NRZ-Umweltcheck

Kreis Kleve: Der Kleidung eine zweite Chance geben

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Blick in das „Frauenzimmer“ auf der Hoffmannallee in Kleve.

Blick in das „Frauenzimmer“ auf der Hoffmannallee in Kleve.

Foto: Frauenzimmer

Kleve.  Nils Weber und Corinna Wolf aus Kleve bevorzugen es, Gebrauchtes zu tragen bzw. zu verkaufen – der Umwelt zuliebe.

Achten Sie beim Kleidungskauf auf den Umweltschutz? Nils Weber beantwortet diese Frage aus dem repräsentativen Umweltcheck Kreis Kleve, den die Universität Duisburg-Essen gemeinsam mit der NRZ durchgeführt hat, unmissverständlich mit Ja. „Ich achte darauf und trage meine Kleidung möglichst lange.“ Was irgendwann verwaschen sei, eigne sich immer noch für den Sport, so manches, was kaputtgehe, könne man meist noch reparieren, findet er. „Wenn ich Kleidung kaufe, dann Second-Hand oder ökologisch produziert.“

So hat er kürzlich eine nagelneue Jeans erstanden, „die nach Angaben des Herstellers ein Leben lang halten soll“, wie Nils Weber sagt. Die Firma garantiere das, dafür sei der Kaufpreis auch etwas höher gewesen, sagt der Auszubildende zum Pflegefachmann.

In der Regel aber sei er nicht der erste Besitzer eines Kleidungsstücks. „Das ist nicht nur billiger, sondern auch umweltfreundlicher“, sagt der 21-Jährige. Allerdings, gibt er zu, brauche es auch etwas Zeit, die passenden Sachen zu finden, „weil es in Kleve ein solches Angebot nicht gibt“. Inzwischen hat er eine gewisse Routine und sucht gezielt. Fündig wird Nils Weber in Nimwegen, er bestellt seine Kleidung aber auch online, zum Beispiel bei der Secondhand-Fashion-Community „Vinted“. Käufer und Verkäufer schenken Kleidung dort für kleines Geld ein neues Leben. Längst wechseln dort auch Markenklamotten den Besitzer.

Seit gut drei Jahren gibt es in Kleve das „Frauenzimmer“

Die Idee, Kleidung noch einmal eine Chance zu geben, war vor gut drei Jahren auch Motivation für Corinna Wolf, ihr Second-Hand-Geschäft „Frauenzimmer“ zu eröffnen. Kleiner Wermutstropfen für männliche Kunden: Hier wird nur Kleidung für Frauen angeboten. Bei der Annahme von T-Shirts, Blusen, Hosen und Co. achtet sie darauf, Naturmaterialien im Angebot zu haben statt Ware aus Nylon, Polyester oder Acryl. „Auch meine Kundinnen gucken zunehmend danach, woraus die Kleidung gefertigt wurde“, sagt Wolf.

Das Publikum verändere sich und entscheide umweltbewusster, was gekauft wird, hat sie beobachtet. „Second-Hand war früher eine Frage des Geldbeutels.“ Inzwischen habe sie viele Kundinnen, für die Geld nicht das Kriterium sei, und auch sie selbst kaufe Gebrauchtes – „das habe ich schon immer so gemacht“.

Kaum Angebot für Second-Hand-Schuhe

In ihrem kleinen Laden an der Hoffmannallee 14 können ihre Kundinnen in gemütlicher Atmosphäre stöbern. „Viele kommen ganz gezielt zu mir und nehmen dafür auch schon mal einen weiteren Weg in Kauf“, berichtet die Geschäftsfrau. Sie bietet Casual Look, aber auch Business-Kleidung an, gern von Firmen, die nachhaltig produzieren. Gut nachgefragt werde auch ihr Angebot an Taschen. Marken wie Michael Kors, Longchamp, Liebeskind oder Taschendieb verkauft sie zu einem Drittel des ursprünglichen Preises. „Da ist dann auch schnell mal eine neue Tasche drin“, weiß Corinna Wolf.

Etwas schwieriger sei es bei Schuhen, sagt sie. Ein Problem, das auch Nils Weber kennt: „Es gibt zwar ein Angebot, doch ich habe eher selten das Glück, dann auch die passende Größe zu finden.“ Seine Konsequenz: Er trägt seine Schuhe, solange es eben geht.

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