Musik

Konzert mit Vollendeten Fragmente

Das Collegium Musicum und die Städtische Singgemeinde mit Dirigent Stefan Burs traten in der Christus-König-Kirche auf.

Das Collegium Musicum und die Städtische Singgemeinde mit Dirigent Stefan Burs traten in der Christus-König-Kirche auf.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Die Städtische Singgemeinde und das Collegium Musicum Kleve führten Mozarts Große Messe in c-moll in der Klever Christus-König Kirche auf.

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Man muss sagen: Die Christus-König-Kirche hat sich seit vielen Jahren als alternativer Konzertsaal neben der Klever Stadthalle etabliert. Aber das ist nicht ihr Daseinszweck, daher werden sich das Collegium Musicum und die Städtische Singgemeinde in nicht allzu ferner Zukunft vermutlich ein anderes Zuhause suchen müssen, sofern die Kirche tatsächlich zur neuen Heimat für verschiedene katholische Organisationen werden sollte.

Am Samstagabend jedenfalls konnte man die beiden heimischen Formationen noch einmal in der Christus-König-Kirche erleben. Das Collegium Musicum, ergänzt durch Bläser und hinzugerufene Streicher, spielte zu Beginn eine Kirchensonate von Wolfgang Amadeus Mozart, ein unaufdringliches Stück Wohlklang. Und ein typischer Zeitfüller, ist doch Mozarts sogenannte Große Messe in c-moll, das Hauptwerk des Abends, nicht gerade das, was man abendfüllend nennt. Vor allem deshalb, weil Mozart das Stück als Fragment hinterlassen hat. So wie sein anderes großes Kirchenmusik-Werk, das Requiem.

Pochend und ziellos irrt die Melodie durch die Tonarten

Dabei ist der Anfang der Messe wirklich durchschlagend. Pochend und ziellos irrt die Melodie in den Violinen durch die Tonarten, bis der Chor in starkem c-moll das Kyrie singt, den Ruf um Gottes Erbarmen. Ein einziger stehender Akkord, durch den die vier Stimmen sich bewegen. Grundstimmung: getragene Verzweiflung. Genial. Überhaupt vereinigt Mozart in diesem Satz so allerlei. Da gibt es die ariose Melodik im Solo-Sopran, ganz formvollendet, und dann kontrapunktisch ausgefeilte Chorteile. Die Städtische Singgemeinde erwies sich hier als sehr sensibler Chor, der den feinen Nuancen des Notentextes Rechnung trug.

Etwas anders sah es dann beim Gloria aus. Mozart zerlegt es, wie so viele andere Komponisten auch, in seine Einzelteile. Jeder Teil bekommt seine Musik, wodurch das große Ganze auf der Strecke bleibt. Hier hatte der Chor mitunter leichte Intonationsprobleme. Aber natürlich gibt es auch im Gloria Großartiges – etwa ein spannungsvolles Sopran-Duett, bei dem die Solistinnen Laura Lietzmann und Andrea Graff die große Ausdruckskraft ihrer Stimmen unter Beweis stellen konnten. Oder die Dissonanz-Reihen, die Mozart im „Qui tollis“ aufbaut, wenn von den Sünden der Welt die Rede ist.

Im weiteren Verlauf hat Mozart noch für einige große Chorpartien gesorgt, die Dirigent Stefan Burs mit seiner Singgemeinde sorgsam auslotete. Dann geht es schnell zu Ende – halbes Credo, ein kräftiges Sanctus und ein fast opernhaftes Benedictus als Solistenquartett, wo auch die beiden Männerstimmen von Niklaus Loosli und Joel Urch zum Tragen kamen. Nach einer guten Stunde war das Konzert zu Ende. Das Publikum in der recht ordentlich besuchten Kirche war begeistert und gab stehende Ovationen. Danach ging es hinaus in einen milden Frühlingsabend.

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