Schule

Lehrerausbildung in Kleve: Geschichte in die Schule bringen

Wolfgang Dahms, Jürgen Bleisteiner, Micaela Krone (von links) sitzen im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Kleve vor dem historischen Foto einer Schulklasse aus 1952.

Wolfgang Dahms, Jürgen Bleisteiner, Micaela Krone (von links) sitzen im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Kleve vor dem historischen Foto einer Schulklasse aus 1952.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve-Kellen.  Im Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Kleve kooperieren angehende Lehrer mit dem Heimatverein „Cellina“.

In Kellen stecken viele Geschichten in der Geschichte. Mit ihnen könnte so mancher Lehrer beispielhaft spannenden Unterricht gestalten. Etwa über den Wandel vom Dörfchen in eine Industrie-Gemeinde über Umbrüche der 50er, 60er, 70 Jahre zur Entwicklung als heutiges Wohnviertel, überlegt Dr. Micaela Krone, Leitende Direktorin des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Kleve. Sie hat jetzt mit dem Heimat- und Kulturverein „Cellina“ in Kellen eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, genehmigt von den entsprechenden Gremien (Konferenz des Zentrums). Angehende Lehrer sollen jetzt, unterstützt von Klever Bürgern, kreative Ideen für Unterricht, Projekte, Bachelorarbeiten entwickeln. Der Heimat- und Kulturverein sieht sich als Motivator und will sein umfangreiches Heimatarchiv öffnen.

Das Ausbildungszentrum für angehende Lehrer hat seinen Sitz in Kellen in der inzwischen ausgebauten früheren Mädchenschule. Auch dazu fallen Wolfgang Dahms und Jürgen Bleisteiner vom Heimat- und Kulturverein „Cellina“ auf Anhieb Themen ein: Die Schule sollte 1928 ganz modern eine koedukative Schule sein, also für gemeinsame Bildung von Jungen und Mädchen. Der männliche Rektor war bereits ernannt. Aber die katholische Kirche machte Druck: Der Mann, Dr. Teigeler, wurde durch Fräulein Hunck ersetzt. Es wurde eine reine Mädchenschule. Erst genau 40 Jahre später, 1968, kam mit Herbert Drießen der erste Mann, der die Mädchen unterrichten durfte.

Jürgen Bleisteiner hat eine besondere Verbindung zum Haus

Eine ganz besondere Bindung hat Jürgen Bleisteiner zu diesem Haus, war er hier doch viele Jahre Fachleiter für Geschichte, seit das Lehrerseminar für Gymnasien gegründet wurde. Da ging er bereits mit Referendaren zum „Memorial-Park“ in Kellen, „eine Art Walhalla mit martialischen Symbolen aus dem ersten Weltkrieg liegt neben dem Mahnmal gegen Krieg, Terror und Gewalt – als das 1986 aufgestellt wurde, mussten wir vielfachen Widerstand aushalten“, erinnert sich Jürgen Bleisteiner. Seminarleiterin Dr. Krone sieht dazu, wie Referendare „erfrischend“ mit Klever Schülern zur „Erinnerungskultur“ in Kontakt treten könnten etwa mit der Frage: Sind Volkstrauertage noch zeitgemäß? Auch am historischen Lehrpfad könnten sich „Veranstaltungs-Settings“ ergeben, so Krone. Wolfgang Dahms regt eine Zeitzeugenbefragung der Kriegskinder an.

Die Vorschläge sprudeln, die Vereinbarung ist unterschrieben. „Wir werden das jetzt langsam auf die Füße stellen“, freut sich Micaela Krone. Es geht beim Lehr-Inhalt natürlich nicht nur um Kellen, sondern um Übertragbarkeit, exemplarische Situationen mit theoretischem Wissen zu verknüpfen und im Unterricht anzuwenden. Dafür ist das Zentrum für schulpraktische Ausbildung der künftigen Lehrer da. Im Gebäude der alten „Willibrordschule“, das nach 2000 kernsaniert wurde, zog 2003 die gesamte Lehrerausbildung aller weiterführenden Schulformen ein und füllt inzwischen auch den gläsern-offenen Anbau. Seither erfahren jährlich 500 Referendare und Lehramtsanwärter die Vorzüge des Niederrheins.

Allen drei Initiatoren liegt daran, dass auch die Klever Bürger mehr von dem schönen, modern ergänzten Gebäude haben. Es soll sich für die Umgebung und Veranstaltungen öffnen. Der Kulturverein Cellina jedenfalls möchte ein- bis zweimal im Jahr zu einem Konzert oder Vortrag einladen.

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