kevelaer auf Trab. Rund 300 irische Landarbeiter sind mit ihren 70 Wohnwagen von der Grünen Insel an den Niederrhein gekommen. Hier feiern die Katholiken noch bis Freitag Mariä Himmelfahrt. Die nicht-sesshafte irische Minderheit ist in Großfamilien unterwegs und bekannt für ihren schrillen Kleidungsstil, ihre Trinkfestigkeit - und dafür, dass es bei ihnen laut zugehen kann. Am vergangenen Wochenende war die Gruppe in Bonn unter anderem wegen Ruhestörung und zu schnellen Fahrens aufgefallen.

Einige Bürger aus dem Ort hatten deshalb im Vorfeld Bedenken beim Ordnungsamt geäußert. In einer Kevelaerer Facebook-Gruppe machten vereinzelt Gerüchte über Wildpinkler und versuchte Ladendiebstähle durch die irischen Pilger die Runde. Vorurteile werden den "Pavee", wie sie sich selbst nennen, immer wieder entgegengebracht, "Tinker" werden sie genannt - so möchten sie aber nicht betitelt werden.

Die Polizei hatte daraufhin ihre Präsenz vorsorglich erhöht: "Bei so einer großen Gruppe werfen wir da schon ein Auge drauf", sagt Manfred Jakobi von der Kreispolizeibehörde Kleve. Seit die irischen Pilger am Dienstag ihr Wohnwagenlager am Niederrhein aufgeschlagen haben, gab es jedoch nur einen Zwischenfall - die Iren riefen dabei selbst die Polizei: Bei einer Auseinandersetzung mit zwei deutschen Gruppen flogen Steine und Flaschen - ein 33-Jähriger aus Geldern wurde leicht verletzt. "Ansonsten verhalten sich die irischen Landfahrer normal, bisher verlief alles problemlos", fasst Jakobi zusammen.

Iren verhalten sich auffällig unauffällig

Das bestätigt Ludger Holla vom Ordnungsamt des Wallfahrtsortes: "Die Iren verhalten sich auffällig unauffällig." Außer der farbenfrohen, knappen Kleidung der Frauen und etwas mehr Lautstärke in den Gaststätten verhielten sich die Besucher aus Irland wie alle anderen Pilger.

In Kevelaer ist man zudem an Wallfahrer aus aller Welt gewöhnt. Vergangenes Wochenende feierten hier rund 8000 Tamilen ein Glaubensfest, im Juli knatterten mehr als 1000 Zweiradfahrer bei der Motorradfahrer-Wallfahrt durch den Ort.

Teure Wohn- und Sportwagen parkten unerlaubt auf Bus-Stellplatz

Ein kleines Ärgernis gab es trotzdem: Ihre mitunter teuren Wohn- und Sportwagen haben die Iren unerlaubt und ohne Vorankündigung auf einem Busparkplatz abgestellt - "das dulden wir aber, wir gehen da deeskalierend vor", sagt Holla.

Einige Iren haben am Donnerstagmorgen am Hochamt teilgenommen, berichtet Wallfahrtssekretär Rainer Killich: "Sie waren dabei optisch nicht von anderen Pilgern zu unterscheiden und sind während des Gottesdienstes nicht aufgefallen." In der Innenstadt rund um den Kapellenplatz seien sie präsent, würden andere Gläubige aber nicht stören.

Angeblich werden die Gäste aus Irland am Freitag die Stadt wieder verlassen. Die Bedenken einiger Kevelaerer erwiesen sich bisher als unbegründet.

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