Landwirtschaft

Kreis Klever Bauern kämpfen wieder mit der Trockenheit

Landwirt Wilhelm Matenaer zeigt auf seinem Feld in Bedburg-Hau Kartoffeln, die noch deutlich größer werden sollen. Dafür braucht es jedoch Wasser.

Landwirt Wilhelm Matenaer zeigt auf seinem Feld in Bedburg-Hau Kartoffeln, die noch deutlich größer werden sollen. Dafür braucht es jedoch Wasser.

Foto: Niklas Preuten

Kreis Kleve.  Die Gerste ist eingefahren, beim Weizen drohen Einbußen und die Beregnungsanlagen laufen: Landwirte erleben das zweite zu trockene Jahr in Folge.

Mit jedem Schritt hinein in den Kartoffelacker an der Mühlenstraße in Bedburg-Hau wirbelt Wilhelm Matenaer unter seinen schweren Schuhen staubige Erde auf. „Spätestens Mitte der nächsten Woche brauchen die Pflanzen Wasser“, sagt der Landwirt, stapft zu einer der ausgebleichten Stellen auf dem grünen Feld und greift nach den welken Blättern.

Auf eine natürliche Unterstützung kann Matenaer nicht hoffen. Regen ist nicht in Sicht. Deshalb wird er die im vergangenen Jahr für mehr als 70.000 Euro angeschaffte Beregnungsanlage in Gang setzen, um die Speisekartoffeln auf seinen 25 Hektar Fläche zu bewässern. „Ohne Beregnung ist es mittlerweile unmöglich, Kulturen wie die Kartoffel anzubauen“, sagt Matenaer.

Gerstenernte begann früher als gewohnt

Das zweite bislang außergewöhnlich trockene Jahr in Folge hinterlässt Spuren bei den Landwirten im Kreis Kleve. „Die Lage ist sehr angespannt“, sagt Josef Peters. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Kleve möchte zwar „keine schwarzen Szenarien an die Wand malen“ und betont, dass „die Natur noch vieles aufholen kann“. Doch die Landwirte müssen auf die anhaltende Trockenheit reagieren. Die Gerste wurde vielerorts rund zehn Tage früher als im Durchschnitt der vergangenen Jahre eingefahren. „Sie hat am wenigsten gelitten“, stellt Peters fest. „Aber beim Weizen werden die Einbußen größer sein.“

Kartoffelbauer Matenaer, der neben Gerste und Weizen auf kleineren Flächen auch Raps, Zuckerrüben und Mais anbaut, denkt insbesondere an seine Kollegen mit vielen Tieren im Stall, die auf die Futterproduktion angewiesen sind. „Die Situation könnte noch schlimmer als im vergangenen Jahr werden, als viele Bauern noch mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Damals hatten unsere guten Böden noch Wasser gespeichert“, sagt Matenaer. Das ist in den unteren Schichten im erneut trockenen Sommer häufig anders. „Jetzt wird es kritisch“, meint er.

Peters nennt Dürrehilfen einen „Flop“

„Das Geld von den Futterzukäufen aus dem vergangenen Jahr fehlt zudem auf dem Konto“, sagt Peters und nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund: „Die Bauern müssten höhere Preise am Markt erzielen, doch dafür sehe ich wegen der mafiösen Strukturen im Einzelhandel wenig Chancen.“ Auch die im trockenen Sommer 2018 versprochenen Dürrehilfen sieht der Chef der Klever Kreisbauernschaft sehr kritisch: „Viele Schadensmeldungen wurden abgelehnt und bezahlt ist noch so gut wie gar nichts. Das war insgesamt ein Flop.“

Die Trockenheit und ihre Folgen sind auch für viele Bauern im landwirtschaftlich geprägten Kreis Kleve weitere Gründe, sich ernsthafte Gedanken über die Zukunft des eigenen Betriebs zu machen. „Wir müssen uns in den nächsten Jahren auf einen Strukturwandel einstellen, den wir so noch nicht erlebt haben“, sagt Josef Peters.

Zuversicht trotz wenig Niederschlag

Wilhelm Matenaers Blick richtet sich erst einmal auf Ende August. Dann beginnt die Ernte der Lagerkartoffeln. 40 bis 50 Tonnen sind das Ziel. Bei allen Schwierigkeiten, die der ausbleibende Regen für die Vegetation mit sich bringt, stimmen die durchschnittlichen Erträge der bereits eingefahrenen Frühkartoffelernte den Bedburg-Hauer Landwirt zuversichtlich: „Die Böden sind einfach optimal geeignet für Kartoffeln.“

Während Matenaer bei den Frühkartoffeln jedoch mit wenig Bewässerung auskam, wird dies nun anders sein. Einen Wunsch hat er für die nächsten Wochen: „Die große Hitze darf nicht kommen, sonst bekommen wir durch die Verdunstung Probleme.“

Das sagt Meteorologe Hubert Reyers zur Trockenheit

Ein paar Tropfen könnten hier und da im Kreis Kleve am Samstag fallen, doch den ersehnten Landregen kann Hubert Reyers den Landwirten nicht ankündigen. „Und auch für die nächste Woche ist keine richtige Regenfront in Sicht“, sagt der Hobby-Meteorologe aus Kellen. Reyers möchte zwar die Hoffnung auf einen etwas nasseren Sommer als im vergangenen Jahr längst noch nicht aufgeben, doch „wir stehen jetzt schon wieder sehr trocken da“.

Im Vergleich zu den 750 Litern pro Quadratmeter (l/m²) Niederschlag, die hierzulande im Durchschnitt als Jahresmenge fallen, war 2018 mit 500 l/m² ein extremer Ausreißer. „Wir sind also mit einem Defizit in das neue Jahr gestartet und spüren die Nachwirkungen noch immer. Die Unterböden haben gar kein Wasser gesehen“, stellt Reyers fest.

Mit der bisher gefallenen Niederschlagsmenge von rund 300 l/m² ist auch das Jahr 2019 zu trocken. „Der Stress für die Vegetation hält damit an“, sagt Reyers, dem noch etwas Sorgen bereitet: „Wir haben enorm hohe Verdunstungsraten. Das Wasser kommt oft gar nicht im Boden an.“

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