Justiz

Landgericht Kleve: Sexuelle Belästigung im Wahn?

Mehr als ein Dutzend Taten werden einem 37-jährigen Klever vorgeworfen, der sich deshalb vor dem Landgericht Kleve verantworten muss. Die unbefristete, geschlossene Unterbringung des Angeklagten steht im Raum

Mehr als ein Dutzend Taten werden einem 37-jährigen Klever vorgeworfen, der sich deshalb vor dem Landgericht Kleve verantworten muss. Die unbefristete, geschlossene Unterbringung des Angeklagten steht im Raum

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve  Mehr als ein Dutzend Taten werden einem 37-jährigen Klever vorgeworfen, der sich jetzt vor dem Landgericht verantworten muss.

Körperverletzung, Sachbeschädigung, unerlaubter Betäubungsmittelbesitz, sexuelle Belästigung – mehr als ein Dutzend Taten werden einem 37-jährigen Klever vorgeworfen, der sich jetzt vor dem Landgericht verantworten muss. Der Mann ist psychisch krank, soll die Taten zumindest im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangen haben. Eine unbefristete, geschlossene Unterbringung steht im Raum.

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Weil die Zahl der Taten und dementsprechend auch die Zahl der Zeugen so hoch sind, hat die erste große Strafkammer des Klever Landgerichtes drei Verhandlungstage angesetzt. Die ersten neun Zeugen sagten aus, darunter fünf junge Frauen, die der in Polen geborene Angeklagte in Kleve sexuell belästigt haben soll.

„Als ich mich umdrehte, lachte er und streckte seine Zunge raus“

Eine der Zeuginnen begegnete dem Angeklagten am Klever Drei-Türme-Haus. Die Bürokauffrau hatte gerade Feierabend gemacht und lief nach Hause, als sie am Gesäß berührt wurde. „Als ich mich umdrehte, lachte er und streckte seine Zunge raus“, erinnerte sich die Zeugin. Der Angeklagte sei ihr dann gefolgt, habe hysterisch gelacht. „Ich kriege dich“, habe er gesagt. „Ich hatte das Gefühl, dass er umso mehr lacht, je mehr Angst ich bekomme“, so die 22-Jährige. Die Frau flüchtete in eine Apotheke, ihr Chef kam hinzu und versperrte dem schimpfenden Verfolger den Weg.

An die Schilderungen anderer Zeuginnen konnte er sich im Gericht nicht erinnern

Der Angeklagte sagte, er könne sich nicht mehr an den Vorfall erinnern, entschuldigte sich jedoch bei der Zeugin. Auch an die Schilderungen anderer Zeuginnen konnte er sich im Gericht nicht erinnern. „Kann sein. Ich wusste nicht mehr, dass es so viele waren“, erklärte er mit Blick auf die Belästigungsvorwürfe.

An einen Vorfall in der Praxis eines Klever Chirurgen erinnerte er sich hingegen. Laut Anklage soll er dort im Eingangsbereich ausfällig geworden sein und ein Messer gezogen haben. Die Praxismanagerin deeskalierte, der Chirurg verständigte die Polizei. „Er war nicht so ganz bei sich“, schilderte die Zeugin ihren Eindruck des Angeklagten. „Aber er hat nicht den Eindruck gemacht, als wollte er das Messer benutzen.“

Die unbefristete, geschlossene Unterbringung des 37-Jährigen steht im Raum

Aktuell ist der Angeklagte in ärztlicher Behandlung: Er wurde bis auf weiteres in einer Psychiatrie untergebracht und nimmt dort freiwillig Medikamente. Er leidet an einer Schizophrenie. Deswegen steht im Verfahren die unbefristete, geschlossene Unterbringung des 37-Jährigen im Raum. Ein Psychiater nimmt als Sachverständiger am Prozess teil. Fortgesetzt wird die Verhandlung am 21. Januar.

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