Landgericht

Lange Haftstrafe für Uedemer Landwirt nach Gewaltausbruch

Der Landwirt aus Uedem verbirgt auf der Anklagebank neben seinem Verteidiger Harald Gruhn sein Gesicht hinter einem Aktenordner.

Der Landwirt aus Uedem verbirgt auf der Anklagebank neben seinem Verteidiger Harald Gruhn sein Gesicht hinter einem Aktenordner.

Foto: Niklas Preuten

Uedem/Kleve.   Das Landgericht Kleve hat einen Landwirt nach Schlägen mit einer Eisenstange gegen Veterinäre zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

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Mit einer 70 Zentimeter langen Eisenstange hat er vor bald zwei Jahren Schlag auf Schlag das Leben zweier Veterinäre und auch sein eigenes vollständig verändert. Dieses geht nun vorerst im Gefängnis weiter. Am Donnerstag verurteilte die 1. große Strafkammer des Landgerichts Kleve den Landwirt aus Uedem wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen und versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Drei Monate davon gelten wegen der außergewöhnlich langen Zeit zwischen Tat und Urteil, einer „rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung“, als verbüßt.

Die Augen des 46-Jährigen ruhten während des Urteilsspruch und der Begründung auf dem Vorsitzenden Richter Jürgen Ruby. Der Angeklagte nahm die Sätze ohne äußere Regung auf. Dies passte in das Persönlichkeitsbild, das der psychiatrische Gutachter Dr. Jack Kreutz zuvor von ihm gezeichnet hatte: „Introvertiert, verschlossen, sorgenvoll. Er kann seine Gefühle nicht äußern“, stellte der Leiter der Forensischen Psychiatrie der LVR-Klinik in Bedburg-Hau fest und sprach von einer „ängstlich-depressiven Anpassungsstörung im mittleren Bereich“.

„Psychische Ausnahmesituation“

Auf Grundlage dieses Gutachtens kam das Gericht zu dem Schluss, dass der Angeklagte im Zustand erheblich verminderter Steuerungsfähigkeit gehandelt habe. Im Herbst 2016 brannte auf dem Hof in Uedem erst eine Scheune ab und dann verunglückte innerhalb von zwei Tagen seine Mutter, schickte die Feuerwehr eine Rechnung über 10 000 Euro und kündigten die Veterinäre ihre Kontrolle an, die über den Erhalt von Subventionen entscheiden sollte. „Er hat sich in einer psychischen Ausnahmesituation befunden und hatte das Gefühl, die Welt habe sich gegen ihn gestellt“, sagte der Vorsitzende Richter.

Als die Veterinäre am nächsten Tag eklatante Mängel in der Schweinehaltung entdeckten und dokumentierten, rastete der Landwirt aus: Er schlug mit der Eisenstange zunächst eine 31-jährige Emmericherin nieder und malträtierte anschließend deren 44-jährigen Kollegen, der den Kanibalismus der Schweine mit einem Handy fotografiert hatte. Weil der Veterinär seinen Kopf schützte, brachen Ellenbogen und Unterarm. Erst als er in Todesangst dem Uedemer eine Lösung für das Prämienproblem in Aussicht stellte, ließ dieser von ihm ab.

Verminderte Schuldfähigkeit

„Er hat seinen Arm, Berufsfähigkeit und Psyche geopfert, um sein Leben zu retten“, sagte sein Rechtsanwalt Ulrich Kerschka. Gemeinsam mit Wolfgang Köhler, dem anderen Anwalt der Nebenklage, beantragte er bis zuletzt, dass das Gericht eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Betracht ziehen solle. Kerschka warf dem Angeklagten vor, seine Anpassungsstörung mit Blick auf eine verminderte Schuldfähigkeit simuliert zu haben. Verteidiger Harald Gruhn betonte dagegen, dass sein Mandant die korrekte Kontrolle der Veterinäre in seiner eigenen Wirklichkeit erlebt habe. Der 46-Jährige sei völlig überfordert gewesen.

Mit dem Urteil blieb die 1. große Strafkammer des Landgerichts unter dem Strafmaß von fünfeinhalb Jahren, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. „Ich schäme mich für mein Verhalten und bitte um Entschuldigung“, sagte der Landwirt mit leiser Stimme in seinem letzten Wort.

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