Notdienstsystem

Kreis Kleve: Notdienste sollen im Krankenhaus erfolgen

Das St. Antonius-Hospital Kleve ist im Gespräch als Portalkrankenhaus. Die Idee: Hier würden die hausärztlichen Notdienste für den Nordkreis Kleve angeboten.

Das St. Antonius-Hospital Kleve ist im Gespräch als Portalkrankenhaus. Die Idee: Hier würden die hausärztlichen Notdienste für den Nordkreis Kleve angeboten.

Foto: Andreas Gebbink / NRZ

Kreis Kleve.  Künftig sollen die haus- und fachärztlichen Notdienste an die Krankenhäuser in Kleve und Geldern angedockt werden. Emmericher sehen Probleme.

Der hausärztliche Notdienst im Kreis Kleve wird in naher Zukunft neu organisiert. Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) spricht zurzeit mit den Krankenkassen, den örtlichen Kliniken sowie den Haus- und Fachärzten über die Einrichtung von so genannten Portalkrankenhäusern. Nach Informationen des Emmericher Krankenhausdirektors Jürgen Gerhorst sollen die Notdienste künftig an die Krankenhäuser in Kleve und Geldern angedockt werden. Hier würden dann alle haus- und fachärztlichen Notdienste am Wochenende oder an Feiertagen erfolgen. Eine Ausnahme bilden die Zahnärzte.

Bis 2022 sollen Notdienste nur noch am Krankenhaus erfolgen.

Das Konzept der „Portalkrankenhäuser“ steht im Einklang mit der Absichtserklärung des Landes NRW, flächendeckend bis 2022 diese Praxen einzuführen. Christopher Schneider, Sprecher der KVNO, erklärt, dass für den Kreis Kleve noch keine Standorte festgelegt worden sind. Ziel sei es aber, an geeigneten Standorten diese einzurichten.

Vorteil für den Patienten: Er müsse nicht mehr suchen, welcher Arzt am Wochenende Notdienst hat, sondern er weiß, dass er immer zum Portalkrankenhaus gehen kann. Die Krankenhäuser wiederum sollen sich auf die Krankenhausfälle konzentrieren können und nicht jeden Schnupfenpatienten im Notdienst behandeln müssen.

Emmerich kämpft für einen weiteren Standort

Die rechtsrheinische prohomine-Gruppe hat mit den bisherigen Planungen ein Problem. Sollten Kleve und Geldern als Portalkrankenhaus dienen, dann würden viele Patienten aus Elten und Emmerich erst recht beim Emmericher Krankenhaus aufschlagen, da sie den Weg bis Kleve nicht antreten würden, befürchtete Krankenhausdirektor Jürgen Gerhorst während einer Pressekonferenz. Vielmehr möchte man auch in Emmerich eine medizinische Versorgung in Notdienstzeiten anbieten.

Das bisherige Notdienstmodell der Haus- und Fachärzte würde mit Einführung der Portalkrankenhäuser entfallen. Die KVNO hofft darauf, dass es durch die Zentralisierung auch zu einer Entspannung der Wochenenddienste kommen kann. Zudem würden die Bagatellfälle aus der Notfallambulanz des Krankenhauses verschwinden. Wer auf einen Hausbesuch angewiesen ist, könnte diesen dann weiterhin über die 116117 anfordern, so der KV-Sprecher. In einem Portalkrankenhaus sollen dann neben den Hausärzten auch Orthopäden, Urologen, Kinderärzte und Augenärzte Dienst tun. Dies müsse für den Kreis Kleve noch diskutiert werden.

Klever Klinikverbund gibt sich noch bedeckt

Christian Wessels, Sprecher des Klever Krankenhauses, zeigt sich ob des Themas bedeckt: Die Organisation einer zentralen Notarztpraxis sei Sache der KV. „Aber wir finden eine zentrale Notfallpraxis gut“, sagte er. Ob diese in Kleve angesiedelt wird und wie diese ausgestattet werde, werde von der KV besprochen.

Barbara Nickesen, Regionaldirektorin der AOK Rheinland-Hamburg, hält das angedachte Portalkrankenhaus für eine „hervorragende Lösung“. So gewinne man eine schnellere Erreichbarkeit und es gebe eine gute Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. „Die Notfallpraxis übernimmt dann quasi eine Lotsenfunktion im System“, so Nickesen. Und davon könnten die Krankenhäuser und die Ärzte gleichermaßen profitieren.

Gelderner Direktor: Notfallpraxen werden kommen

Christoph Weß ist fest davon überzeugt, dass die Struktur der Notfallpraxen umgesetzt wird. Der kaufmännische Direktor des St. Clemens-Hospitals in Geldern teilt der NRZ auf Anfrage mit, dass man bereits einen Antrag an die KV gestellt habe, um eine Notfallpraxis in Geldern zu etablieren. Er halte die zwei Standorte Geldern und Kleve für sinnvoll, da hier auch das größte medizinische Angebot vorgehalten wird. Die Konzentration der Notdienste an einem Krankenhaus hätte viele Vorteile. Vor allem würden die Hospitäler entlastet, da sie so weniger Bagatellfälle bearbeiten müssen, die sie zudem nicht kostendeckend vergütet bekommen.

Für das neue System wird mal gleichwohl die hiesigen Hausärzte noch begeistern müssen. Denn bislang können viele Hausärzte ihre Notdienst halbwegs bequem zu Hause ableisten. Künftig hätten sie dann eine Präsenzpflicht im Krankenhaus. Das werde vielen Ärzten nicht schmecken.

Den Kreissprecher der KV-Nordrhein konnte die NRZ auch nach mehrmaligen Versuchen nicht erreichen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben