A Capella Festival

Konzert schlagkräftig und feinsinnig

Das GlasBlasSing Quintett: Plastikflaschen klingen, wenn man hinein pustet oder auf Arbeitshelmen Percussion spielt.

Foto: Diana Roos

Das GlasBlasSing Quintett: Plastikflaschen klingen, wenn man hinein pustet oder auf Arbeitshelmen Percussion spielt. Foto: Diana Roos

Till-Moyland.   Hohles Plastik mit vollem Sound. Zwei Männer-Quintetts beim A-Capella-Festival in Till-Moyland: GlasBlasSing und Basta.

Tief-dumpfen vollen Paukenton nimmt das Mikrofon vom kopfstehenden Wasserspender ab, flötengleiches Pfeilen dringt aus den Flaschenhälsen. Wie auf helle Drums klopfen leere Plastikflaschen auf die malträtierten Köpfe zweier Musiker, die zumindest anfangs einen Bauarbeiter-Helm tragen – später auch das schon nicht mehr.

Sympathieträger sind sie allesamt

„GlasBlasSing“ nennt sich die Berliner Gruppe, die ein aufgeräumtes Publikum im Kutschenrondell von Schloss Moyland zum überraschten Lachen, Schmunzeln und Genießen brachte. Obendrein hatten diese Männer Stimme, sangen von Heckscheiben-Bekenntnissen oder Elvis’ Las Vegas und bewiesen sich mit jedem Schlag als feinsinnige Musiker. Hohles Plastik mit Tiefgang.

Gleich zwei Männer-Quintetts holten Hunderte Zuschauer zum A-Capella-Festival nach Till-Moyland. Zwei Highlights, von denen man nicht sagen kann, welches das größere war. Sympathieträger allesamt.

Das Alleinstellungsmerkmal der „GlasBlasSinger“ hatten sie zur Perfektion getrieben, sogar mit Flaschengitarre, stimmbar über den Drehverschluss und ergänzt mit Kronkorken-Kastagnetten an Fingerspitzen, mit Daumen, die flink den 70er Jahre-Song „Popcorn“ ploppten, mit klackernden Kästen. „Mission impossible“: possible.

Bevor sie zusammen mit den Kölner A-Capella-Sängern von Basta ihre gemeinsame Weltpremiere ablieferten – „Es muss nicht alles kompliziert sein“ – , hatte „Basta“ eine Stunde lang die Bühne und sein Publikum. Tolle Stimmen, tolle Menschen, die zueinander passen – auch in neuer Besetzung. Traditionell bringen sie eigene satirische Lieder stets mit Pointe, den damen-begeisternden Solopart „Ich Bass“, den Büro-Shanty oder in afrikanischem Rhythmus „Legalize A capella“.

Tabus gibt es für sie kaum, Satire erlaubt kleine Grenzübertritte. „Ich hab’ ADHS“ ist halt witzig, wenn es auf den Song der Village People WMCA über den Bühnenrand kommt, ebenso der Laktosetolerant-Tango. Die Choreographie der kleinen Schritte beherrschen die jungen Männer im Anzug meisterhaft, damit auch bei Nur-Stimmen den „mitgeschleppten Männern“ im Publikum eben doch nicht langweilig wird.

Zum Schluss wie bei so vielen Feten gab’s auch hier Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“, allerdings stilecht genuschelt wie Herbert Grönemeyer.

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