Soziales

Laumann sprach über die Zukunft der Altenpflege

Karl-Josef Laumann referierte beim Caritas Kreisverband in Weeze.

Karl-Josef Laumann referierte beim Caritas Kreisverband in Weeze.

Foto: Andreas Gebbink

Weeze.   Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann möchte eine „Kita für alte Menschen, nur anders organisiert“

Da sprach Karl-Josef Laumann mal Tacheles. Anlässlich des Jahresempfangs des Caritasverbandes Kleve referierte der NRW-Gesundheitsminister im Weezer Bürgerhaus über die Zukunft der Altenpflege. Ein Thema, welches zurzeit im Brennpunkt der Diskussion steht und zu dem auch Laumann eine Menge zu sagen hat. Der Minister, der sich seit 25 Jahren mit diesem Thema beschäftigt, hat den aktuellen Koalitionsvertrag mitverhandelt und weiß daher, wo die Probleme sind.

Die häusliche Pflege

Zu Beginn seiner Ansprache bat er darum, mehr Verständnis für die bestehende Pflegeversicherung aufzubringen. Als man die Versicherung 1995 auf den Weg brachte, habe es in Deutschland nur wenige Strukturen für die Pflege von alten Menschen gegeben: Tagespflege, betreutes Wohnen, ambulante Pflege, all das habe man erst entwickeln müssen: „Und bei der Schaffung der Pflegeversicherung hat damals noch kein Mensch über das Thema Demenz gesprochen. Das spielte einfach keine Rolle“, so Laumann.

Heute werde jeder zweite Pflegeheimbewohner als dementiell erkrankt eingestuft. Und daher sei es wichtig, dass seit zwei Jahren diese Pflegeform stärker berücksichtigt wird. Von den zusätzlichen sechs Milliarden Euro seien drei Milliarden in die Pflege von dementiell erkrankten Menschen gegangen: „Das ist ein Quantensprung“, so Laumann.

Aber es gebe nach wie vor viele Probleme. Zurzeit erhalten 600 000 bis 700 000 Menschen Leistungen aus der Pflegeversicherung. In den nächsten Jahren werden diese Zahlen jährlich um zwei bis drei Prozent steigen. „Das ist die größte Herausforderung, die wir haben“. Denn auch die Zahl der Pflegekräfte müsse wachsen: NRW benötige jedes Jahr 4000 zusätzliche Pfleger. „Wie wollen wir das schaffen? Und wir müssen realisieren: Nicht jede potenzielle Arbeitskraft kann eine Pflegekraft werden. Denn dafür benötigt man Einfühlungsvermögen, Empathie und Mitmenschlichkeit“, so Laumann.

Was ihn ärgere, sei das ewige Gerede von „ambulant vor stationär“. „Ich halte nichts von dieser These. Denn das heißt doch: Hüte dich vor der stationären Pflege!“ Aber der Staat habe nicht zu bestimmen, wo ein alter Mensch wohnt. „Es gibt so viele Menschen, die zu Hause vereinsamen. Da schaut nur noch zwei Mal am Tag der Pflegedienst vorbei und dann war’s das. Es ist schon bezeichnend, dass wir genau wissen, wie Schweine im Stall leben. Aber über die Lebensverhältnisse älterer Menschen zu Hause wissen wir so gut wie nichts“, sagte Laumann.

Er kämpfe für mehr Geld für die Pflege: „Wir haben Milliarden in die Hand genommen, um den Kita-Ausbau voranzubringen. Das ist auch gut so. Aber was wir brauchen, ist auch eine Art Kita für ältere Menschen, nur anders organisiert. Wir brauchen eine Anlaufstelle für einsame Menschen.“

Laumann appellierte an die Pflegeheimbetreiber, die Tagespflegeeinrichtungen so groß zu machen, dass dort dementiell und nicht-dementiell erkrankte Menschen zusammen betreut werden. Denn wenn ausschließlich kranke Menschen zusammenkommen, leide darunter das Leben.

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