Ärztemangel

KV lud Landkreise zum Gespräch

Ärzte fehlen in Landkreisen.

Foto: Thorsten Lindekamp

Ärzte fehlen in Landkreisen. Foto: Thorsten Lindekamp

Kreis Kleve.   Hospitationsmodell im Kreis Kleve wurde gelobt. Neuer fachärztliche Notdienstangebote an zentralen Klinikstandorten werden jetzt geplant

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Auch der Kreis Kleve war vertreten, als die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein mit Gästen aus Landkreisen über die Zukunft der ambulanten Versorgung diskutierte. Der Mangel an Medizinernachwuchs, Erfolg versprechende Initiativen zur Sicherstellung insbesondere der hausärztlichen Versorgung und die ambulante Notfallversorgung standen im Mittelpunkt des intensiven Austauschs, zu dem der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein ins Düsseldorfer Haus der Ärzteschaft eingeladen hatte.

„Es gibt viel zu besprechen im Bereich der ambulanten Versorgung, unseres Kerngeschäfts, zumal wir immer häufiger Hilferufe aus den einzelnen Regionen erhalten, in denen die ärztliche Versorgung zunehmend schwieriger wird“, sagte Dr. med. Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein, bei seiner Begrüßung.

An die 20 Gäste gerichtet, darunter die Landräte Thomas Hendele (Kreis Mettmann), Stephan Pusch (Kreis Heinsberg), Günter Rosenke (Kreis Euskirchen) und Wolfgang Spreen aus dem Kreis Kleve sowie weitere Vertreter kommunaler Gesundheitsbehörden, betonte Bergmann das gemeinsame Interesse: „Wir alle wollen auch in Zukunft eine gute und flächendeckende Versorgung – und die Zusammenarbeit vertiefen oder fortsetzen – auch dort, wo es sie, wie zum Beispiel im Kreis Kleve, schon gibt.“

Vermehrter Wunsch nach Teilzeitarbeit

Bergmann stellte die KV Nordrhein ausführlich. „Im Bereich der angestellten Mitglieder haben wir eine enorme Dynamik und vermehrt den Wunsch nach Teilzeitarbeit, was für die Bedarfsplanung eine große Herausforderung darstellt, denn unsere neuen Ärzte ersetzen die ausscheidenden Kolleginnen und Kollegen immer häufiger nicht zu 100 Prozent.“

Auch auf die Strukturen des Notdienstes ging Bergmann ein: „Das Thema ist für uns hochprioritär, da immer mehr Menschen mit Bagatellen direkt den Weg ins Krankenhaus wählen und auch die Hemmschwelle, die Rettungsdienstnummer 112 zu wählen, gesunken ist.“ Der hierarchische Reformansatz vor einigen Jahren habe keinen Erfolg gehabt. Flexiblere Lösungen würden gesucht, vor allem bei der Etablierung neuer fachärztlicher Notdienstangebote an zentralen Klinikstandorten. „Wir streben eine kooperative Versorgung zusammen mit dem stationären Bereich an“, sagte Bergmann.

Der Blick in die Zukunft galt neuen Initiativen zur Sicherstellung und Nachwuchsgewinnung der KVNO durch Mittel aus dem Strukturfonds in Nordrhein. Es ging um mögliche Kooperationen und Projekte der KV mit den Kommunen – vom Auftritt einzelner Kreise auf den Praxisbörsentagen der KVNO über Werbung für Kommunen auf www.kvno.de bis hin zu Aktionen für Studierende vor Ort.

Spreen dankte der KV Nordrhein

Wie Nachwuchswerbung seitens der Kommunen konkret aussehen und wie erfolgreich sie sein kann, demonstrierte Wolfgang Spreen, Landrat des Kreises Kleve. Er dankte der KV Nordrhein für den intensiven Dialog und die ungeschminkten Analysen, etwa im Versorgungsreport der KVNO.

„Wir haben auf dieser Grundlage seit 2014 eine intensive Debatte in Politik, Ärzteschaft und Bevölkerung über die ärztliche Versorgung“, sagte Spreen. Er berichtete über das Hospitationsmodell des Kreises zur Anwerbung von Medizinernachwuchs. Der Kreis fördert ein- bis vierwöchige Hospitanzen von angehenden Niedergelassenen in Arztpraxen, deren Inhaber in den nächsten drei Jahren einen Nachfolger suchen, mit bis zu 8000 Euro. Seit 2015 habe man darüber immerhin drei Praxisnachfolger für den Kreis gewinnen können.

Alle Beteiligten waren sich einig darin, dass es insgesamt mehr Medizinstudierende braucht – und die Zugangsbeschränkungen zum Studium überdacht werden müssen. „Bis diese Maßnahmen greifen, wird allerdings noch viel Zeit vergehen. Deshalb werden wir heute aktiv – am liebsten zusammen mit den Kommunen“, sagte Bergmann.

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