Neubaugebiet

Knickrehm: „Für Goch ist Neu-See-Land eine große Chance“

Der Blick aus der Luft zeigt, dass in Neu-See-Land die ersten Häuser bereits stehen.

Der Blick aus der Luft zeigt, dass in Neu-See-Land die ersten Häuser bereits stehen.

Foto: Stadt Goch

Goch.   Bürgermeister Ulrich Knickrehm spricht im Interview über die Philosophie von Neu-See-Land. Das riesige Neubaugebiet verändert die Stadt.

Neu-See-Land wächst: Gochs Bürgermeister Ulrich Knickrehm sagt im Interview, was der neue Stadtteil für Goch bedeutet und warum Wasser die beste Werbung ist.

Die roten Bereiche, die auf dem großen Schild am Anfang der neuen Seeallee die verkauften Grundstücke anzeigen, mehren sich. Wie ist der aktuelle Stand in Neu-See-Land, Herr Knickrehm?

Ulrich Knickrehm: Bislang sind 39 Grundstücke verkauft und 25 weitere reserviert. Wir sind mit dem Fortschritt beim Verkauf der Baugrundstücke ganz zufrieden. Es konnte niemand erwarten, dass diese rasend schnell vergriffen sein werden. Die Grundstücke liegen in einer exklusiveren Wohnlage und haben einen höheren Preis. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass unser erster und zweiter Bauabschnitt bald ausverkauft sein wird.

Lassen sich die Grundstücke einfacher verkaufen, seitdem der See befüllt ist?

Knickrehm: Ja, ganz eindeutig. In den ersten eineinhalb Jahren war es schwierig, die Grundstücke zu vermarkten. Solange der See nur ein Erdloch war, haben wir eine Vorstellung verkauft. Die Menschen konnten sich auf dem weitläufigen Gelände verloren vorkommen. Jetzt ist das anders. Sie wissen, wie sie von ihrem Grundstück auf den See gucken. Die Fertigstellung des Sees war eine Initialzündung. Diesen Schwung nehmen wir jetzt in die frühzeitige Eröffnung des dritten Bauabschnitts mit.

Wann wird Baurecht geschaffen?

Knickrehm: Ungefähr in einem halben Jahr wird der dritte Bauabschnitt in die Vermarktung gehen können. Dort ist auf häufigen Wunsch von Interessenten neben weiterer Einfamilienhaus- auch Reihenhausbebauung vorgesehen.

Diese Grundstücke dürften auch wegen der Lage und ihres Zuschnitts günstiger werden. Welche Zielgruppe nehmen Sie dort in den Blick?

Knickrehm: Wir zielen ab auf jüngere Familien mit Kindern, die sich ein relativ preiswertes Eigenheim in immer noch bevorzugter Lage leisten wollen. Ohnehin schreit aus meiner Sicht das gesamte Gelände danach, von jungen Familien aus größeren Räumen wie beispielsweise dem westlichen Ruhrgebiet bewohnt zu werden: Der See hat Freizeitcharakter, und die Schule und der Kindergarten sind gleich in der Nähe.

Apropos Freizeit am See: Wie können die Anwohner und alle Gocher den See künftig nutzen?

Knickrehm: Man kann sich gut vorstellen, dass die Menschen im Sommer auf den Stufenanlagen sitzen und ihre Füße ins Wasser halten werden. Dieser Ort hat eine Aufenthaltsqualität.

Warum werden dann aber ein Sprung ins kühle Nass oder etwa eine entspannte Tretbootfahrt nicht erlaubt sein?

Knickrehm: Der See ist ja kein Badesee. Dafür ist er auch nicht groß genug. Zum Baden haben wir „GochNess“ und zum Paddeln die Niers.

Hat Neu-See-Land Goch schon verändert?

Knickrehm: Dieser Stadtteil hat von Anfang an ganz viel mit der Stadt gemacht. Die Entscheidung, dieses Gelände aufzukaufen, ging einher mit dem Gedanken, die Bürger der Stadt möglichst umfassend einzubeziehen. Die Erfahrungen und Wünsche aus diesem Werkstattverfahren sind in die Planungen eingeflossen, die den ersten drei Bauabschnitten zugrunde liegen.

Neu-See-Land soll also mehr sein als ein paar Häuser, die ums Wasser gruppiert sind. Welche Philosophie steckt hinter dem Großprojekt?

Knickrehm: Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und Geschosswohnungen – alles richtet sich zum Wasser aus. Wir wollen möglichst autofreie Bereiche schaffen, deren Plätze sich ebenfalls zum See öffnen. Sie sollen zugleich Geborgenheit vermitteln und Versammlungsorte sein. Dahinter steckt eine mediterrane Idee. Was sich davon später verwirklichen lässt, ist aber natürlich auch eine Kostenfrage.

Was bedeutet der neue Teil für die Stadt?

Knickrehm: Für Goch ist Neu-See-Land eine große Chance, weil wir es schaffen können zu wachsen. Eine wachsende Stadt hat ein positives Image. Wir können neue Einwohner gewinnen. Menschen, die hier am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und sich einbringen. Die Philosophie von Neu-See-Land ist ja auch auf Nachbarschaft und ein Miteinander angelegt. Neben dem gesellschaftlichen Input haben wir aber auch einen Gewinn an Kaufkraft.

Wo sollen die neuen Gocher ihr Geld ausgeben?

Knickrehm: Die Innenstadt ist nicht weit, der Stadtkern soll das Hauptversorgungszentrum bleiben. Gleichwohl wollen wir versuchen, im Bereich des Kindergartens Nierspiraten auf der anderen Seite des zukünftigen Ringschlusses ein Nahversorgungszentrum zu schaffen. Nördlich des Kindergartens sollen sich zudem kleinere Geschäfte ansiedeln. Zunächst muss jedoch Baurecht geschaffen werden und der Straßenbau erfolgen. Da reden wir über einen Zeitraum bis 2019 oder 2020.

Welche Bauarbeiten stehen in den nächsten Wochen und Monaten an?

Knickrehm: Die Erschließungsstraße wird bis in den dritten Bauabschnitt fortgesetzt. Wir werden darüber hinaus in absehbarer Zeit beginnen, den Kreisverkehr an der Pfalzdorfer Straße auszubauen und den Verbindungsweg vom Ostring in Richtung künftiger Bahnunterführung anzulegen. Ich denke, dass wir diese Maßnahmen höchstwahrscheinlich bis zum Jahr 2019 fertiggestellt haben. Bereits im nächsten Jahr wird der Spielplatz hinter dem Überlauf gebaut.

Diskussionen gab es anfangs um den Namen. Hat sich Neu-See-Land aus Ihrer Sicht in der Bevölkerung schon verfestigt?

Knickrehm: Wir haben einen Namen gesucht, unter dem wir unseren neuen Stadtteil vermarkten konnten – ein Markenzeichen. Denn dies wäre mit „Gebiet der ehemaligen Reichswaldkaserne“ schwierig geworden. Ich denke zwar nicht, dass alle Bewohner irgendwann sagen werden: Ich wohne in Neu-See-Land. Aber der Name hat sich schon etabliert. Und das finde ich auch nicht schlecht, weil es eine schöne Bezeichnung ist.

Wie stehen die Gocher nach Ihrem Empfinden zum Neubaugebiet?

Knickrehm: Die Gocher finden es toll. Viele Leute fahren mit dem Fahrrad um den See, gehen dort spazieren und schauen, wie es weiter geht. Vor allem die Anlage des Sees hat sehr dazu beigetragen, dass sich die Gocher mit diesem neuen Teil der Stadt identifizieren.

Was bedeutet es für Sie persönlich, ein solches Projekt federführend zu begleiten?

Knickrehm: Ich will mir keinen Schuh anziehen, der mir nicht passt und der mir nicht zusteht. An diesem Projekt arbeiten seit einigen Jahren ganz viele Leute. Ich möchte da eher meine Mitarbeiter in der Verwaltungsspitze loben, weil sich alle für dieses Projekt mitverantwortlich fühlen. Von Wolfgang Jansen, der den direktesten Kontakt dazu hat, über unsere Kämmerin Bettina Gansen bis zum Stadtwerke-Chef Carlo Marks. Ich bin seit zwei Jahren Bürgermeister, darf diesen Prozess begleiten und trage meinen bescheidenen Beitrag dazu bei.

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